Einmal Kimono und zurück

Heute war ein ganz besonderer Tag, denn ich durfte einen echten Kimono tragen. Ein wichtiges Stück japanischer Kultur, was man sich sowohl als Mann, wie auch als Frau, nicht entgehen lassen darf!

Am Freitag entschieden eine Freundin und ich kurzum an einem Kimono Workshop teilzunehmen, der von der Uni organisiert wurde. Es wurde versprochen, dass die ersten 12 Mädels die reinkamen, Kimonos tragen durften – Das konnten wir uns nicht entgehen lassen!

Kimono gehören genauso zu Japan wie der Fuji

Am Samstag um kurz vor zwei, trafen wir uns am japanischen Raum, dem Washitsu, eines der Studentenwohnheime der Kobe Universität und wussten nicht so ganz, was uns erwarten würde. Wir dachten wohl, es wäre einfach nur ein Überwerfen von Kleidern, aber es war viel mehr als das.

Bevor wir den japanischen Tatami Raum betraten, zogen wir unsere Schuhe aus und betraten auf Socken das japanische Zimmer. Diese Räume betritt man nämlich auf gar keinen Fall mit Pantoffeln – ganz abgesehen von Straßenschuhen, was glaube ich einer Todsünde gleichkommt.

Ich suchte mir einen der Kimonos aus, die auf dem Boden ausgelegt waren. Es war einer, mit einem auffälligen, grünen obi (dem Gürtel). Danach wurde ich von den anwesenden Damen gebeten, die speziellen, weißen Zehensocken (tabi genannt) anzuziehen.

Zwei Japanerinnen erfahrenen Alters kamen zu mir und kleideten mich gemeinsam ein. Berührungsängste gab es keine, aber die darf es auch nicht geben. Einen Kimono alleine anzuziehen erscheint mir aufgrund der dann folgenden Schritte ziemlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Außerdem haben die beiden Damen wirklich ein Meisterwerk gezaubert.

Zuerst wurde das lange weiße Unterkleid über meine Schultern geworfen. Darüber legten sie den farbigen Deckmantel des Kimonos. Wer jetzt denkt, damit ist es getan, der irrt. Dann folgt nämlich der Teil, der die meiste Zeit in Anspruch nimmt.

Es wird an jeder Ecke gezupft, die Enden beider Mäntel akkurat übereinandergelegt. Es muss darauf geachtet werden, dass der Kragen im Nacken schön tief nach unten absteht und den Blick auf den oberen Rücken und Nackenbereich freigibt. Während der Mantel immer wieder enger geschnürt wird und ein Taillenband alles schön zusammenhält, kommt Gürtel über Gürtel. Dann wird ein Kissen in den Rücken gestopft und zum Schluss ein Band auf dem obersten Zierband befestigt. Der Obi wird im Rücken zu einer, von vielen möglichen Schleifen gebunden. Ich glaube, im Endeffekt waren es zwei Schichten Mantel und drei bis vier Schichten Gürtel plus Band. Zuerst fiel das Atmen mir etwas schwer, aber nach einiger Zeit legte sich das Engegefühl. Das Tragen des Kimonos war wirklich angenehm. Schuhe gehören natürlich auch dazu. Ich zwängte mich noch in die viel zu kleinen Sandalen (Japanerinnen haben eben meistens kleinere Füße als Europäerinnen). Am Schluss wurden mir die Haare ein bisschen hochgesteckt und mit einem süßen, kleinen Schmuck verziert.

Ich im Kimono

Danach war natürlich klar, was kam: Fotos, Fotos und nochmal Fotos! Wann hat man schon mal die Möglichkeit solch ein wunderschönes und vor allem auch kostbares Kleidungsstück zu tragen? Die Kimonos waren zwar gebraucht, aber neu sind sie ziemlich teuer. Für Männer sind die Kleidungsstücke zumeist schwarz und nicht so aufwändig gestaltet, wie die der Frauen.

Nach zwei Stunden Einkleiden und Tragen war leider alles vorbei. Der Kimono musste wieder ausgezogen werden. Im Gegensatz zum Anziehen ging das Ausziehen ziemlich zackig. Innerhalb von zwei Minuten war man wieder diese ganz normale Person, ohne Kimono und festliches Flair.

Ich fand das Erlebnis einfach wunderschön und nun verstehe ich, auch warum die Japaner gefühlt immer feuchte Augen bekommen, wenn jemand Kimono trägt. Jetzt bin ich wirklich fest davon überzeugt, mir die kleine Schwester des Kimonos zu besorgen, eine Yukata. Für einen guten Kimono bezahlt man 1000 Euro aufwärts und eine Grenze nach oben gibt es natürlich nicht. Eine Yukata aber kann auch in der Freizeit getragen werden, besteht aus weniger Schichten und zielt im Endeffekt auf eine ähnliche Optik ab.

Ich bin froh, dass ich bei dem Workshop mitgemacht habe und hoffe, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekomme, einen Kimono zu tragen. Soviel steht fest: Wenn ich die Yukata habe, ziehe ich sie nie wieder aus.

3 Kommentare

  1. Der Yukata ist genau wie der Kimono männlich. Vielleicht sollte man also eher vom kleinen Bruder sprechen.

  2. Vielen Dank für die interessante Beschreibung!
    Toll, dass die Partneruni so eine Veranstaltung anbietet und Sie unter den ersten 12 Teilnehmerinnen waren.
    Welche anderen Workshops und Veranstaltungen zum Kennenlernen der japanischen Kultur gibt es noch an unserer neuen Partneruni in Kobe?

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