Mall of America und Minnesota State Fair

Eimerweise Essen, gefrorener Wein und Mega-Shoppingpalast – zum Ende unserer „International Student Orientation“ hieß es von der Theorie zur Praxis und das gerade erst angeeignete Wissen über die US-amerikanische Kultur selbst erleben.

Das eindrucksvolle Gebäude der Mall of America

Das eindrucksvolle Gebäude der Mall of America

Gleich am letzten Tag der „Orientation“ wurden wir am späten Nachmittag mit zwei Bussen zur Mall of America gefahren. Klingt wie der Konsumtempel schlechthin, ist es auch: In den hunderten Geschäften der zweitgrößten Mall der USA kann man durchaus den ein oder anderen Dollar lassen. Schon von außen mussten wir einen kurzen Moment inne halten und das gigantische Gebäude bestaunen: Hier wird Größe auf die Spitze getrieben. Typisch amerikanisch, denn von der Saftflasche bis zur Portion Essen im Restaurant ist hier alles mindestens zwei Mal so groß wie in Deutschland. Gleich im Eingangsbereich erwartete uns die nächste Überraschung. Im Gegensatz zu sämtlichen deutschen Shoppingmalls war es unglaublich sauber, man könnte prinzipiell vom Boden essen.

Der Burger bei Shake Shack war zwar keine Augenweide, dafür aber ein Gaumenschmaus

Der Burger bei Shake Shack – natürlich inklusive Cheese Fries

Gemeinsam steuerten wir unter der Leitung unseres Global Mentors die erste Station an: Shake Shack. Schon in Deutschland habe ich davon gehört, wie sich vor einer New Yorker Filiale meterlange Schlangen bildeten, um einen der begehrten Burger zu ergattern. Das mussten wir zum Glück nicht.

Nach einer kurzen Wartezeit erwartete mich gleich die erste Blamage, als mich der Mitarbeiter begrüßte und nach meinem Namen fragte. Ich erwartete – typisch deutsch – einfach nur nach meiner Bestellung gefragt zu werden und war dermaßen perplex, dass ich diese auch gleich laut äußerte. So etwas passiert mir hier öfter, an Fragen als Begrüßung habe ich mich noch nicht gewöhnen können. Nachdem ich es später doch noch geschafft hatte, meinen Namen zu vermitteln, wurde ich nach kurzer Zeit schon aufgerufen (deswegen also der Name) und durfte den sagenumwobenen Burger mein Eigen nennen. Der wurde dem Hype übrigens gerecht – ob ich mich dafür stundenlang anstellen würde, weiß ich aber trotzdem nicht.

Gleich darauf liefen wir einige Meter weiter – und ich glaube selber noch nicht ganz, was ich jetzt schreiben werde. Mitten in der Mall of America befindet sich ein Freizeitpark. Inklusive Fahrgeschäften und Achterbahn. Das meine ich ganz ernst. Leider hatten wir keine Zeit, diesen genauer zu erkunden, der bloße Anblick war aber schon abenteuerlich genug.

Das Beweisfoto: Ein Freizeitpark in der Shoppingmall

Das Beweisfoto: Ein Freizeitpark in der Shoppingmall

Wer die Geschäfte in der MoA (wie die Ortsansässigen sie gerne nennen) erkundet, bemerkt schnell, dass von sehr günstig bis extrem teuer alles vertreten ist. In den drei Stunden, die wir dort verbrachten, wanderten wir trotzdem ohne viel einzukaufen umher. Und das, obwohl dank Labor Day Weekend Sales (also Schlussverkäufen anlässlich des US-amerikanischen Arbeitstages) vieles reduziert war. Diese Einkaufsunlust mochte bloßer Überforderung geschuldet sein, denn das einzige, was wirklich fokussiert geshoppt wurde, waren SIM-Karten. Übrigens: Im Bundesstaat Minnesota wird Kleidung nicht besteuert, beste Voraussetzungen waren also gegeben.

Am nächsten Tag ging es mit dem nächsten typisch US-amerikanischen Erlebnis weiter. Man stelle sich einen Jahrmarkt vor, bloß hunderte Male größer – so kann man die Minnesota State Fair beschreiben. State Fairs sind in den USA extrem beliebt, denn hier kommen Landwirtschaft, Fahrgeschäfte, (teilweise absurdes) Essen, Kunst und Kultur zusammen. Eine wilde Mischung, die viele von uns Internationals so noch nicht kannten.

Von Gondeln aus ließ sich das Gelände der State Fair von oben betrachten

Von Gondeln aus ließ sich das Gelände der State Fair von oben betrachten

Wir machten uns zu Fuß auf den Weg, denn vom Campus der Hamline University bis zum Gelände dauerte es lediglich 20 Minuten. Da wir bereits jeden Abend Konzerte von der State Fair bis zu unseren Dorms hören konnten, waren wir besonders auf die Größe des Ganzen gespannt. Um ca. 10 Uhr morgens kamen wir also an – und bemerkten gleich die ersten Besucher, die mit Pommes frites gefüllte Eimer vor sich trugen. Etwas irritiert steuerten wir, erneut unter der Leitung unseres Global Mentors, eine hoch angepriesene Köstlichkeit an: Martha’s Cookies. Die konnte man wahlweise in einem Eimer oder einem großen Hörnchen kaufen. Eines muss man den US-Amerikanern lassen, die Kekse hier heben sich deutlich von den deutschen ab.

Verrücktes Essen gab es auf der State Fair zu genüge

Verrücktes Essen gab es auf der State Fair zur Genüge

Essen war für uns mit Sicherheit das Topthema des Tages. Später probierten wir noch Cheese Curds, eine Art frittierter Käse. Was wahrscheinlich unfassbar ungesund ist, ist bisher mein liebstes US-amerikanisches Essen. Schlagwort „frittiert“: Auf der State Fair gab es sogar frittierte Schokoriegel, das habe ich meinem Magen jedoch nicht zugetraut. Unglaublicher Beliebtheit erfreut sich dafür „food on a stick“, also Essen am Stiel, das es in jeglicher Ausführung gibt. Bei der nächsten Delikatesse läuft es dem waschechten Trierer wahrscheinlich eiskalt den Rücken herunter: Rotwein-Slushies waren für mich definitiv eines der Highlights.

Gefrorener Wein: Ein Highlight für jeden Wahltrierer

Gefrorener Wein: Ein Highlight für jeden Wahltrierer

Neben diesen Leckereien ließen sich Fahrgeschäfte und verschiedene Shows besuchen und thematisch geordnete Hallen besichtigen, die von Umweltfreundlichkeit bis Handwerkskunst alles abdeckten. Besonders schön war die „Fine Arts“-Halle, in der die bildenden Künste Platz fanden. Eine Besonderheit wurde von einigen Internationals jedoch nicht besucht: die Tierausstellungen. Es gab sogar einen Stall, in dem die Tiere live gebaren. Das war uns dann doch etwas zu extrem. Dass die Minnesota State Fair eine der größten des Landes ist, bemerkten wir gegen Nachmittag. Menschenmassen schoben sich durch die Gassen und ließen kaum Platz, um die verschiedenen Attraktionen zu betrachten. Das war für uns der Startschuss, um den Nachhauseweg anzutreten und den ruhigen Campus zu genießen.

Ein Kommentar

  1. Das mit dem Essen und den „Delikatessen“ klingt ja wirklich ziemlich spannend. Da kriegt man gleich Lust sich selbst mal dort durchzuprobieren. Solche State Fairs wären ja mal eine Idee für Deutschland.

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