Wohnungsjagd, Französische Verwaltung und andere Abenteuer…

Only Lyon :)) <3

Only Lyon :)) <3

In Frankreich angekommen wird es dann Zeit der Realität in die Augen zu blicken, nämlich dass ich noch keine Wohnung habe. Einerseits ist man zuversichtlich etwas zu finden, andererseits bleibt da die Frage: „Was tue ich, wenn ich nicht fündig werde?“ Parallel dazu gibt es noch so viel anderes, was erledigt werden muss bevor die Uni am 12.9. offiziell losgeht.
Davor brauche ich eine Fahrkarte, um die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen zu können. Diese muss beim Netzwerkbetreiber TCL erworben werden. Also mach ich mich an meinem zweiten Tag in Lyon auf dem Weg dorthin. Ich weiß nicht wirklich, wie ich ins Zentrum komme, wo das TCL Büro liegt. Aber das kann doch nicht so schwer sein, denk ich mir und spreche einfach immer die Leute an und frage sie nach dem Weg. Ich habe zum Glück keine scheu was so etwas angeht.
Beim TCL Büro wird es etwas komplizierter, aber es ist machbar.
Es ist anders, als in Deutschland. In Deutschland zahlt man pro Semester einen Studienbeitrag und ist somit berechtigt innerhalb des Bundeslands die öffentlichen Nahverkehrsmittel zu nutzen. Dieser Beitrag variiert jedoch, von Bundesland zu Bundesland. In Lyon zahle ich als Erasmus Studentin keinen Beitrag. Stattdessen zahle ich monatlich einen Betrag von 31 Euro für meine TCL Karte, womit ich die öffentlichen Verkehrsmittel in Lyon nutzen kann. Dieser Betrag kommt bei den französischen Studenten zusätzlich zum Semesterbeitrag hinzu.

Aus dem Fenster meiner Wunschwohnung :)

Aus dem Fenster meiner Wunschwohnung 🙂

Kurz danach habe ich auch schon meine erste Wohnungsbesichtigung im dritten Arrondissement. Es ist eine Altbauwohnung. Die Wohnung wirkt auf mich sehr einladend. 9 Tage später bin ich dort eingezogen, aber davor hatte ich noch viele weitere Besichtigungen, die jedoch nicht alle nennenswert sind. 500 Euro kostet das 15qm WG-Zimmer, ein wirklich stolzer Preis, aber das ist etwas worauf man sich, bei einem Auslandssemester in Lyon, generell in Frankreich, einstellen muss.
Mein erster Eindruck von Lyon: heiß, wirklich sehr heiß und Mücken, diese Viecher lieben mich. Ich war ehrlich gesagt nicht auf diese Hitze eingestellt und auch nicht auf meine täglich mindestens sechs Stiche.
Meinen ersten wahren Kulturschock hatte ich, als ich einkaufen ging. MON DIEU. Das Frankreich teurer ist war klar, aber dennoch ist man da ein wenig überrascht. Hygiene Produkte sind meist doppelt so teuer. In Deutschland gibt man für ein Bolognese Gericht, für eine Person, grob 10Euro aus, je nachdem was man für Fleisch kauft, kann es dann auch schon weniger sein. In Lyon sind es mal schnell 15-20 Euro. Deo liegt bei 6 Euro, Zahnpasta kostet mal schnell 5 Euro und Haarspray 10 Euro.

Am nächsten Tag hatte ich wieder eine Wohnungsbesichtigung. Diesmal im Croix Rousse. Ein wirklich sehr schönes, auf dem Hügel liegendes, Szenenviertel in Lyon. Bei dieser Wohnung handelte es sich um ein Loft. Außer einem Bett und einigen Regalen befand sich in dem Zimmer nichts. Wie denn auch, es gab keinen Platz mehr dafür. Zwei Köpfe größer und ich wäre an die Decke des Zimmers gestoßen. Letztendlich ist es hier daran gescheitert, abgesehen von den zuvor genannten Punkten, dass ich erst im Oktober hätte einziehen können und ich hatte nicht vor diese Zeit mit Air BnB zu überbrücken.
Weitersuchen hieß es für mich also! Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob ich die Altbauwohnung bekommen würde.
Am Folgetag hatte ich eine andere Besichtigung, mitten in der Innenstadt, direkt am Cordeliers. Ich war sehr aufgeregt diese Wohnung zu besichtigen. Ich wohne in Trier mitten in der Innenstadt und kann sagen, dass das wirklich seine Vorteile hat. Diesmal war ich in Begleitung einer Freundin. Das Treppenhaus war wirklich sehr hübsch. Nicht mehr so schön, war es dann in der Wohnung. Es roch übel, wirklich übel. Die Spüle war voller Geschirr. Naja, ich denke mir halt, wenn man seine Wohnung loswerden möchte, in dem Fall ein Zimmer, sollte man sie von ihrer besten Seite zeigen. Mitten im Wohnzimmer war ein Bett, ein Kinderbett, dass als Sofa diente. Merkwürdig! Mein Zimmer war die Krönung. Außer einem Bett und einem Schreibtisch befand sich nichts im Zimmer. Die Matratze war gelb und fleckig. >Da wollte ich nicht liegen!< Und das beste…es befand sich kein Fenster im Zimmer. Das ließ sich der Wohnungsbeschreibung aber nicht entnehmen. 640 Euro sollte mich der Spaß kosten. Ich ließ ihn freundlich wissen, dass meinerseits kein Interesse bestand. Auf der Theke in der Küche war eine lange Liste von Interessenten.
Einige Stunden nachdem wir gegangen waren, bekam ich die Zusage für die Altbauwohnung. Endlich !!! Ich hatte nach Monaten eine Bleibe gefunden. Ein tolles Gefühl endlich angekommen zu sein.
Ich habe bei einem Soirée eine Deutsche Medizinstudentin getroffen, die in einer ähnlichen Situation war, wie ich zuvor. Sie berichtete mir von ihren Erfahrungen. Sie war so gestresst mit der Situation, dass Sie einmal in eine Wohnung eingezogen war, nur um am gleichen Tag wieder auszuziehen. Die Wohnung sei dreckig und ungemütlich gewesen. Sie hatte die Wohnung zuvor bei einer Hausparty gesehen, nur habe dieser Wohnungszustand angehalten. Zurzeit ist sie leider immer noch auf der Suche, wie viele anderen auch. Ich hoffe, dass sie bald fündig werden.
Zwei Tage nach meinem Umzug in die neue Bleibe fing auch schon die Uni an. Die Einführungsveranstaltung war mehr oder weniger gut organisiert. Ich wurde zunächst in die falsche Gruppe eingetragen, denn es gab eine Veranstaltung für europäische und nicht europäische Studenten. Ich konnte das zum Glück korrigieren und habe die richtige Veranstaltung besuchen können. Es blieben jedoch noch sehr viele Fragen offen zum Beispiel wie wir uns in der Bibliothek zurechtfinden konnten, um nur ein Beispiel zu nennen.
Der Unterricht ist sehr eintönig. Frontalunterricht wie ich ihn noch nie erlebt habe! Manchmal qualvoll. Wie sinnvoll Vorlesungen sind und inwiefern sie einem etwas bringen, ist eine Frage die nur individuell beantwortet werden kann. Dieser Art von Unterrichtsform kann ich persönlich jedoch nichts abgewinnen, aber da muss ich mich einfach anpassen. Es wird wöchentlich einfacher zum Glück!

Die Kurse gehen meisten2 Stunden Minimum. Da der Prof nichts hochstellt, tippen die Studenten das was der die Professor vorliest ab. Manche Wort für Wort. Fragen werden alle Jubeljahre gestellt. Meist sitzt der Professor in den zwei Stunden vorne und liest einfach nur vo seinen Unterlagen ab. Zwei Stunden Frontalunterricht bleibt jedoch meist nur den Erstis vergönnt. Meine Kurse gehen in der Regel 3-4 Stunden mit 10 Minuten Pause dazwischen. Das schwierige ist es auf einer Fremdsprache zuzuhören und dabei alles abzutippen zu müssen. Die französischen Studenten tippen wie Maschinen. Sie sind auf ihre Mitschriften für die Klausurvorbereitung angewiesen. In der Regel sind auch mehr Studenten bei den Vorlesungen anwesend, als in Deutschland. Auch wenn ich kein Fan davon bin, ist es interessant über seinen Horizont hinauszuwachsen und die Unterschiede zu sehen.
Mir wurde schnell bewusst, dass ich meine Strategie ändern musste. Mit meinen eigenen Mitschriften würde das mit der Klausur nichts werden. Ich beschloss also einfach mal auf die französischen Studenten zuzugehen und zu fragen, ob ich ihre Mitschriften mit meinen abgleichen durfte. Mehr als nein sagen konnten sie nicht. Zu meiner Überraschung zeigten sie sich alle sehr verständnisvoll und hilfsbereit und fragten sogleich nach meiner email adresse oder einem USB Stick. Nur trauen muss man sich! 😀

Meine Bank in Lyon

Meine Bank in Lyon

 

Nächste Hürde Bankkonto. Zu dem Zeitpunkt war mir nicht bewusst auf was für ein Abenteuer ich mich da begab. Noch bevor die Uni begann setzte ich mich damit auseinander, wo ich ein Konto für 10 Monate in Frankreich eröffnen konnte. Meine Wahl viel auf BNP Paribas. Das wichtigste war es für mich zu wissen: wie lange es dauern würde, zu welchen Konditionen und wie das mit der Schließung danach aussäe und natürlich, was sie alles von mir benötigten. Die Dame von der Bank beantwortete ganz freundlich alle meine Fragen. Sie sprach außer französisch keine weitere Sprache. Ich weiß auch nicht wieso ich davon ausging, dass eine Bankangestellte englisch spricht. Sie war sehr geduldig mit mir, wenn ich Wörter die ich nicht Verstand, mit dem Handy übersetzte. Immerhin wollte ich wissen worunter ich am Ende meine Unterschrift setzte.
Zusammengefasst meinte Sie, dass es Maximal 1 1/2 Wochen dauern würde, höchstwahrscheinlich aber nur eine Woche. Alles klar! Ich beschaffte ihr alle Unterlagen. Da fingen die Probleme auch schon an. Sie verlangten plötzlich immer mehr und mehr Dokumente, wovon beim ersten treffen keine Rede war und wollten einen am besten immer schnell abwimmeln. Eine Freundin von mir musste mehrmals dort vorstellig werden und jedes mal verlangten sie etwas neues von ihr. Nachdem ich beim ersten mal weggeschickt wurde, wollte ich aber dass sie mal Klartext mit mir reden und klar und deutlich sagen, was sie alles von mir benötigten. Ich wies sie auch daraufhin, dass ich gerade um eine solche Situation zu vermeiden einen Infotermin vereinbart hatte. Sie zeigten sich dann doch entgegenkommend, indem Sie mir ein Formular mitgaben, dass ich einfach nur von meiner Vermieterin ausfüllen lassen sollte. Meine Ausweiskopie und die meiner Vermieterin hatten sie immerhin schon, sowie eine Kopie der letzten Telefonrechnung. Ich durfte endlich unterschreiben und das Konto öffnen. Meine zuständige Dame von der Bank meinte, dass ich einen Brief mit meinem PIN in den nächsten 3-4 Tagen erhalten würde, worauf ich in die Bank kommen konnte, um die Karte abzuholen. Perfekt! Naja dachte ich zumindest. Weit gefehlt. Zehn Tage später und ich hatte immer noch keinen Brief von der Bank. Ich machte mich also, nach langem warten, eines Nachmittags auf dem Weg dorthin, um mich nach dem Rechten zu erkundigen. Dort wurden mir netterweise die vermissten Briefe ausgehändigt. Ich sollte Nachmittags nochmal kommen und die Karte abholen. Das machte ich dann auch, wurde aber auf den Folgetag vertröstet nochmal zu kommen, da meine Karte noch verifiziert werden musste (getröstet wurde ich eher nicht, passender ist da aufgefordert). Zeit hatte ich dafür eigentlich nicht. Zum Glück fiel an dem Tag ein Kurs aus, sodass ich mich wieder erneut Nachmittags auf dem Weg machen durfte. Nach langem warten, war ich endlich dran. Der Herr von der Bank sagte übersetzt: „Ihre Karte ist noch nicht bereit, kommen Sie am Freitag nochmal“, und wollte schon zum nächsten Kunden über! Das ist doch keine Art mit dem Kunden umzuspringen, dachte ich mir und wies ihn auch darauf hin. Immerhin haben sie meine Kontaktdaten, sodass es das mindeste gewesen wäre mir eine Nachricht zukommen zu lassen, sodass ich mir den Weg hätte sparen können. Nun waren es schon 2 1/2 Wochen ein hin und her. Ich wollte nicht am Freitag erneut mir die Zeit dafür nehmen, um wieder weggeschickt zu werden. Ich ging und musste diese Erfahrung erstmal verdauen. Ich hatte von so was schon öfter gehört. Die Deutsche Verwaltung ist der französischen um einiges voraus. Immerhin war ich auf dieses französische Konto angewiesen, um andere organisatorische Dinge ins Rollen zu bringen. Ich nahm mir vor zu einer anderen Bank zu gehen, sollte die Karte am Freitag nicht bereitliegen, da das Vertrauen in ihre Kompetenz einfach verloren war. Zu Hause angekommen, war ein Brief für mich in der Post. Von der Bank. Aha! Dieser beinhaltete einen Abholschein für meine Bankkarte. Das fiel Ihnen aber früh ein. Daher wehte also der Wind. Sie hätten sich zumindest für ihre Inkompetenz, mir den Brief rechtzeitig zukommen zu lassen entschuldigen können.
Vorigen Freitag war die Karte endlich einsatzfähig. Nicht nur das, ich bekam auch eine Entschuldigung. Mir wurde gesagt, dass Konten Eröffnungen für Studenten von der zuständigen Zentrale nicht dringend behandelt wurden. Er sagte mir, dass er mir die schönste Karte ausgesucht habe. Weiß-Rosa mit goldener Schrift. Schön war sie wirklich, schade nur dass sie meinen Namen unvollständig geschrieben haben ´BETTIN´. Ein ´A´am Ende hätte nicht schaden können.
Naja mittlerweile lache ich darüber. Es ist eine Erfahrung die ich so schnell nicht vergessen werde. 😀
Jetzt bin ich gerade dabei CAF zu beantragen. Wohngeld, was jedem französischen Studenten zusteht, unabhängig vom eigenen Vermögen oder der, der Eltern.
Nach einem Monat in Lyon, kann ich sagen dass es mir hier wirklich sehr gut gefällt. Es ist eine wahrlich tolle Stadt, die viele schätze verbirgt, die ich der Reihe nach entdecken will, um euch von Ihnen berichten zu können. Ich habe hier soweit viele tolle Menschen kennenlernen können.

-Art of Growing-