Im Café zu Hause

Es regnet seit 3 Tagen ohne Unterbrechung. Die Straßen haben sich in Seen verwandelt und für die Einheimischen sind bei 10-13°C Wintermantel und dicker Schal angesagt. „Il est super froid!“ beschweren sich meine Mitstudenten. Lyon ist eben ganz schön südlich. Der Winter hier wird sicher anders als der, den ich in Schweden erlebt habe. Besonders erträglich ist das eher mittelgute Wetter im Café Mokxa.

 

Vor dem Ansturm

Vor dem Ansturm

1 Stunde 8 Minuten habe ich heute morgen tatsächlich gebraucht, um von meiner Wohnung hierher zu kommen. Schuld daran war die Metro Linie A. Angeblich passiert das zwar nie, aber ich habe ein Händchen dafür, mit den Metros stecken zu bleiben. Ansagen habe ich dabei übrigens noch nie gehört. Stattdessen entspanne ich eben 15 Meter unter den Straßen und Flüssen Lyons geduldig, bis sich wieder etwas bewegt. Je nach Linie mit oder ohne Handyempfang. Beim Bau des U-Bahnnetzes 1978 war das schließlich noch nicht wichtig. Also back to the roots und alles abklären, bevor man die Metrostationen betritt.

Hier werden die Milchschaumkunstwerke fabriziert

Hier werden die Milchschaumkunstwerke fabriziert

Der Weg hat sich aber gelohnt. Das Cafe Mokxa ist eines der bekanntesten Cafés der Stadt und sehr hip. Das Café selbst ist klein. Auf den Tischen kann man keine zwei A4-Blätter nebeneinanderlegen. Fremde setzen sich zu mir an den Tisch auf den freien Stuhl. Wenn kein Platz ist, rückt man eben zusammen. Für die essenziellen Bedürfnisse des Lebens ist hier gesorgt: Kaffee, Kuchen und WLAN. Seit 4 Stunden sitze ich jetzt hier am Tisch und habe bereits zwei Amerikaner, drei Franzosen und eine Spanierin kennengelernt. Der perfekte Ort, um ins Gespräch zu kommen. Hierhin werde ich auf jeden Fall öfter kommen. Im Café zu lernen ist auch einfach viel schöner als zu Hause oder in der kalten Universität. Mit dem heizen nehmen sie es nicht so ernst an den französischen Unis.

Ich bin insgesamt gar nicht so unglücklich über das Wetter, denn in 3 Tagen steht meine nächste Prüfung auf französisch an: Culture française. Ich lerne also prinzipiell, warum Frankreich das beste Land der Welt ist – la Grandeur de la France (= die Vormachtstellung Frankreichs). Der Professor ist auch völlig enthusiastisch bei der Sache. Genau so stelle ich mir französischen Nationalstolz vor.
image1-8Was ich im Café besonders auffällig finde, sind die vielen Frauen mit Kurzhaarfrisuren. Ich spreche nicht von einem Bob – sondern richtig kurz. Aber sie können es auch einfach tragen mit ihren hohen Wangenknochen, schmalen Silhouetten und dunklen Augen. Ich würde damit wie eine gekochte Kartoffel aussehen, von der die Schale abfällt. Überhaupt ist es unverständlich, wie dieses Volk so dünn sein kann. Die Franzosen, die ich kenne, ernähren sich von viel Kuchen, Käse, Fleisch und Sandwiches. Die Tomatenscheibe auf dem Sandwich ist dann das Gemüse für den Tag. Erst letzte Woche war ich hier zum Raclette eingeladen. Ich erwartete also gewürfeltes Gemüse, dass in Pfännchen gelegt und mit Käse überbacken wird. Weit gefehlt. Auf dem Tisch fanden sich ein knappes Kilo Raclettekäse, Wurst verschiedener Sorten und gekochte Kartoffeln. In den Pfännchen wurde ich angewiesen, nur den Käse zu schmelzen und die Kartoffel und die Wurst damit zu „begießen“. So schafft man es den Vitamingehalt zu minimieren. Aber irre lecker war es!

Vor meiner Ankunft war ich ein wenig in Sorge, dass ich in allen Lokalitäten vollgequalmt werden würde. Aber ganz im Gegenteil. Es gilt absolutes Rauchverbot in allen Restaurants, Cafés, den Unis und Clubs. Nicht auf Vorurteile verlassen!!

Ich begebe mich nun wieder ans Lernen.

XO eure Anna

Hier nur noch der traurige Vergleich: normale Milch - Soja Milch ...dann eben doch normale Milch ;)

Hier nur noch der traurige Vergleich: normale Milch – Soja Milch …dann eben doch normale Milch 😉

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.