Bernhard Nink gibt SwingUniT ein neues Gesicht

„Das kriegen wir schon hin.“ In diesem Satz spiegelt sich die ganze Gelassenheit, die sich Bernhard Nink dank jahrzehntelanger Erfahrung im „Musik-Business“ zu Eigen gemacht hat. Seit einigen Monaten gibt der inzwischen pensionierte und musikalisch nach wie vor vielbeschäftigte Gymnasiallehrer auch bei der Bigband SwingUniT der Universität den Ton an.

Die Big Band Swing-UniT mit ihrem Leiter Bernhard Nink (links). Foto: Sheila Dolman

Mit der Seelenruhe ist es allerdings vorbei, sobald Nink auf musikalische Projekte zu sprechen kommt, die er mit den Uni-Musikern realisieren will. Dann sprühen Leidenschaft und Ideenreichtum um die Wette. Eine dieser ausgefallenen Ideen wird am 18. Januar auf dem Campus in Kooperation mit CineAStA zu sehen und zu hören sein. SwingUniT wird den 90-minütigen Stummfilm-Klassiker „Steamboat Bill, Jr.“ mit Buster Keaton musikalisch „vertonen“.

Einen erfolgreichen Probelauf hat die Uni-Bigband Ende Juni beim Kurzfilm „Der Einwanderer“ mit Charlie Chaplin gestartet. Ein Langfilm über 90 Minuten stellt die Musiker und ihren Dirigenten vor weit schwerere Herausforderung, zumal die Probentermine wegen Weihnachtszeit und Jahreswechsel knapp sind. Das weiß auch Bernhard Nink, bringt ihn aber nicht aus der Ruhe: „Das kriegen wir schon hin!“

In der Vorbereitung auf diese außergewöhnliche Kombination aus Musik und Film weicht Ninks Gelassenheit der Akribie. „Den Film werde ich mir zu Hause noch 50 Mal anschauen, passende Musik auswählen und über die Handlung verteilen“, skizziert er seine Vorbereitungsarbeit. Die Titelauswahl stimmt er auf den Film ab, indem er zeitgenössische Kompositionen zwischen 1900 und 1920 sucht, die überwiegend in Moll und in einem langsameren Tempo gehalten sind. „Damit wird man dem Spirit des Films gerecht, Buster Keaton ist ja eher ein trauriger Komiker“, verrät Nink. Bei allem Elan: 90 Minuten nonstop spielen können vor allem die Bläser nicht. Zwischen den Bigband-Stücken wird daher der Pianist die Pausen-Übergänge musikalisch füllen.

Fördern und fordern, aber nicht überfordern – lautet Bernhard Ninks Philosophie als neuer Bandleader. „Wir spielen keinen Pipifax, aber auch keine zu anspruchsvollen Stücke“, sucht Nink einen Mittelweg. Ihm ist bewusst, dass die Studierenden zwar engagiert sind, aber „bei uns keine hochtrabenden musikalischen Ziele verfolgen wie in einer Musik-Hochschule“. Das Zusammensein während und nach der Probe ist ihnen annähernd so wichtig wie das Feilen an Arrangements.

Die gute Stimmung in der Band trägt auch dazu bei, dass der Bandleader die Musiker für ausgefallene Ideen begeistern kann – zum Beispiel als Musikgruppe beim Trierer Rosenmontagszug mitzulaufen. „Wir haben fleißig Karnevalsmusik geprobt, Schilder gemalt und Marschieren geübt, bis uns der Rücken und die Füße geschmerzt haben“, erinnert sich Bernhard Nink. Am Ende waren alle Vorbereitungen vergebens: Der Umzug wurde wegen des Wetters abgesagt. Was den Bandleader nicht davon abhielt, gleich wieder neue Veranstaltungsformate zu entwickeln. Im Herbst nächsten Jahres würde er gerne mit der Bigband einer anderen Universität einen musikalischen Battle austragen. Ein offenes Weihnachtssingen für alle Trierer mit Bigband-Unterstützung geistert ihm ebenfalls durch den Kopf.

Mit ihren Auftritten möchte Nink die Uni-Bigband mit der Stadt und den Bürgern zusammenbringen. Bei „Jazz am Dom“ ist es ihm an Pfingsten bereits gelungen. Im nächsten Jahr hofft Nink auf einen Auftritt von SwingUniT beim beliebten Trierer Altstadt-Fest. „Gute Musik zu machen und Sachen zu spielen, die den Leuten gefallen – das kriegen wir schon hin“, sagt Nink.

Er hat es auch hingekriegt, dass SwingUniT auf die stattliche Zahl von 30 Musikern angewachsen ist. Dass nicht alle Instrumente ausreichend besetzt sind, bereitet ihm keine Probleme. Nink kann Improvisieren – mit dem Instrument und in der Band-Leitung. Fürs Repertoire wählt er Stücke aus, die zur jeweils aktuellen Besetzung passen. Naturgemäß ist die Fluktuation in einem Studierenden-Orchester hoch. Aus diesem Grund hat er sich von klassischer Bigband-Literatur entfernt, in der Klarinetten eigentlich nicht vorgesehen sind, stattdessen aber eine erste, zweite, dritte und vierte Posaune erforderlich wären. Nach Ninks Credo sollen alle Instrumentalisten mitspielen dürfen, die möchten. Der Uni-Bigband gibt er auf diese Weise ein eigenes Gesicht. Swing UniT spielt Stücke, die nicht jede Formation im Programm hat. Wer Bernhard Nink kennt, der weiß: Dass es am Ende auch gut klingt – das kriegt er schon hin.

CineAsta meets SwingUniT
Stummfilmklassiker von Buster Keaton: „Steamboat Bill, Jr.“
Mit Livemusik-Begleitung durch die Uni-Bigband SwingUniT
Mittwoch, 18. Januar 2017, 20.00 Uhr; Hörsaal 3 (Gebäude B); Eintritt: 2,50 Euro

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