Aus Tokio: Der erste Beitrag

Hallo allesamt, mein Name ist Jan Lukas Kuhn und im Zuge meines Japanologie-Studiums an der Uni Trier hat es mich für ein Jahr nach Tokio verschlagen.

Ich. In einem Antiquariat in Jinbōchō, Tokio.

Dank der zahlreichen Partnerschaftsverträge der Universität Trier wurde es mir ermöglicht aus zahlreichen Universitäten zu wählen, unter anderem zwischen Osaka oder eher ländlichen Regionen abseits der Ballungszentren.

Warum also Tokio? Warum die Sophia Universität?

Die Sophia Universität liegt im Zentrum Tokios – der Kaiserpalast und der Sitz des Premierministers sind nicht weit entfernt. Trotzdem wird man im „Concrete jungle“ – so bezeichnen einige Japaner gerne ihre Megacity, in der jeder Millimeter mit Beton zugebaut zu sein scheint – kaum von Großstadtlärm belästigt. Die Zuglinien sind viel genutzt und manchmal sind mehr Taxis auf den Straßen unterwegs als Privatwagen.

Aussicht aus dem zehnten Stock des Hauptgebäudes, in dem sich die Deutschen Studien befinden

Aussicht aus dem zehnten Stock des Hauptgebäudes, in dem sich die Deutschen Studien befinden

Vom Unterrichtszimmer im siebten Stock, in dem mein Japanischkurs stattfindet, kann man an klaren Tagen den schneebedeckten Gipfel des Fuji sehen. Von einem anderen Gebäude aus sieht man ein Neobarockschloss, den Akasaka-Palast, der im Jahr 1909 für den damaligen Kronprinzen errichtet wurde. Kurz: Man sieht und erlebt viel Seltsames, das nicht zusammenzupassen scheint und oft dem eigenen Weltbild nicht entspricht. Eine Ansammlung von Kuriosem, das so kaum woanders auf der Welt zu finden ist.

Akasa PalastÜbrigens: Die Stadt Tokio habe ich schon einmal im letzten Jahr im Zuge der Summer Session der Sophia Universität besucht. Die Summer Session bietet zahlreiche Seminare, von Wirtschaft bis Kunstgeschichte und ein Programm, das Theaterbesuche und andere Kulturveranstaltungen vorsieht. Ich konnte im Jahr 2014 die Seminare „Literatur in Tokio“ und „Japanische Populärkultur“ belegen und zum ersten Mal aus „Kabuki“- und „Nô“-Theateraufführungen besuchen.

Für mich ist es also das zweite Mal in Japan und ich glaube mich in einem Maße an dieses Land gewöhnt zu haben, dass eine Reise von Trier ins benachbarte Frankreich einen größeren Kulturschock darstellen würde als hier in Japan zu leben.

In diesem Jahr habe ich die Gelegenheit in den Deutschen Studien Seminare zu belegen, die für deutsche und japanische Studierende gleichsam angeboten werden. Dadurch komme ich leicht in Kontakt mit deutschlandinteressierten Japanern und kann mich in beiden Kulturen weiterbilden. Im Moment belege ich ein Übersetzungsseminar über Hirokazu Koreedas Film „Still Walking“ (Aruitemo aruitemo). Im Seminar übersetzen wir mit einem japanischen Mitstudierendem die Romanadaptionen sukzessive vom Japanischen ins Deutsche. Dann vergleichen wir unseren Text mit dem Originalwerk.

Tokio Tower

Der der Eiffelturm nachempfundene Tokio Tower vor Weihnachten

Diese Seminare sind allerdings speziell für den Austausch konzipiert, d.h. die Seminare, die normalerweise von japanischen Germanistikstudierenden besucht werden, stehen für Austauschstudierende in der Regel nicht offen. Um eine japanische Veranstaltung zu besuchen, muss man den JLPT (offiziellen Japanisch-Sprachtest) auf höchstem Level bestehen. In diesem Sinne sind die Veranstaltungen, die in diesem Programm für deutsche Studierende angeboten werden, ein guter Kompromiss.

Während ich diesen Artikel schreibe, bereite ich mich auf die Abschlussklausuren vor. Danach beginnen die Frühlingsferien, die in der Regel hausarbeits- und hausaufgabenfreie Zeit sind und die frei zum Reisen und Erkunden zur Verfügung stehen. Das nächste Mal werde ich, abseits der Universität, einige meiner Lieblingsorte in Tokio vorstellen.