Von oben ist alles gleich

Von oben sieht alles gleich aus. Der gleiche Flügel, die gleichen Wolken, die gleiche Erde. Doch wenn man genauer hinsieht erkennt man: Nichts ist eigentlich wirklich gleich.

Nach elf langen Stunden in einem kalten Lufthansaflieger und merkwürdigem Essen bin ich endlich in Tokyo angekommen. Tokyo? Genau, denn bevor es nach Kobe geht, werde ich erstmal das Land bereisen. Die Beamten am Flughafen waren sehr nett, entgegen allen Vorhersagen wurde mir sogar auf Japanisch geantwortet. Mehrfach. Keiner hat sich gezwungen gefühlt Englisch zu sprechen. Bereits nach den ersten Minuten in der Monorail Richtung Innenstadt bemerkt man, wie Unterschiedlich diese Stadt doch ist. Auf der einen Seite riesige Wolkenkratzer, dazwischen kleine Einfamilienhäuser oder heruntergekommene Butzen mit zerstörten Holzfensterläden. Kleine, stickige Läden die Secondhand Elektronik verkaufen, oder der supermoderne, klimatisierte Shoppingkomplex. Was will diese Stadt eigentlich vermitteln?

Auf jeden Fall kein einheitliches Bild, sondern viele Facetten und erst recht keine Norm. Oder doch? Viele Personen in Businessoutfits die für sich bleiben sowie Menschen, die einen in der Bahn heimlich ansehen (was sich im Laufe der Zeit in einem ewigen Kreislauf zu wiederholen scheint). Und zwischen all diesen Menschen und all diesen großen und kleinen Häusern eine Luft, die ziemlich heiß ist und die man mit einem Messer durchschneiden kann, weil sie so dick und wässrig ist. Dazu: Hektik. Die Bahnkarte von Fahrern, die nicht schnell genug durch die Schranke gehen , verschwindet einfach wieder im Automaten und so sind manchmal sogar mehrere Fahrten einfach verloren. Schnelle Fahrradfahrer, für die es keine Wege gibt, die aber trotzdem den ganzen Bürgersteig für sich einnehmen, als gehöre er nur ihnen. Aber zugute halten muss man: Überall Getränke. An jeder Ecke kann man sich kühle Erfrischungen zu besten Preisen aus den Automaten ziehen, was die Hitze dann doch nur noch 2 Mal statt 3 Mal so schlimm wie Zuhause macht. Ich bin gespannt, wie sich die nächsten acht Stunden in dieser Stadt gestalten werden. Denn wo bei euch gerade erst der Nachmittag anfängt, ist es hier schon Nacht.

Ein Kommentar

  1. Die Erfahrung am Flughafen kann ich bestätigen. Mit den Beamten dort lässt es sich sehr gut auf Japanisch plaudern. Ich fühle mich immer sofort willkommen, wenn ich einreise.

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