Die Forschung zeigte ihre vielen Gesichter

Campus Dialog Forschung Foto: Sheila Werner

Campus Dialog Forschung Foto: Sheila Werner

„Campus Dialog Forschung“ als Schaufenster wissenschaftlicher Bandbreite

Den Dialog über Forschung auf dem Campus anzuregen: Dieses Konzept steht hinter der Gesprächs- und Präsentationsveranstaltung „Campus Dialog Forschung“. Zum dritten Mal brachte dieses Format  die Forschung und die Forscher an der Universität ins Gespräch – untereinander und mit der interessierten Öffentlichkeit.

„Das Format hat seinen Platz auf dem Campus gefunden“, stellte der Initiator des Forums, Prof. Dr. Michael Jäckel, bei der Begrüßung fest. Den thematischen Fokus hatte der Universitätspräsident in diesem Jahr auf Institute gerichtet. Die ausgewählten wissenschaftlichen Einrichtungen sind jeweils einem der sechs Fachbereiche zuzuordnen. In der Podiumsrunde wurde aber schnell deutlich, dass ihre wissenschaftliche Arbeit nicht an Fächergrenzen endet, sondern überwiegend interdisziplinär und damit auch vielfach fachbereichsübergreifend ausgelegt ist.

So sehr sich die Arbeitsgebiete der sechs präsentierten Institute inhaltlich unterscheiden, verbindet sie andererseits eine beachtliche Schnittmengen: Sie beschäftigen sich mit Themen längerer Dauer und sie arbeiten – wie beschrieben – interdisziplinär. Und noch ein verbindendes Element wurde in der von der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Ulrike Gehring moderierten Gesprächsrunde deutlich: Auch wenn es die mitunter sperrigen Institutsbezeichnungen nicht vermuten lassen, bezieht sich die Forschung doch in vielen Bereichen auf praxis- und alltagsnahe Fragen.

„Wir versuchen exzellente und gesellschaftsrelevante Forschung zu betreiben, um Veränderungen herbeizuführen oder neue Erkenntnisse zu gewinnen“, definierte Direktor Prof. Dr. Laszlo Goerke den Auftrag des Instituts für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union (IAAEU). Interessiert sich das IAAEU beispielsweise für Themen wie Streiks in der Daseinsvorsorge, die Auswirkungen des Berufspendelns oder den Einfluss von Handy-Nutzung am Arbeitsplatz auf die Produktivität, können es beim Institut für Umwelt- und Technikrecht (IUTR) Rechtsfragen im Zusammenhang mit Emissionen oder der Energiewende sein, erläuterte IUTR-Direktor Prof. Dr. Alexander Proelß.

In der Umweltprobenbank, repräsentiert durch ihren Leiter Prof. Dr. Michael Veith, archivieren Wissenschaftler Proben, um Veränderungen in der Natur rekonstruieren und feststellen zu können, wann und wo neue Substanzen auftreten. Das Centrum für Postcolonial und Gender Studies (CePoG) setzt sich mit Ideologien der Ungleichheit und Ungleichwertigkeit auseinander. Dabei kann auch die Diskussion um die Vorgänge in der Kölner Silvesternacht in den wissenschaftlichen Fokus rücken, verdeutlichte Cepog-Vorstandsmitglied Juniorprofessorin Dr. Franziska Bergmann.

Das Zentrum für Altertumswissenschaften an der Universität Trier (ZAT), vertreten durch Geschäftsführer Prof. Dr. Fabian Reiter, will Wissen über antike Kulturen vertiefen und setzt dazu modernste Technologien ein – auch zur Vermittlung von Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. Das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) sieht seine Aufgabe darin, Forscher zu unterstützen, um beispielsweise mit der Informationsflut besser umgehen zu können.

„Unsere Arbeit ändert sich, klassische Aufgaben haben sich überlebt“, stellte Dr. Anne-Kathrin Mayer, Leiterin der Abteilung Forschung und Entwicklung im ZPID, fest. Der Feststellung, dass Forschung ein dynamischer Prozess und Veränderungen unterworfen sei, konnten sich die Kollegen auf dem Podium nur anschließen. Zu den Veränderungsprozessen zählen beispielsweise das Vorrücken von Verbund- gegenüber der Einzelforschung und die starke Ausrichtung auf Interdisziplinarität.

Fachübergreifend ist auch das neue Graduiertenkolleg „Algorithmische Optimierung“ (ALOP) ausgerichtet, allerdings hat es seinen Ursprung und eindeutigen Schwerpunkt in der Mathematik. In der zweiten Podiumsrunde des Tages wurden den Besuchern die Struktur, Ziele und Arbeitsweisen des Programms für Nachwuchsforscher vorgestellt.

Für Graduiertenkolleg-Sprecher Prof. Dr. Volker Schulz und seine Kollegen aus der Mathematik war die Förderzusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für das Graduiertenkolleg die Krönung einer arbeitsreichen Entwicklungsphase. Perspektivisch steht hinter der institutionalisierten Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern die Vision, in Trier ein Zentrum für Algorithmische Optimierung aufzubauen.

Mit ALOP will das auf die Angewandte Mathematik fokussierte Fach die Tradition eines vorangegangenen erfolgreichen Graduiertenkollegs fortsetzen, an dem auch Mirjam Dür Ende der 90er-Jahre teilnahm. „Ein Graduiertenkolleg ermöglicht eine breite Ausbildung und bietet viele Möglichkeiten, beispielsweise eine breitere Einbindung in die Wissenschafts-Community“, blickte die Vizesprecherin des Graduiertenkollegs und Mathematik-Professorin auf eigene Erfahrungen zurück.

Die unterschiedlichen Ansätze und Biographien von vier Graduiertenkolleg-Teilnehmern auf dem Podium unterstrichen die thematische Vielfalt und die Verbindungen in die Volkswirtschaft sowie in die Wirtschafts- und Sozialstatistik.

Ergänzend zu den Gesprächsrunden spiegelten eine Poster-Session und eine Ausstellung die große Bandbreite der wissenschaftlichen Arbeit an der Universität.

Weitere Informationen: www.campusdialog.uni-trier.de