Ein­mal Mont­pel­lier und zurück

Mont­pel­lier ist die größ­te Stu­den­ten­stadt in Frank­reich. Jeder vier­te ist hier Stu­dent! Außer­dem liegt es an der Süd­küs­te und war mein ursprüng­li­cher Eras­mus-Wunsch, den ich (im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes) in letz­ter Sekun­de noch auf Lyon geän­dert habe. Ein Aus­flug dahin stand folg­lich ganz oben auf mei­ner Liste.

Der Wochen­end­trip war extrem auf­re­gend, mit viel Lachen und Wei­nen, und das lag – um ehr­lich zu sein – nicht mal an Montpellier…

Alles fing damit an, dass wir mor­gens früh los­fah­ren woll­ten, um auch ja viel Zeit vor Ort zu haben. Mit­fah­rern aller Natio­na­li­tä­ten wur­de also ein­ge­bläut, blooooß pünkt­lich zu sein (gefolgt von den übli­chen Wit­zen über deut­sche Pünkt­lich­keit). Gesagt getan, das Auto war gepackt, alle in Auf­bruchs­stim­mung, ich auf dem Fah­rer­sitz und mein Auto … tot. Da ich weni­ge Stun­den vor­her noch gefah­ren war, war ich mir abso­lut sicher, dass ich an dem Schla­mas­sel schuld war. Hat­te ich etwa das Licht angelassen?

Vie­le Trä­nen, einen VW-Not­fall­dienst und fünf Stun­den spä­ter waren wir dann doch auf der Fahrt. Kaputt gegan­gen ist der Anlas­ser. Ein­fach so. Über Nacht. Manch­mal ist man eben die Tau­be und manch­mal das Denkmal.

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Ich war schon immer ein gro­ßer Fan des Fil­mes “Litt­le Miss Sunshi­ne”, was ich aber nie geglaubt hät­te: dass das ein­mal ich sein wür­de. Wir muss­ten das Auto also an jedem Stopp, an jeder Tank­stel­le und jeder Rast­stät­te anschie­ben und dabei im zwei­ten Gang anlas­sen. Die Her­zen der ande­ren Rei­sen­den flo­gen uns nur so zu – der Regen lei­der auch.

Für alle, die nicht wis­sen, wie viel Freu­de es erzeu­gen kann, wenn ein Auto anspringt, kann ich das wirk­lich empfehlen.

Schließ­lich kamen wir in Mont­pel­lier an und park­ten – inzwi­schen schon Pro­fis – auf einem abschüs­si­gen Park­platz, so dass sich kein Auto vor uns stel­len konnte.

Unser Airb­nb war ein abso­lu­ter Traum. Eine hüb­sche, geräu­mi­ge, hel­le und lie­be­voll ein­ge­rich­te­te Woh­nung. Von den ver­blei­ben­den Stun­den des Tages ver­brach­ten wir noch zwei auf unse­rem Bal­kon und kamen schließ­lich erst im Dun­keln in der Stadt an.

image2Mont­pel­lier ist klein, aber sehr süß. Es gibt qua­si kei­ne rech­ten Win­kel in der Stadt und die klei­nen schrä­gen Gas­sen laden dazu ein, sich zu ver­lau­fen. Die Stadt hat meh­re­re idyl­li­sche Parks und abso­lut umwer­fend sind die Universitätsgebäude.
(<-) Hier zu sehen ist die medi­zi­ni­sche Fakul­tät. Auch wenn man mei­nen könn­te, dass es sich hier­bei um einen Dom handelt.

Am Sonn­tag sind wir dann durch die Gas­sen geschlen­dert, haben einen Park, den Arc de Triom­phe, die Uni und den Place de la Comé­die besich­tigt. Letz­te­rer ist der Mit­tel­punkt der Stadt. Er ist auch abends beleuch­tet und wird von sehr schö­nen Gebäu­den umran­det. Unse­ren sons­ti­gen Zeit­plan hat­ten wir bis dahin längst ver­wor­fen und sind ein­fach noch ein wenig her­um­ge­streu­nert. Dabei haben wir ein extrem coo­les Café namens Cof­fee Club gefun­den. Jeder, der einen schö­nen Ort zum brun­chen oder Pau­se machen sucht, darf die­ses hüb­sche Fleck­chen nicht ver­pas­sen. Nicht nur der Kaf­fee ist super, son­dern es gibt fri­sche Smoot­hies, selbst­ge­mach­ten Kuchen und Co. image3Wir waren von der Ein­rich­tung ganz hin­ge­ris­sen. An der Wand hing eine Kar­te, in die man einen Pin an den Ort ste­cken konn­te, von dem man kommt. Deutsch­land war natür­lich schon voll, aber eini­ge ande­re konn­ten noch freie Stel­len fül­len. Mit sei­nem Trink­geld muss­te man sich ent­schei­den, ob man für Donald Trump, Hil­la­ry Clin­ton oder Chuck Nor­ris stimmt. Ratet wel­ches Glas am volls­ten war 😉

 

Letzt­end­lich bin ich zwar um eini­ge hun­dert Euro ärmer, dafür funk­tio­niert das Auto wie­der und die Kom­pli­ka­tio­nen haben den Trip noch unver­gess­li­cher gemacht.

XO Eure Anna