Schlüsselkompetenzen für Juristen: neue Perspektiven

12-stündiger Work­shop zur Gesprächs- und VerhandlungsführungLogo Gesprächstechnik

Auch im Sommersemester 2015 hatten Studierende des Fachbereichs V sowie interessierte MitarbeiteInnen und ReferendarInnen wieder die Möglichkeit in einem 12-stündigen Workshop zur „Gesprächs- und Verhandlungsführung für JuristInnen“ ihre kommunikativen Fähigkeiten zu schulen und mehr über das Führen von professionellen Mandantengesprächen zu erfahren. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Gleichstellungsbeauftragten des Fachbereichs. Wie im vergangenen Semester konnte auch dieses Mal wieder Anne-Katharina Schiefele (M.Sc.), wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachbereichs I (Psychologie), als Dozentin gewonnen werden. Ein Großteil der TeilnehmerInnen bestand zudem aus Mitgliedern der RLC (Refugee Law Clinic Trier e.V.), die in Absprache mit der Gleichstellungsbeauftragten das Seminar als zusätzliches Angebot in der Ausbildung der ehrenamtlichen Flüchtlingsberater nutzen wollte.

Neben dem Gesetzestext selbst stellt die Sprache das wohl wichtigste Handwerkszeug in ausnahmslos allen juristischen Berufen dar – ob es nun darum geht zu beraten, zu verhandeln oder zu vernehmen. Wer als JuristIn an der Schnittstelle zwischen Mensch und Recht arbeitet, kommt daher im beruflichen Alltag zwangsläufig immer wieder in Situationen, in denen er einem Nichtjuristen juristische Sachverhalte erklären oder etwa in einem Gespräch juristisch relevante Informationen herausfiltern muss.

Denkt man nur beispielsweise daran, dass schon vermeintlich einfache Begriffe wie „Totschlag“ oder „Besitz“ von juristischen Laien oftmals anders interpretiert werden, so fällt es nicht schwer sich vorzustellen, wie leicht im Laufe eines solchen Gesprächs Missverständnisse aufkommen können, die im Ergebnis auf beiden Seiten Frustration zur Folge haben.

Für ein erfolgreiches Mandantengespräch sind somit Kenntnisse zur erfolgreichen Gesprächs- und Verhandlungsführung von Vorteil. Im Rahmen des Workshops wurden daher kommunikative Fähigkeiten und Techniken vermittelt, die sowohl rein praktisch die Vorbereitung und Gesprächsstrukturierung als auch kommunikations-psychologische Aspekte betreffen, wie den Aufbau einer vertrauensvollen Gesprächsbeziehung, den Umgang mit schwierigen Mandanten und die richtige Sprachwahl.

Neben theoretischen Grundlagen stand dabei vor allem das praxisorientierte Lernen im Vordergrund. Im Rahmen von mehreren Rollenspielen konnten die Teilnehmer das neue Wissen direkt umsetzen und auch einmal selbst in die Rolle des unbedarften Gesprächspartners schlüpfen. Nicht zuletzt durch die Möglichkeit jedes Rollenspiel auf Video aufzuzeichnen bot sich die Möglichkeit, den eigenen Gesprächsstil und das eigene Auftreten durch Reflexion und konstruktive Kritik  zu verbessern.

Aufgrund der bisher unverändert hohen Nachfrage und zahlreicher positiver Rückmeldungen der TeilnehmerInnen ist geplant, dass der Workshop als Bestandteil des ergänzenden Ausbildungsangebots der Gleichstellungsbeauftragten fest etabliert werden soll. Damit wird auch in den nächsten Semestern die Möglichkeit für Studierende bestehen, sich im Rahmen dieses Workshops wichtige „Soft Skills“ für das spätere Berufsleben anzueignen.

Stella Neuerburg, stellv. Gleichstellungsbeauftragte FB V