„Von Ausländern hergestellt!“

 Man fällt auf, wenn man nicht aussieht wie der Rest Gesellschaft. Das bedeutet hier in Japan: Wenn man keine schwarzen Haare, braune Augen und eine Körpergröße von unter 1.80m hat. Dennoch gibt es einige Dinge, die jeder bemerken kann, wenn er sich in der Stadt, in Geschäften, oder in den öffentlichen Gebäuden aufhält. In Japan hat man es als Ausländer nicht leicht – aber auch nicht schwer. Dennoch: Für Menschen anderer Nationalitäten gelten oftmals spezielle Regelungen. Nicht-Japaner werden manchmal anders behandelt. Wie sieht das im Lebensalltag aus?

Kobe ist keine kleine Stadt. Ich glaube, in den ländlichen Gegenden geht es nochmal ein bisschen anders zu als in dieser, an Ausländer gewöhnten, Stadt. Manchmal gehe Ich, und das betrifft im folgenden auch alle anderen, offensichtlichen Nicht-Japaner, durch die Shoppingstraße und habe das Gefühl, dass ich von gefühlt jedem angeguckt werde. Und wenn man dann seine Freunde fragt, ob sie es genauso empfinden, dann bejahen sie das zumeist. Als Blondschopf mit blauen Augen falle ich natürlich auf, keine Frage. Wenn Ich und meine internationalen Kommilitonen dann in einen Laden gehen, kann man ab und zu sehen, dass die Angestellten geradezu darum ringen, wer einen denn beraten soll. Vielleicht liegt es daran, dass das Englisch, was hier gesprochen wird, gelinde gesagt, miserabel ist, und sich niemand blamieren möchte. Genauer weiß ich es aber auch nicht.

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Gaijin bedeutet (westliche) Ausländer

Jetzt gehts weiter mit Situationen, die für mich nicht durchweg positiv sind. Denn: Ein offensichtlicher Ausländer ist manchmal ein Fremdkörper. Besonders deutlich wurde mir das auf einer Reise, als ich mich mit Freunden auf der Suche nach einem Restaurant in einem kleinen Dorf verirrt hatte. Eine Frau sprach uns auf dem unhöflichsten Japanisch, was ich je gehört hatte, an und blaffte, was uns denn einfallen würde durch diese Straße zu gehen. Erst in zweiter Linie interessierte sie, was wir suchten. Vielleicht war sie auch einfach nur eine ältere, verbitterte Dame.

Oder vor ein paar Wochen, als ich als erste Person an der Bushaltestelle ankam und wartete. Eine (ebenfalls ältere) Frau stellte sich mindestens 20 Meter von mir entfernt in die Einfahrt eines 24h Parkplatzes – und stand und stand und stand. Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie ebenfalls auf den Bus wartete, da sie so weit entfernt stand, dass es wirklich schon sehr untypisch war. Als der Bus dann ankam und hielt, beachtete sie nicht mal die gängige Höflichkeit, nach der Reihe des Ankommens in den Bus zu steigen. Das ist hier in Japan nämlich gang und gebe: Wer zuerst am Bus ankommt, steigt auch zuerst ein. Egal wo er oder sie steht. Die Frau sprintete also an mir vorbei, um als Erste in den Bus zu gelangen. Was der Grund war, warum sie nicht wie jeder normale Mensch neben mir an der Haltestelle stehen wollte, bleibt ein Rätsel und ließ mich verblüfft zurück.

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„Von (westlichen) Ausländern hergestellt!“

Wenn man dann auch noch in Geschäften Schilder wie dieses findet (Bild freundlicherweise von meiner Kommilitonin aus Hirosaki bereitgestellt), auf dem dick und fett draufsteht „Von (westlichen) Ausländern gefertigt!“, fragen Ich und meine Freunde uns manchmal doch, ob es hier noch eine klitzekleine, rassistische Verankerung im Denken mancher Menschen gibt, die sich gegen westlich aussehende Personen richtet. Denn das Wort gaijin bedeutet Ausländer, und das nicht gerade im positivsten Sinne. Auch wenn es vielleicht keine Absicht ist, bleibt es doch diskriminierend. Stelle sich mal einer vor, wir würden in Deutschland mit Schildern darauf hinweisen, dass Kleidung explizit „Von Afrikanern hergestellt!“ wurde. Den Shitstorm möchte ich mir nicht ausmalen.

Neben diesen unangenehmen Erlebnissen gibt es auch viel Gutes, zum Beispiel, dass man einfach auf der Straße angesprochen wird, um Smalltalk zu halten. Viele Leute haben eine Menge Interesse an anderen Kulturen, aber nur wenige Möglichkeiten mit fremden Menschen zu sprechen. Da kommen dann auch mal Gespräche über die schönen Blumen der Nachbarschaft oder das Wetter zustande. Und in der Universität, da ist es sowieso nicht das Problem, dass man Diskriminierung oder Rassismus ausgesetzt wäre. Es gibt Hochschulgruppen, die reißen sich geradezu darum, Austauschstudenten in ihre Reihen zu integrieren und haben sich der Völkerverständigung verschrieben.

Mein vorzeitiges Fazit zu diesen Vorkommnissen lautet, dass ich kein Fazit habe. Ich muss dieses Thema noch ein bisschen länger beobachten. Das ist erstmal nur mein erster Eindruck. Ich kann nicht in zwei Monaten in Japan auf die „allgemeine“ Einstellung des japanischen Volkes gegenüber Ausländern schließen. Deshalb heißt es: Abwarten, Grünen Tee trinken und hoffen, dass sich diskriminierende Ereignisse als Einzelfälle erweisen.