Leben im Wohn­heim. Ers­te Ein­drü­cke aus Tokio

Die ers­ten Uni-Wochen sind doch schnell ver­gan­gen, aber das Ein­le­ben hat eine Wei­le gedau­ert. Hier sind Ein­drü­cke aus einem Wohn­heim in der Nähe der Metro­po­le Tokio.

Ich möch­te mich kurz vor­stel­len. Mein Name ist Tere­sa, ich stu­die­re Japa­no­lo­gie im Mas­ter und ver­brin­ge zwei Semes­ter in der Nähe von Tokio, an einer der Part­ner-Uni­ver­si­tä­ten mei­nes Fach­be­reichs: der Tokyo Gaku­g­ei Dai­gaku. Die Uni ist etwa 30 bis 40 Minu­ten von den Zen­tren der Metro­po­le ent­fernt und durch­aus mit Trier ver­gleich­bar, wes­we­gen ich mich direkt sehr zuhau­se gefühlt habe.

Es ist das ers­te Mal, dass ich län­ge­re Zeit in Japan lebe. Vor­her war ich nur im Urlaub hier und das lässt sich natür­lich kaum ver­glei­chen. Vor der Rei­se habe ich mir vie­le Gedan­ken über das Leben in Japan gemacht. Bei­spiels­wei­se habe ich mei­nen Flug nach der Grö­ße des Gepäcks (ins­ge­samt 46kg, die ich auch pein­lich genau ver­plant hat­te) aus­ge­wählt und schon Wochen vor­her lan­ge Lis­ten mit Din­gen, die ich sicher brau­chen wer­de, geführt. Jetzt wo ich ein paar Wochen hier bin, weiß ich, die wenigs­ten Gegen­stän­de auf der Lis­te waren so nötig, wie ich es im Vor­feld emp­fun­den habe. (Außer viel­leicht das mit­ge­brach­te Kaffeepulver.)

Die größ­te Umstel­lung für mich war ver­mut­lich das Leben im Wohn­heim. Zumin­dest, wenn man, so wie ich, vor­her ent­we­der allein gelebt hat oder in einer super gemüt­li­chen Zwei­er-WG wohnt. In dem Wohn­heim mei­ner Aus­tausch-Uni­ver­si­tät leben größ­ten­teils Stu­den­ten aus aller Her­ren Län­der und dsc_0005man möch­te mei­nen, da sei ein Kul­tur­schock vor­pro­gram­miert. Aber ein Schock ist es bis­her nicht. Jeden­falls nicht, wenn man sich auf die Umstel­lung ein­lässt. Es woh­nen vie­le Stu­den­ten im Wohn­heim und (auch wenn das Pho­to in die­sem Bei­trag ein wenig trist aus­sieht) man lernt jeden Tag was dazu, vor allem, weil sich hier etwa 10 Leu­te eine Küche mit Gemein­schafts­raum tei­len. Manch­mal, wenn man Glück hat, hat gera­de jemand Lust sich am Kochen zu ver­su­chen und teilt gern. Aller­dings stellt sich dann die Fra­ge nach dem Abwasch. So wur­de bereits in den ers­ten Wochen dis­ku­tiert, wie lang man sein Geschirr vor oder nach dem Spü­len ste­hen las­sen kann oder darf. Über­ra­schen­der Wei­se gin­gen die Mei­nun­gen – trotz der klei­nen Arbeits­flä­che am Herd – da sehr weit aus­ein­an­der. Zuhau­se kann man das viel­leicht indi­vi­du­ell bestim­men, aber hier soll­te man eben Rück­sicht neh­men. Seit etwa zwei Wochen lässt nie­mand mehr etwas ste­hen. Auch für die Benut­zung der Wasch­ma­schi­ne stel­le ich mir inzwi­schen einen Timer, damit ich nicht ver­ges­se, sie aus­zu­räu­men und dadurch jeman­den in sei­nem Tages­ab­lauf stö­re. Und in den gemein­schaft­lich genutz­ten Räu­men soll­te genau auf die Benut­zung der Kli­ma­an­la­gen und des Lichts geach­tet wer­den. Wenn ich – zum Bei­spiel – mein Zim­mer auf 28° hei­ze und erhel­le wie einen Weih­nachts­baum, tra­ge ich auch die Kos­ten dafür. Für die gemein­schaft­lich-genutz­ten Räu­me gibt es jedoch eine Rech­nung, die durch die Anzahl der Zim­mer geteilt wird. Also ist Rück­sicht gebo­ten. (Und dar­an muss­te auch bereits erin­nert wer­den.) Die­se Umstel­lun­gen hän­gen jedoch weni­ger von einer Kul­tur, als von einem Lebens­stil ab. Viel­leicht hät­te man eher vor einem ‘Lebens­stil­schock’ war­nen sollen.

Vie­le der ange­bo­te­nen (eng­lisch-spra­chi­gen) Kur­se an mei­ner Uni­ver­si­tät sind so aus­ge­legt, dass man nicht nur über die japa­ni­sche Kul­tur etwas lernt, son­dern auch die Gele­gen­heit bekommt, etwas über die Län­der zu erfah­ren, aus denen die Kom­mi­li­to­nen kom­men. In mei­nem Phi­lo­so­phie-Kurs kommt regel­mä­ßig die Fra­ge nach der deut­schen Ein­stel­lung zu ver­schie­de­nen phi­lo­so­phi­schen Ide­en auf, aber auch die ame­ri­ka­ni­schen und aus­tra­li­schen Kom­mi­li­to­nen kom­men zu Wort. Beson­ders wäh­rend der US-Wahl wur­den sie so oft nach den Grün­den gefragt, dass sie einem schon fast leid­tun konn­ten. Und letz­te Woche habe ich gelernt, dass man an der pol­ni­schen Uni­ver­si­tät einer Kom­mi­li­to­nin nur Klau­su­ren schreibt, aber kei­ne Haus­ar­bei­ten, wes­we­gen sie sich Sor­gen um den Abschluss eini­ger Kur­se hier macht.

Aber – ehr­lich gesagt – vie­le Din­ge lernt man eben doch im All­tag, wes­we­gen ich die Situa­ti­on im Wohn­heim hier sehr schät­ze. Zumin­dest auf mei­nem Stock­werk klappt die Kom­mu­ni­ka­ti­on (meis­tens auf Japa­nisch) ziem­lich gut. Sie ist sehr limi­tiert, meist auf zufäl­li­ge Begeg­nun­gen in der Küche, aber vor allem über Apps und vor allem wäh­rend der monat­li­chen Floor-Mee­tings, bei denen Pro­ble­me bespro­chen wer­den sol­len, die jedoch bis­her immer eher für ein net­tes Bei­sam­men sein und Essen genutzt wur­den – mit anschlie­ßen­dem Auf­räu­men. (Wir waren uns direkt einig, hier muss sofort gespült werden.)

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