Moshi Moshi Nippon! Festival – Kawaii Overdose!!

Am 26. und 27. November fand in Tokio das Moshi Moshi Nippon Festival statt. Unter den Schlagwörtern „kawaii“ und „Cool Japan“ wurde die japanische Popkultur vorgestellt und beworben und natürlich auch verkauft.

dsc03743Einer meiner Dozenten, der sich mit japanischer Populärkultur beschäftigt, hatte in seinem Kurs auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Und eines der überzeugenden Argumente war der freie Eintritt für jeden, das einen ausländischen Pass vorlegen konnte. In Anlehnung an eine Sammlung von von der japanischen Regierung geförderten Projekten zum Export nationaler Popkultur, nennt der Kurs sich „Cool Japan“. Wir beschäftigen uns jedoch gezielt mit dem Phänomen „kawaii“, japanische Niedlichkeit und ihre Auswirkung auf den Alltag und die Kultur. Eins haben wir schnell festgestellt: kawaii ist überall. (Fast jedes Objekt in Japan hat ein freundliches, niedliches Gesicht.)

Zu den Programmpunkten auf zwei großen Bühnen gehörten verschiedene Tanzshows, bekannte, sowie aufstrebende Musik-Acts, Fashionshows und Talk-Events. Wer seine Aufmerksamkeit nicht der Bühne zuwenden wollte, konnte sich an verschiedenen Ständen umsehen. Zum Beispiel am Pac-Store, der verschiedene Gadgets rund um Pacman vorstellte, oder ein komplett in rosa gehaltener Stand der Präfektur Tottori (im Süd-Westen von Japan), an dem eine junge Frau in barockem Ballkleid pinkes Curry bewarb. Alles im Namen der japanischen Niedlichkeit. An einem Stand konnte man per App ein Selfie einreichen und ein Algorithmus glich es dann mit einer Datenbank japanischer Models ab, um dann ‚individuelle‘ Make-up und Kleidungsvorschläge zurückzuschicken. (Eine Freundin hat es netterweise getestet, allerdings erfolglos.)  Es gab Gacha-Maschinen (eine Art Kaugummi-Automat für Handy-Anhänger in tausend verschiedenen Designs), japanisches Essen und jede Menge Möglichkeiten Erinnerungfotos zu machen, zu denen vor allem die Mitarbeiter an den Ständen aufriefen.

Viele der Stände waren besonders auf die ausländischen Besucher ausgerichtet. Einige boten einen speziellen Rabatt für jeden an, der nicht japanisch aussah. Es waren auch einige Kamera-Teams unterwegs, die bevorzugt die Eindrücke der nicht-japanischen Gäste einfangen wollten. Das Geschehen auf der Bühne wurde simultan ins Englische übersetzt. Aber wozu das Ganze? Japan hat eine neue Identität im Ausland gefunden, weit weg von den dunklen Anzügen und Kimono-Mustern. Schon seit Jahren ist der Einfluss von Anime/Manga und Hello Kitty präsent. Dies hat auch die japanische Regierung erkannt, weswegen Projekte wie das Moshi Moshi Nippon Festival als kulturelle Veranstaltungen gelten, die Japans Kultur im Ausland vertreten sollen. Der Erfolg solcher Strategien zeigt sich spätestens, wenn man im lokalen H&M-Store Pullover mit dem Wort ‚kawaii‘ findet. ‚Kawaii‘ ist japanisch für ’niedlich‘ und ist einer der Trendsetter in der japanischen Modewelt von Harajuku und Shibuya, die aufgeschlossen, hyperaktiv und schrill wirkt.

Im Rahmen des Festivals wurde zu dem ein Lolita-Award verliehen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Anspielung auf den Roman von Vladimir Nabokov, sondern um eine Mode, die im Ausland als ‚einzigartig japanischer Stil‘ Aufmerksamkeit erregt hat. dsc03761Der Stil orientiert sich sehr grob zusammengefasst an viktorianischer Puppenmode und gilt als einer der bekanntesten Importe japanischer Popkultur, wenn auch nur wenige junge Frauen im Ausland den Stil tragen. Überraschender Weise ging der Award nicht an einen Designer oder eines der vielen bekannten anwesenden Models, sondern an den verstorbenen Kultur-Forscher Takamasa Sakurai, für seine Verdienste um die Verbreitung von Lolita-Mode und der kawaii-Kultur im Ausland. Während der kurzen Zeremonie wurde vor allem eins immer wieder betont: der Kultur-Export. Kawaii ist japanisch, kawaii ist international.

Wer die Musikacts genauer ansah, kam nicht umhin Stereotypen der japanischen Popkultur bestätigt zu sehen. Gruppen junger Mädchen in Schuluniformen und Maid-Kleidern, enthusiastische, schrille Interaktionen mit dem dem vorwiegend männlichen Publikum und knall-bunte Kleidung. Stereotypen, die man aus Filmen wie Wasabi – Ein Bulle in Japan (2001) und Gwen Stefanis Harajuku Girls zu kennen glaubt. Niemand der Besucher wirkte jedoch überrascht. Es sind eben längst nicht mehr nur Anime und Manga, die im Ausland konsumiert werden. Der Kulturexport stand offensichtlich im Fokus des Festivals. Die meisten Stände waren offen darauf ausgelegt, Informationen auf Englisch herauszugeben und gerne mit dem Hinweis „Wir liefern auch ins Ausland“. Aber Japan präsentiert sich eben gerne als laut, schrill und vor allem modisch auf dem Vormarsch. Hello Kitty ist inzwischen im Ausland kommerzialisiert, aber wer sich für Japan interessiert, stellt sofort fest, wo sie herkommt, gibt es noch mehr. Viel mehr. Und die Flut die einen erwartet ist fast schon überwältigend. Teilweise war der Gang über das Gelände des Festivals sehr ermüdend, da man unzähligen Fotoangeboten mit Maskottchen aus dem Weg gehen musste. Fast jeder Stand hatte eins mitgebracht, wahlweise hielt der modisch gekleidete Staff sonst dafür her. Alles sollte dokumentiert und via SNS verbreitet werden. Zeigt, dass ihr Spaß in Japan Spaß habt und wenn ihr unseren Hashtag nutzt, gibt es eine Überraschung. Verbreitung strengstens erwünscht.

Insgesamt war das Festival sehr spannend und die Eindrücke positiv-überwältigend. Ich glaube, wer Gefallen an japanischer Popkultur hat, den überrascht dort nichts mehr wirklich, aber wer offen für neue Eindrücke ist und sich gerne wundert, für den war und ist diese Veranstaltung genau das Richtige. Denn wenn man genauer hinsah, fiel vor allem eins auf: die Grenze zwischen dem traditionellen und populärem Image sind inzwischen fließend und Japan scheint stolz darauf zu sein.

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Ein Kommentar

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