Abrei­se!

img_5656img_5654

A B R E I S E

 

Ein Wort, dass mit vie­len gemisch­ten Gefüh­len ver­bun­den ist.

Es hieß immer:  „Das dau­ert ja noch was, erst muss ich mei­ne münd­li­chen Prü­fung in FFA Eng­lisch hin­ter mich brin­gen“, wenn ich gefragt wur­de, wann ich denn abrei­sen würde.
Naja, nun sit­ze ich zwei Tage nach der münd­li­chen Prü­fung im Zug nach Lyon Part Dieu und es ´IST´ so weit.
Wie es mir geht? Ich bin unglaub­lich auf­ge­regt, links und vor mir sit­zen wirk­lich sehr net­te Leu­te. Sie haben mich auf fran­zö­sisch ange­spro­chen und ich muss­te erst ein­mal schlu­cken und bekam nur ein „OUI“ raus. Was sie gesagt haben? Kei­ne Ahnung. Ich habe mit dem biss­chen, was ich ver­stan­den habe, auf Eng­lisch geant­wor­tet, mit der Hoff­nung, dass sie es halb­wegs ver­ste­hen. Mir ist selbst­ver­ständ­lich mehr als bewusst, dass ich das in Frank­reich nicht mehr brin­gen kann.
Komisch, bis­her bin ich fast immer mit mei­ner Mut­ter­spra­che Eng­lisch durchgekommen.

Das ist mein ers­ter Besuch, bezie­hungs­wei­se mei­ne ers­te Rei­se, nach Frank­reich. Ich hat­te ab der 6. Klas­se bis zum Abi in der Schu­le Fran­zö­sisch. Das sind 8 Jah­re. Aber seit ich vor zwei Jah­ren mit dem Stu­di­um begon­nen habe, ist mein Fran­zö­sisch etwas eingerostet.
So, jetzt gehe ich aber mal genau­er auf mei­ne Abrei­se ein. Ich habe mich dafür ent­schie­den mit dem Zug zu fah­ren.  Also bin ich von Aachen aus, in Beglei­tung mei­ner Mut­ter, um 8:21 Uhr am 24.08.2016 in den ICE nach Brüs­sel gestie­gen. Von dort aus rei­se ich dann allei­ne bis nach Lyon Part Dieu wei­ter. Ankunfts­zeit ist 14:00 Uhr.
Die Fahrt ver­lief trotz mei­ner drei gro­ßen Kof­fer ganz angenehm.
Ich habe dort lei­der noch kei­ne Woh­nung. Als ich im Früh­jahr die Zusa­ge bekom­men habe, habe ich mich direkt ab April auf Woh­nungs­su­che bege­ben. Ich woll­te von vorn­her­ein nicht in ein Wohn­heim, da dies die häu­figs­te Unter­brin­gungs­art von Eras­mus Stu­den­ten ist und ich mir gewünscht habe eine WG mit rei­nen Fran­zo­sen zu haben, um bes­ser die Spra­che ler­nen zu können.
Für mei­ne Suche habe ich Online Platt­for­men wie ´Appar­ta­ger, Lebon­coin und La Car­te de Colocs‘ genutzt.  Zusätz­lich war ich noch in 5 wei­te­ren Face­book Woh­nungs­su­che-Grup­pen. Fün­dig bin ich dadurch jedoch nicht gewor­den. Dazu muss man sagen, dass Appar­ta­ger Geld kos­tet, da man sonst kei­ne Benach­rich­ti­gun­gen erhal­ten kann und nur begrenzt wel­che ver­schi­cken kann. Anders als die WG-Gesucht Grup­pe in Deutschland.
Man muss bei Lyon im Hin­ter­kopf behal­ten, dass sie die dritt­größ­te Stadt Frank­reichs ist und es dort unheim­lich vie­le Uni­ver­si­tä­ten gibt. Wor­aus man schluss­fol­gern kann, dass es ziem­lich vie­le Stu­den­ten gibt, die eben­falls irgend­wo unter­kom­men wol­len. Es ist also nicht das Ende der Welt vor Ort wei­ter­su­chen zu müs­sen. Es geht wahr­schein­lich vie­len so wie mir.  Ich blei­be zuversichtlich.
Wei­ter­hin den­ke ich, dass im Zeit­al­ter von Air BnB, Wim­du, um nur ein paar zu nen­nen, es ganz gute Alter­na­ti­ven gibt vor­über­ge­hend eine Unter­kunft zu finden.

Ich habe mir jetzt für die ers­ten 10 Tage eine Unter­kunft bei Air BnB  gesucht. Für den Rest der Woche sind in ers­ter Linie Woh­nungs­be­sich­ti­gun­gen geplant.

Es ist nicht so, als hät­te ich gar kei­ne Zusa­ge bekom­men, jedoch han­del­te es sich hier­bei um ein Zim­mer ohne Fens­ter, in einer WG, 400€  monat­lich. Nein Dan­ke! Zehn Mona­te ohne Fens­ter kam für mich nicht in Fra­ge! Die Vor­stel­lung allein fin­de ich deprimierend.
Aber ich bin gespannt wie die Woh­nungs­su­chen lau­fen werden.
Was mir sofort am Bahn­hof auf­fiel waren die gan­zen Sol­da­ten, wel­che über den gesam­ten Bahn­hof mit ihren rie­si­gen Mili­tär­ge­weh­ren patrouil­lie­ren. Ich sehe so etwas zum ers­ten mal. Es geht zwar kei­ne Bedro­hung von ihnen aus, aber es ist den­noch merk­wür­dig. Man spürt defi­ni­tiv die Angst vorm Ter­ror und will vor­be­rei­tet sein. Das The­ma inter­es­siert mich. Des­halb wer­de ich ein ander­mal dar­auf ein­ge­hen und euch ein wenig dar­über erzäh­len. Da die Situa­ti­on in Frank­reich, mei­ner Mei­nung nach, ziem­lich spe­zi­ell ist.

So, am Bahn­hof muss ich erst­mal ein Stünd­chen war­ten bis ich von mei­nem Air BnB Mit­be­woh­ner abge­holt wer­den kann. Es ist unglaub­lich heiß und der Bahn­hof ist sehr über­füllt. Ich ent­schlie­ße mich,  mich in ein Restau­rant zu set­zen und dort erst­mal einen Kaf­fee zu bestellen.

Nach kur­zem war­ten kommt der Kell­ner auch schon mit mei­ner Bestel­lung. Hmmm, irgend­was muss ich falsch gemacht haben, den­ke ich! Vor mir auf dem Tisch steht ein Kaf­fee in Minia­tur For­mat. Nach dem ers­ten Schluck weiß ich, dass es sich hier­bei um einen Espres­so und kei­nen Kaf­fee handelt.

Ich wer­de bald ler­nen, dass ein Kaf­fee in Frank­reich nicht gleich Kaf­fee in Deutsch­land bedeu­tet. Denn bestellt man in Frank­reich einen Kaf­fee, erhält man grund­sätz­lich einen Espres­so. Ein Kaf­fee, wie wir ihn ken­nen, nennt man hier einen Café Allon­gé. Aber ich kann euch gleich dazu­sa­gen, der wird mit Was­ser gestreckt und mir per­sön­lich schmeckt der nicht. Cap­puc­ci­no gibt es in den meis­ten Bou­lan­ge­ries nicht, genau­so wenig wie einen Café au lait. 

Zu den Prei­sen lässt sich sagen, dass ein Kaf­fee hier teu­rer ist, aber das war eigent­lich zu erwarten.

Der Rest des Tages ver­lief unspek­ta­ku­lär. Ich bin ein­fach froh gut und heil ange­kom­men zu sein. Ich bin gespannt dar­auf, wie ich in Lyon Fuß fas­sen werde.