Der Macher des Unikörper: Ulysses Wagner

Ulysses Wagner

In schwachem Licht steht ein nackter muskulöser Mann auf einem Berg. Der Berg besteht aus weiß schimmernden, leeren, übereinander geworfenen Einkaufswagen. Im Ausfallschritt rammt der Mann einen langen hölzernen Stab mit lebensgroßer schwarzer Flagge in den Berg. Auf dem Friedhof des Verbrauchs stellt sich der Einzelne dem Konsum entgegen. Es ist eines der inszenierten Fotos im Aktkalender Unikörper 2016.

Ulysses Wagner ist auch einer, der sich dem Strom entgegenstellt und die Gesellschaft hinterfragt. Der Student der Psychologie und Philosophie ist gemeinsam mit Marco Piecuch der Initiator des Aktkalenders Unikörper. Mit dem Idealismus die Welt zu verändern, entwickeln sie 2011 ein Konzept und suchen Spendenempfänger für ihr Projekt. Aus der Ursprungsidee ein Magazin für Fotografien zu veröffentlichen, wird ein Wendekalender mit Aktbildern. Die Erlöse gehen an Organisationen, hinter deren ideologische Ziele sie sich stellen können.

Für den guten Zweck machen sich die Studierenden der Fachhochschule und der Universität nackt und lassen sich von Trierer Fotografen im Unikörper in Szene setzen. Die Aktbilder sollen Aufmerksamkeit erregen und für die Anliegen der Spendenempfänger werben. Ulysses Wagner ist bewusst, dass Aktbilder den Betrachter herausfordern und erklärt: „Wenn ich Studierende einfach so in die Landschaft stelle, dann passiert da nicht viel. Wenn ich sie ausziehe, bewegt sich das Foto zwischen Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz.“

Unikörper 2016Eigentlich wollte der Psychologie und Philosophie Student Botschafter werden, um Einfluss zu nehmen und seinen Teil dazu beizutragen die Welt zu verbessern. Jetzt ist er der Macher eines Benefizaktkalenders. Er organisiert die Modells, koordiniert die Fotografen und kümmert sich um die Vermarktung: „Idealismus ist etwas, das im Studium seine Hochphase erlebt. Danach ist es auch noch relevant, wird dann aber mit der Realität konfrontiert. Die Wirtschaft ist eine viel größere Maßgabe, als man das im Studium so wahrnimmt.“ Die Erfahrung macht er mit dem Unikörper. Der Aufwand ist hoch und der wirtschaftliche Ertrag gering.

 

Während des Studiums unternimmt Wagner zwei Auslandsaufenthalte. Der erste führt ihn nach Russland und danach reist er nach Frankreich. Zum ersten Mal bekommt er einen Zugang zu Kunst. Dank der Kultur des freien Eintritts ist es ihm dort möglich einmal im Monat Museen kostenlos zu besuchen: „Um alles aufzunehmen, bin ich an jedem dieser Wochenenden in Museen gerannt.“ Er hat schon immer gern geknipst, aber durch die Erfahrung in Frankreich sieht er mehr in Fotos. Die Bilder im Aktkalender sollen nicht einfach ästhetisch sein. Sie sollen das zarte Wesen des Menschen zeigen und mit seiner Umwelt vereinbaren: „Obwohl du dich nach außen stark präsentierst, hat jeder eine sehr verletzliche Seele. Die Gesellschaft kann relativ einfach auf die Seele großen Einfluss nehmen.“

Von all den Künstlern, die ihm auf diesen Wegen begegnet sind, ist es der Trierer Fotograf Marco Piecuch, der UIysses Wagner am meisten inspiriert. Der Trierer ist für ihn der Outgoing-Typ, mit aggressiver und doch zurückhaltender Fotografie. Zu zweit bringen sie 2012 den ersten Unikörper heraus und gründen dafür die Objektiv GbR. Die Ausgabe 2016 ist ein kleines Jubiläum. Der Benefizkalender erscheint zum fünften Mal. Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen in diesem Jahr an die Deutsche Aids-Stiftung.

Ulysses Wagner schreibt gerade an seiner Abschlussarbeit. Langfristig möchte er seine Selbstständigkeit mit der Objektiv GbR weiter ausbauen. Aber die Zukunft des Unikörpers noch ungewiss: „Jetzt ist es die Frage, ob man damit expandiert oder aufhört.“ Ihn haben Anfragen von anderen Universitäten erreicht, die gern einen Aktkalender gestaltet hätten, ganze Studiengänge mit einem Aktkalender retten wollen oder gern Tipps zur eigenen Umsetzung eines Aktkalenders hätten. Statt dem Unikörper kann er sich auch vorstellen, eine Laufbahn als Coach einzuschlagen. Es bleibt offen, für was Ulysses Wagner nach seinem Abschluss Botschafter werden wird.

Den Unikörper 2016 gibt über die Homepage des Unikörper zu kaufen

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