Freitags pauken die Schüler an der Uni

SM_DSC_7717_klein„Chinabilder in Bewegung“ – dahinter verbirgt sich kein Workshop in Video-Animation sondern ein Schnupperstudium der Sinologie und Computerlinguistik. 

26 Personen und vier Kursleiter schauen gebannt auf die Leinwand im PC-Pool der Sinologie. Kein Gähnen, keine Quatschen, stattdessen konzentrierte Aussprache und ein leises Rattern von Schreibtischstuhlrollen. Es geht darum, herauszufinden wie man Texte durch Computersysteme auswerten kann. Der freitagnachmittäglichen Einsamkeit des Campus zum Trotz ist der Seminarraum komplett gefüllt – mit Schülern. Der Kurs ist Teil des ersten Schnupperstudiums der Studienfächer Sinologie und Computerlinguistik. In einer dreiteiligen Seminarreihe mit Wochenendakademie und obendrauf einem Abschlusszertifikat lernen Schüler unter dem Titel „Chinabilder in Bewegung“ das Studium an der Universität Trier kennen.

Nathalie Westphal

Nathalie Westphal

Nathalie Westphal ist Schülerin des Auguste Viktoria Gymnasiums. Im Schnupperstudium will sie China mal von einem möglichst neutralen Punkt sehen. Mit zwölf hat sie eine Dokumentation im Fernsehen gesehen und angefangen, sich für Asien zu interessieren. Die Schülerin erinnert sich genau: „Ich hörte das erste Mal davon, dass man mit der Veränderung der Tonlage ganze Wortbedeutungen ändern kann.“ Danach recherchiert sie im Internet und findet viele chinesische Schriftzeichen, die sie seitdem übt und Bücher dazu sammelt.

Das Schnupperstudium bietet Oberstufen-Schülern wie Nathalie Westphal eine Einführung in die chinesische Landeskunde, computerlinguistische Methoden und ein interkulturelles Training. Thematischer Aufhänger der Veranstaltung ist der schnelle und grundlegende Wandel Chinas, der in der globalen Wahrnehmung oft zu vereinfachten Stereotypen führt. Auch das deutsche Chinabild ist von vielen Klischees geprägt. Universitätsprofessor Dr. Christian Soffel möchte mit dem Schnupperstudium Schülern eine Gelegenheit bieten, die Sinologie auf dem Campus zu erleben und gleichzeitig etwas Neues zu lernen: „Uns ist es wichtig, einen Einblick in unsere Forschung zu geben und den Schülern im Seminar zu zeigen, wie man einen ausgewogenen sachlichen Blick auf die Volksrepublik China bekommen kann.“

Shende Tao

Shende Tao

Mit dem neuen Wissen im Gepäck geht es nach den Seminaren am Freitagnachmittag auf eine Winterakademie mit Übernachtung in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Das Angebot findet Shende Tao richtig gut. Für den Schüler ist das eine gute Vorbereitung auf ein Universitätsstudium: „Bevor man in das Studium startet, ist es gut, schon einmal an der Uni einen Kurs gemacht zu haben, um zu wissen wie es ist und wie so etwas funktioniert.“ Nathalie Westphal und Shende Tao möchten beide später an der Universität studieren. Shende Tao denkt eher über etwas mit Mathematik oder Informatik nach. Nathalie Westphal schätzt Sinologie und Japanologie als sehr renommierte Studiengänge ein. Sie will sich nur noch zwischen ihnen entscheiden.

Das Pilotprojekt Schnupperstudium der Sinologie und Computerlinguistik fördert die Nikolaus-Koch-Stiftung. Kooperationspartner sind das Max Planck Gymnasium, das Auguste Viktoria Gymnasium und das Angela-Merici-Gymnasium in Trier. Der Initiator Prof. Dr. Christian Soffel zeigt sich sehr zufrieden mit dem Projektverlauf: „Wir sind begeistert von der Motivation der Schüler. Man merkt, dass sie aus eigenem Antrieb hier sind und unbedingt lernen wollen.“ Damit es auch in Zukunft wieder ein Schnupperstudium der Sinologie und Computerlinguistik gibt, arbeitet er mit seinem Team daran, dass die Zusammenarbeit mit der Nikolaus-Koch-Stiftung und der Kontakt mit den Schulen weiter so gut funktionieren.

SM_Projektleitung_klein

Das Team: Dipl.Ling. Andrei Beliankou, Prof. Dr. Christian Soffel, Dr. Sven Naumann, M.A. Lydia Wolf.

Kontakt

M.A. Lydia Wolf
Universität Trier – Sinologie
Lehrstuhl Prof. Dr. Christian Soffel
Tel. 0651-201-3261
E-Mail: knoche@uni-trier.de

Homepage