Abreise!

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A B R E I S E

 

Ein Wort, dass mit vielen gemischten Gefühlen verbunden ist.

Es hieß immer:  „Das dauert ja noch was, erst muss ich meine mündlichen Prüfung in FFA Englisch hinter mich bringen“, wenn ich gefragt wurde, wann ich denn abreisen würde.
Naja, nun sitze ich zwei Tage nach der mündlichen Prüfung im Zug nach Lyon Part Dieu und es ´IST´ so weit.
Wie es mir geht? Ich bin unglaublich aufgeregt, links und vor mir sitzen wirklich sehr nette Leute. Sie haben mich auf französisch angesprochen und ich musste erst einmal schlucken und bekam nur ein „OUI“ raus. Was sie gesagt haben? Keine Ahnung. Ich habe mit dem bisschen, was ich verstanden habe, auf Englisch geantwortet, mit der Hoffnung, dass sie es halbwegs verstehen. Mir ist selbstverständlich mehr als bewusst, dass ich das in Frankreich nicht mehr bringen kann.
Komisch, bisher bin ich fast immer mit meiner Muttersprache Englisch durchgekommen.

Das ist mein erster Besuch, beziehungsweise meine erste Reise, nach Frankreich. Ich hatte ab der 6. Klasse bis zum Abi in der Schule Französisch. Das sind 8 Jahre. Aber seit ich vor zwei Jahren mit dem Studium begonnen habe, ist mein Französisch etwas eingerostet.
So, jetzt gehe ich aber mal genauer auf meine Abreise ein. Ich habe mich dafür entschieden mit dem Zug zu fahren.  Also bin ich von Aachen aus, in Begleitung meiner Mutter, um 8:21 Uhr am 24.08.2016 in den ICE nach Brüssel gestiegen. Von dort aus reise ich dann alleine bis nach Lyon Part Dieu weiter. Ankunftszeit ist 14:00 Uhr.
Die Fahrt verlief trotz meiner drei großen Koffer ganz angenehm.
Ich habe dort leider noch keine Wohnung. Als ich im Frühjahr die Zusage bekommen habe, habe ich mich direkt ab April auf Wohnungssuche begeben. Ich wollte von vornherein nicht in ein Wohnheim, da dies die häufigste Unterbringungsart von Erasmus Studenten ist und ich mir gewünscht habe eine WG mit reinen Franzosen zu haben, um besser die Sprache lernen zu können.
Für meine Suche habe ich Online Plattformen wie ´Appartager, Leboncoin und La Carte de Colocs` genutzt.  Zusätzlich war ich noch in 5 weiteren Facebook Wohnungssuche-Gruppen. Fündig bin ich dadurch jedoch nicht geworden. Dazu muss man sagen, dass Appartager Geld kostet, da man sonst keine Benachrichtigungen erhalten kann und nur begrenzt welche verschicken kann. Anders als die WG-Gesucht Gruppe in Deutschland.
Man muss bei Lyon im Hinterkopf behalten, dass sie die drittgrößte Stadt Frankreichs ist und es dort unheimlich viele Universitäten gibt. Woraus man schlussfolgern kann, dass es ziemlich viele Studenten gibt, die ebenfalls irgendwo unterkommen wollen. Es ist also nicht das Ende der Welt vor Ort weitersuchen zu müssen. Es geht wahrscheinlich vielen so wie mir.  Ich bleibe zuversichtlich.
Weiterhin denke ich, dass im Zeitalter von Air BnB, Wimdu, um nur ein paar zu nennen, es ganz gute Alternativen gibt vorübergehend eine Unterkunft zu finden.

Ich habe mir jetzt für die ersten 10 Tage eine Unterkunft bei Air BnB  gesucht. Für den Rest der Woche sind in erster Linie Wohnungsbesichtigungen geplant.

Es ist nicht so, als hätte ich gar keine Zusage bekommen, jedoch handelte es sich hierbei um ein Zimmer ohne Fenster, in einer WG, 400€  monatlich. Nein Danke! Zehn Monate ohne Fenster kam für mich nicht in Frage! Die Vorstellung allein finde ich deprimierend.
Aber ich bin gespannt wie die Wohnungssuchen laufen werden.
Was mir sofort am Bahnhof auffiel waren die ganzen Soldaten, welche über den gesamten Bahnhof mit ihren riesigen Militärgewehren patrouillieren. Ich sehe so etwas zum ersten mal. Es geht zwar keine Bedrohung von ihnen aus, aber es ist dennoch merkwürdig. Man spürt definitiv die Angst vorm Terror und will vorbereitet sein. Das Thema interessiert mich. Deshalb werde ich ein andermal darauf eingehen und euch ein wenig darüber erzählen. Da die Situation in Frankreich, meiner Meinung nach, ziemlich speziell ist.

So, am Bahnhof muss ich erstmal ein Stündchen warten bis ich von meinem Air BnB Mitbewohner abgeholt werden kann. Es ist unglaublich heiß und der Bahnhof ist sehr überfüllt. Ich entschließe mich,  mich in ein Restaurant zu setzen und dort erstmal einen Kaffee zu bestellen.

Nach kurzem warten kommt der Kellner auch schon mit meiner Bestellung. Hmmm, irgendwas muss ich falsch gemacht haben, denke ich! Vor mir auf dem Tisch steht ein Kaffee in Miniatur Format. Nach dem ersten Schluck weiß ich, dass es sich hierbei um einen Espresso und keinen Kaffee handelt.

Ich werde bald lernen, dass ein Kaffee in Frankreich nicht gleich Kaffee in Deutschland bedeutet. Denn bestellt man in Frankreich einen Kaffee, erhält man grundsätzlich einen Espresso. Ein Kaffee, wie wir ihn kennen, nennt man hier einen Café Allongé. Aber ich kann euch gleich dazusagen, der wird mit Wasser gestreckt und mir persönlich schmeckt der nicht. Cappuccino gibt es in den meisten Boulangeries nicht, genauso wenig wie einen Café au lait. 

Zu den Preisen lässt sich sagen, dass ein Kaffee hier teurer ist, aber das war eigentlich zu erwarten.

Der Rest des Tages verlief unspektakulär. Ich bin einfach froh gut und heil angekommen zu sein. Ich bin gespannt darauf, wie ich in Lyon Fuß fassen werde.