What to expect – von Vor­be­rei­tung & Studium

Die Bewer­bungs­frist für poten­ti­el­le Nach­fol­ger, die an der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty stu­die­ren wol­len, rückt immer näher – des­we­gen möch­te ich (inspi­riert von Blog­ge­rin Nadi­ne in Japan) etwas genau­er auf die Vor­be­rei­tung auf das Aus­lands­se­mes­ter und das „Inter­na­tio­nal Journalism“-Programm ein­ge­hen, wohl­ge­merkt unter dem Vor­be­halt, dass sich bis 2017 natür­lich noch eini­ges ändern kann.

Die Vor­be­rei­tung

Als nach aus­führ­li­cher schrift­li­cher Bewer­bung und dem fol­gen­den Bewer­bungs­ge­spräch mit Frau Frei­hoff vom Aka­de­mi­schen Aus­lands­amt und Herrn Prof. Dr. Bucher (Medi­en­wis­sen­schaft) end­lich die lang­ersehn­te Zusa­ge ein­tru­del­te (Frau Frei­hoff hat es wirk­lich span­nend gemacht – an die­ser Stel­le ein­mal lie­be Grü­ße!), war die Eupho­rie groß. End­lich geht’s los, end­lich kann geplant wer­den. Was ich an die­ser Stel­le noch nicht wuss­te: Jetzt geht der gan­ze Stress über­haupt erst rich­tig los.

Wer ein Aus­lands­se­mes­ter in den USA vor­hat, muss sich auf Büro­kra­tie pur vor­be­rei­ten. Noch nie habe ich so vie­le For­mu­la­re aus­fül­len müs­sen. Gefühlt täg­lich bekommt man E-Mails von den (wohl­ge­merkt hilfs­be­rei­ten und zuvor­kom­men­den) Mit­ar­bei­tern der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty, die einem das nächs­te For­mu­lar schi­cken, das man aus­zu­fül­len hat. Das fängt an bei per­sön­li­chen Daten, geht über medi­zi­ni­sche Anga­ben und endet irgend­wo bei „Magst du es, wenn dein Mit­be­woh­ner den Fern­se­her den gan­zen Tag anhat oder eher nicht?“.

Als Trierer ist man in Hamline in guter Gesellschaft - dieses Foto hat die trierer Psychologiestudentin Lisa Waber aufgenommen

Als Trie­rer ist man an der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty in guter Gesell­schaft – die­ses Foto hat die Trie­rer Psy­cho­lo­gie­stu­den­tin Lisa Waber aufgenommen

Das Gan­ze hat natür­lich sei­nen Sinn, ist aber im ers­ten Moment über­for­dernd. Zum Glück fängt hier die ers­te Lek­ti­on in Sachen „Stu­die­ren in den USA“ an: Man kann den Mit­ar­bei­tern der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty jede wirk­lich noch so blö­de Fra­ge stel­len. Eine freund­li­che Ant­wort bekommt man immer. Trotz­dem wich­tig: Fris­ten immer im Hin­ter­kopf behal­ten! Und davon gibt’s lei­der eine gan­ze Men­ge, also defi­ni­tiv einen Ter­min­ka­len­der zulegen.

Der nächs­te Fak­tor: das Visum. Mein Tipp ist es, sich wirk­lich viel Zeit dafür zu neh­men. Und mit wirk­lich viel Zeit mei­ne ich meh­re­re Stun­den. Man füllt online einen Antrag aus, schickt die­sen ab und ver­ein­bart einen Ter­min beim nächs­ten Generalkonsulat/Botschaft. Über­stürzt nichts und geht alle Daten gründ­lich durch. Ist der Antrag ein­mal unter­wegs und einem fällt ein Feh­ler auf, darf man den gan­zen Spaß gleich von Neu­em beginnen.

Dann noch erwäh­nens­wert sind die per­sön­li­chen Erle­di­gun­gen. Ein WG-Zim­mer lässt sich super zwi­schen­ver­mie­ten: In Trier sind vie­le Luxem­burg-Prak­ti­kan­ten auf der Suche nach güns­ti­gen möblier­ten Unter­künf­ten. Wer Zeit spa­ren möch­te, kann Kran­ken­ver­si­che­rung und Flü­ge kom­plett beim ADAC erle­di­gen – und wer Mit­glied ist, bekommt über den ame­ri­ka­ni­schen Auto­mo­bil­club sogar noch Rabat­te in den USA, die bei Rei­sen von Vor­teil sein können.

Was jetzt wahr­schein­lich nach unfass­bar viel Arbeit klingt (… ist es auch zuge­ge­be­ner­ma­ßen), erstreckt sich über einen wei­ten Zeit­raum und ist auf jeden Fall zu bewäl­ti­gen. Außer­dem sind sowohl das deut­sche Aka­de­mi­sche Aus­lands­amt als auch das US-ame­ri­ka­ni­sche Glo­bal Enga­ge­ment Cen­ter stets gewillt, bei Pro­ble­men zu hel­fen. Und das wich­tigs­te: Es lohnt sich! Wenn man mal ver­zwei­felt, gibt es auch noch die­sen einen beru­hi­gen­den Gedan­ken: Vor mir hat das schon mal jemand geschafft. Im bes­ten Fall sind Retur­nees auch noch hilfs­be­reit und berich­ten von den eige­nen Erfah­run­gen, wie Bas­ti­an, der vor zwei Semes­tern hier war. Dan­ke noch ein­mal – ohne dei­ne Hil­fe hät­te ich sicher­lich den einen oder ande­ren Ner­ven­zu­sam­men­bruch mehr gehabt.

Das Pro­gramm

Seit unge­fähr einem Monat neh­me ich jetzt schon am Pro­gramm „Inter­na­tio­nal Jour­na­lism“ teil und bin schwer begeis­tert. Aber was mache ich da eigentlich?

Ich besu­che drei Kur­se zum The­men­feld „Inter­na­tio­nal Jour­na­lism“. Der ers­te nennt sich „Media in Glo­bal Per­spec­tive“ und behan­delt – wie der Name schon ver­mu­ten lässt – Pro­blem­stel­lun­gen der glo­ba­len Medi­en­welt. Für jede Stun­de soll Lek­tü­re mit­hil­fe von Leit­fra­gen vor­be­rei­tet und dann gemein­sam bespro­chen wer­den. Die Dis­kus­sio­nen in die­sem Kurs sind extrem auf­schluss­reich und berei­chernd: Die Ham­li­ne Uni­ver­si­ty hat eine Viel­zahl an Stu­den­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, sodass vie­le inter­es­san­te Per­spek­ti­ven zusam­men­tref­fen. Außer­dem wer­den klei­ne Stu­di­en in Grup­pen­ar­beit durch­ge­führt und prä­sen­tiert, um den Stoff zu ver­tie­fen. Die Dozen­tin und Lei­te­rin des „Inter­na­tio­nal Journalism“-Programms selbst, Dr. Suda Ishi­da, ist mit einer Men­ge Lei­den­schaft dabei, den Stoff und tief­ge­hen­des Hin­ter­grund­wis­sen zu ver­mit­teln – die 60 Minu­ten gehen wirk­lich schnell herum.

Der Mississippi River bei Sonnenuntergang

Der Mis­sis­sip­pi River bei Sonnenuntergang

Der zwei­te Kurs heißt „Intro­duc­tion to Glo­bal Stu­dies“ und bie­tet genau das: eine Ein­füh­rung in das breit­ge­fä­cher­te Feld der Glo­bal­wis­sen­schaf­ten. Ähn­lich wie die Medi­en­wis­sen­schaft ist das Feld inter­dis­zi­pli­när, wes­we­gen im Lau­fe des Semes­ters poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, kul­tu­rel­le, sozia­le und dar­über hin­aus vie­le wei­te­re Aspek­te von Glo­ba­li­sie­rung, Glo­ca­li­za­ti­on und ande­ren glo­ba­len sowie inter­na­tio­na­len Zusam­men­hän­gen ver­mit­telt wer­den. Klingt zunächst ein­mal tro­cken, ist es aber nicht: So fand bei­spiels­wei­se letz­te Stun­de eine ange­reg­te Dis­kus­si­on zum The­ma „Cul­tu­ral Appro­pria­ti­on“ statt. Auch hier ist es extrem berei­chernd, dass die Stu­die­ren­den der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty der­ma­ßen mul­ti­kul­tu­rell sind. Sel­ten hat mir ein Kurs so viel Wis­sen ver­mit­teln kön­nen, wobei ich zuge­ben muss, dass der Lese­auf­wand hier extrem groß ist.

Der drit­te Kurs ist das „Internship Semi­nar“. Hier tref­fen sich die Teil­neh­mer des „Inter­na­tio­nal Journalism“-Programms regel­mä­ßig, um ihre Prak­ti­ka zu bespre­chen, denn fes­ter Bestand­teil des Pro­gramms ist es, im Rah­men die­ses Semi­nars prak­ti­sche Erfah­rung zu sam­meln. Ich darf beim Twin Cities Dai­ly Pla­net, einer Online­pu­bli­ka­ti­on mit Fokus auf mar­gi­na­li­sier­te Gesell­schafts­grup­pen, in der Recher­che mit­wir­ken. Ich möch­te an die­ser Stel­le noch nicht zu viel ver­ra­ten, zum einen, da ich mir hier­für lie­ber einen gan­zen Blog­bei­trag Raum geben möch­te und zum ande­ren, da die­ser Kurs etwas spä­ter ins Lau­fen kam als die ande­ren. Eines kann ich aber schon jetzt fest­stel­len: Ich ler­ne extrem viel über jour­na­lis­ti­sche Arbeit in den USA und bin über­zeugt, dass die­se für die Medi­en­welt zukunfts­wei­send ist. Anfang 2017 bele­ge ich einen wei­te­ren Kurs – dazu zu gege­be­ner Zeit mehr.

Ich hat­te vor Rei­se­an­tritt unheim­lich gro­ßen Respekt davor, am „Inter­na­tio­nal Journalism“-Programm teil­zu­neh­men. Zum einen sind da die per­sön­li­chen Ängs­te, die jeder Aus­tausch­stu­dent über­win­den muss. Fami­lie und Freun­de wür­de man zwar am liebs­ten mit­neh­men, aller­dings wächst man eben genau an der Eigen­ver­ant­wor­tung, die ein Aus­lands­se­mes­ter mit sich bringt. Zum ande­ren scheint auch die aka­de­mi­sche Her­aus­for­de­rung unüber­wind­bar: Jour­na­lis­mus, und das auch noch auf Eng­lisch? Ich sit­ze hier zwar deut­lich öfter am Schreib­tisch als in Deutsch­land, dafür bin ich begeis­tert von den vie­len neu­en Erfah­run­gen, die ich hier sam­meln darf. Die Kur­se an der Ham­li­ne Uni­ver­si­ty berei­chern mein Stu­di­um um Per­spek­ti­ven, die mir sonst wahr­schein­lich ent­gan­gen wären. Des­we­gen kann ich jedem, der mit dem Gedan­ken spielt, sich auf den Platz für das Pro­gramm zu bewer­ben, nur raten: Mach es! Und wer trotz­dem noch Fra­gen hat, bevor die Bewer­bung beim Aka­de­mi­schen Aus­lands­amt lan­det, darf mir lie­bend ger­ne schreiben.

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