Der Tod an der Uni

DSC_1214_2

Die Kanz­le­rin holt Poe­try Slam mit hoch­ka­rä­ti­gem Teil­neh­mer­feld an die Uni­ver­si­tät Trier. Zu Gast waren der Tod, Trau­ern­de und Lei­chen. Trä­nen blie­ben aus. Statt­des­sen gelang mit dem Abend ein humor­vol­ler Auf­takt für eine gan­ze Veranstaltungsreihe.

Obwohl Sie noch nie zuvor einen Poe­try Slam erlebt hat, bringt die Uni­ver­si­täts­kanz­le­rin Dr. Ulri­ke Graß­nick den Poe­try Slam in den Hör­saal. Das Mot­to des Slam-Abends: Ster­ben und Tod. Gedimm­tes Licht, ein Mikro und der Mode­ra­tor Peter Sta­blo. Wer schon Mal einen Poe­try, Come­dy oder Sin­ger/­Song­wri­ter-Slam in Trier besucht hat, kennt die Atmo­sphä­re und das Gesicht Sta­b­los. Neun Kan­di­da­ten tre­ten mit selbst­ge­schrie­be­nen Tex­ten gegen­ein­an­der an. Sie erhal­ten eine Publi­kums­wer­tung und der Gewin­ner des Abends ist der mit den meis­ten Punkten.

DSC_1219_2

Sla­mer Mar­kus Becherer

Ich bin der Tod“, spricht Mar­kus Beche­rer mit lei­ser und kräch­zen­der Stim­me in das Mikro. Dann schnippst er, schnippst noch ein­mal. Eins und eins: „Jede Sekun­de stirbt ein Mensch.“ Der Sla­mer spielt den Tod. Der weiß, dass ihn die Men­schen häss­lich und grau­sam fin­den. Er benei­det die Men­schen um ihre Ver­gäng­lich­keit und Ahnungs­lo­sig­keit – um ihr Leben. Manch­mal ver­steht er sie nicht. Als Tod bekommt er nie, wie ande­re, eine Post­kar­te mit der Auf­schrift „Ich den­ke an Dich“.

Das Teil­neh­mer­feld des Slams setzt sich ganz unter­schied­lich mit dem The­ma aus­ein­an­der. Alex Gei­ger will kei­ne To-do-Lis­te im Leben abar­bei­ten und am Ende viel­leicht nur 15 Pro­zent gelebt haben, weil er nicht mehr Haken auf der Lis­te setz­ten konn­te. Fran­cis Kirps führt das Publi­kum auf den Fried­hof und zeigt, wie es ist, wenn die nächt­li­che Ruhe von Unge­zie­fer oder Okkul­tis­ten gestört wird.

Das Publi­kum ver­gibt die höchst mög­li­che Punkt­zahl an Mar­kus Beche­rer. Er gewinnt den Poe­try Slam. In der Sze­ne ist er bekannt. 2014 gewann er die Poe­try Meis­ter­schaft Rhein­land-Pfalz, 2015 und 2016 wur­de er Vize-Meister.

DSC_1087_2

Hör­saal als Kleinkunstbühne

Sonst haben Poe­try Slams kein bestimm­tes The­ma. Die Stu­den­tin Ali­na besucht sie regel­mä­ßig und geht mit einer Erkennt­nis nach Hau­se: „Mir ist klar gewor­den, dass der Tod nicht nur das Ende ist.“ Die Idee zum Slam an der Uni­ver­si­tät Trier kam auf, weil die Hos­piz­be­we­gung Triers die­sen Som­mer gleich ein drei­fa­ches Jubi­lä­um fei­ern: 20 Jah­re Hos­piz Ver­ein Trier, 15 Jah­re Ambu­lan­ter Hos­piz- und Pal­lia­tiv­be­ra­tungs­dienst und 10 Jah­re Sta­tio­nä­res Hos­piz. Alle drei beschäf­ti­gen sich in Ihrem Arbeits­all­tag mit dem Ster­ben. Sie wol­len Men­schen ein wür­de­vol­les, selbst­be­stimm­tes Leben bis zuletzt ermöglichen.

Der Hos­piz­ver­ein orga­ni­siert mit ande­ren Insti­tu­tio­nen und Ver­ei­nen der Stadt eine Rei­he von Ver­an­stal­tun­gen unter dem Titel „Letz­te Insze­nie­rung“. Das The­ma Ster­ben soll nicht län­ger ein Tabu sein son­dern in die Öffent­lich­keit gelan­gen. Dafür ist die Uni­ver­si­tät genau der rich­ti­ge Ver­an­stal­tungs­ort, fin­det Tobi­as Sau­er, Prak­ti­kant im Deka­nat Weich­bil­lig und Stu­dent der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät: „Im Stu­di­um geht es dar­um, wie man sein Leben gestal­tet. An der Uni­ver­si­tät stellt man Wei­chen, die uns bis zur letz­ten Insze­nie­rung begleiten.“

Der lan­ge Applaus am Ende des Poe­try Slams zeigt, wie gut dem Publi­kum und der Uni-Kanz­le­rin der Abend gefal­len hat. Die „Letz­te Insze­nie­rung“ geht auf dem Cam­pus wei­ter. Bis 5. Juni kann man an Schie­fer­ta­feln auf dem Forum gegen­über der Men­sa und vor dem Ein­gang des A/B-Gebäu­des den Satz ergän­zen: „Bevor ich ster­be, möch­te ich …“