Wie man am US-Cam­pus überlebt

Es klingt dra­ma­tisch, alles in allem lässt sich die „Inter­na­tio­nal Stu­dent Ori­en­ta­ti­on“ so jedoch ganz gut zusam­men­fas­sen. Wer Angst vor einem Aus­lands­auf­ent­halt an der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty hat, wird sie spä­tes­tens hier wie­der los: Das Leben am Cam­pus und in den Twin Cities wird an die­sen drei Tagen in all sei­nem Facet­ten­reich­tum aus­gie­big gezeigt und ver­ständ­lich gemacht.

Am ers­ten Tag fan­den sich die neu­en Inter­na­tio­nals zag­haft für die Vor­stel­lungs­run­de zusam­men. Es ist bemer­kens­wert, aus wel­chen Län­dern Stu­die­ren­de in die USA kom­men: Von Finn­land über Indo­ne­si­en bis Gha­na sind zahl­rei­che Natio­nen ver­tre­ten. Ich ler­ne hier also nicht nur etwas über die US-ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur, son­dern auch, dass es fin­ni­sches Base­ball gibt und dass Argen­ti­ni­er immer ihren Mate-Tee brau­chen. Gleich dar­auf fol­gend stell­ten sich eini­ge Orga­ni­sa­tio­nen der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty vor.

Anderson Center - Hier fand ein Großteil der "International Student Orientation" statt.

Ander­son Cen­ter – Hier fand ein Groß­teil der “Inter­na­tio­nal Stu­dent Ori­en­ta­ti­on” statt.

Eins vor­weg: Wir durf­ten uns alle, und zwar wirk­lich alle, jedes Mal erneut vor­stel­len und den Satz „Wenn irgend­et­was ist – egal was – kommt zu uns“ haben wir gefühlt tau­send Mal gehört. Freund­lich­keit wird hier (wie im letz­ten Blog­post schon erklärt) großgeschrieben.

Nach­dem sich das Sicher­heits­per­so­nal vor­ge­stellt hat­te (Sicher­heits­e­s­kor­te, wenn man nicht im Dun­keln allei­ne heim­lau­fen möch­te, inklu­si­ve), mach­ten wir Bekannt­schaft mit den Coun­se­ling- und Health-Ser­vices. Für einen deut­schen Stu­die­ren­den ist das etwas sehr unge­wöhn­li­ches: An der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty ste­hen einem eine Grup­pe von Psy­cho­lo­gen und sogar ein Psych­ia­ter zur Sei­te. Und wenn man mal krank wer­den soll­te, braucht man gar nicht erst vom Cam­pus zu gehen, um medi­zi­nisch betreut zu wer­den. Letz­te­res ist vor allem ange­sichts des Gesund­heits­sys­tems in den USA eine Beson­der­heit. Im Gegen­satz zu Deutsch­land ist hier eine Kran­ken­ver­si­che­rung nicht selbst­ver­ständ­lich und extrem kostspielig.

An Essen mangelte es natürlich nicht: Das Frühstück variierte jeden Morgen.

An Essen man­gel­te es natür­lich nicht: Das Früh­stück vari­ier­te jeden Morgen.

Zwi­schen­durch zeig­te uns eine der Glo­bal Men­tors den Cam­pus, der mit eini­gen Beson­der­hei­ten auf­war­ten kann. So gibt es zum Bei­spiel einen stei­ner­nen Sitz­kreis, der spe­zi­ell dafür ange­fer­tigt wur­de, Semi­na­re bei gutem Wet­ter nach drau­ßen ver­le­gen zu kön­nen. Spä­ter wur­de gemein­sam in einem äthio­pi­schen Restau­rant zu Abend geges­sen – glück­li­cher­wei­se hat­ten wir eine Äthio­pie­rin an Bord, die uns die ver­schie­de­nen Gerich­te erklä­ren konnte.

Gleich am nächs­ten Mor­gen wur­den uns die Do’s und Don’t’s rund um die US-ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur näher­ge­bracht. Beson­ders wich­tig: Immer schön eine Arm­län­ge Abstand zum Gegen­über hal­ten und ein freund­li­ches „How are you?“ nicht zwin­gend als Auf­for­de­rung für ein Update über den gegen­wär­ti­gen Geis­tes­zu­stand ver­ste­hen. Spä­ter stell­te sich eine Orga­ni­sa­ti­on vor, die sich mit dem The­ma Sexua­li­tät beschäf­tigt. Ein wei­te­rer Punkt, der für eine deut­sche Ori­en­tie­rungs­wo­che eher unüb­lich wäre: Uns wur­de bei­ge­bracht, Kom­mi­li­to­nen nach bevor­zug­ten Pro­no­men zu fra­gen, für den Fall, dass sich die­se Per­son nicht mit „er“ oder „sie“ identifiziert.

Old Main, das Schmuckstück des Campus.

Old Main, das Schmuck­stück des Campus.

Dar­auf folg­te ein Will­kom­mens­pro­gramm mit gemein­sa­men Mit­tag­essen, bei dem inter­na­tio­na­le Stu­die­ren­de und Mit­ar­bei­ter der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty auf­ein­an­der­tra­fen. Beson­ders beein­dru­ckend war die Rede einer der Glo­bal Men­tors: Sie selbst war vor eini­gen Jah­ren aus Sim­bab­we nach Saint Paul gekom­men und mach­te uns Mut, die Zeit an der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty zu nutzen.

Mut mach­ten den Inter­na­tio­nals auch die dar­auf fol­gen­den Bei­trä­ge. Das „Wri­ting Cen­ter“ und „Aca­de­mic Suc­cess“ sind dafür da, einem bei jeg­li­chen schrift­li­chen Aus­fer­ti­gun­gen oder über­wäl­ti­gen­dem Lern­auf­wand zu hel­fen. Bei ers­te­rem kann man sogar fer­ti­ge Arbei­ten Kor­rek­tur lesen las­sen. Wir lern­ten auch die Prä­si­den­tin der Uni­ver­si­tät ken­nen, die jeden per­sön­lich nach Inter­es­sen frag­te – was dar­in resul­tier­te, dass eine Stu­den­tin sich mit ihr zum Golf ver­ab­re­de­te und ein ande­rer zu einem Gespräch über die US-Prä­si­dent­schafts­wah­len in ihr Büro ein­ge­la­den wurde.

Am letz­ten Tag der „Ori­en­ta­ti­on“ spra­chen wir haupt­säch­lich über das Leben in den Twin Cities und über Mög­lich­kei­ten, sich z.B. im Rah­men der „Inter­na­tio­nal Stu­dent Orga­ni­za­ti­on“ zu enga­gie­ren. Wir wur­den nicht nur auf das Mit­ein­an­der mit US-ame­ri­ka­ni­schen Kom­mi­li­tio­nen, son­dern auch auf All­täg­li­ches vor­be­rei­tet: Uns wur­den Busti­ckets, Taxis, aber auch die Mit­fahr-App „Uber“ erklärt und Mobil­netz­an­bie­ter sowie Kre­dit­in­sti­tu­te emp­foh­len. Nach die­sen drei Tagen fühl­ten wir uns bes­tens gewapp­net, den Här­te­test in Sachen USA anzu­tre­ten: ein Trip in die Mall of Ame­ri­ca und ein Besuch der Min­ne­so­ta Sta­te Fair. Dazu im nächs­ten Blog­post mehr.

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