A game is all about fun – or is it ?!

Spie­len macht Spaß, das weiß jeder, egal ob Star­craft, Fuß­ball oder doch lie­ber die Sied­ler von Catan. Aber sind Spie­le auch nütz­lich? Na klar, denn “das spie­le­ri­sche Ler­nen” ist ein alt­be­kann­tes und bewähr­tes Kon­zept. Abge­se­hen von den Regeln des Spiels oder der Ent­wick­lung einer höhe­ren Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz (z.B. beim Mono­po­ly): was lässt sich mit Spie­len noch alles erle­nen und erfor­schen?

Ein Pro­jekt­fo­to aus der Com­pu­ter­spie­le­for­schung zur Mensch-Machi­ne-Inter­ak­ti­on (The Inter­ac­tion Lab, Uni­ver­si­ty of Saskatchewan)

Wor­über reden wir eigent­lich und wie­so ist das Spie­len wichtig?

Der Duden lis­tet vier ver­schie­de­ne Defi­ni­ti­on von Spiel: (1) Spie­len als inhä­rent beloh­nen­de Tätig­keit, (2) Spiel nach Regeln, (3) Glücks­spiel und der (4) Wett­kampf. Eine ande­re gän­gi­ge und recht ähn­li­che Klas­si­fi­ka­ti­on nahm Roger Cail­lois vor, der das Spiel in die vier Kate­go­ri­en (1) Rausch, (2) Mas­kie­rungs-/Rol­len­spiel, (3) Zufallspiel und (4) Wett­kampf ein­teil­te. Es gibt aber auch eine gan­ze Men­ge ande­re, und teil­wei­se weit­aus dif­fe­ren­zier­te­re, Defi­ni­tio­nen, bei­spiels­wei­se aus dem Bereich der Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie. Aber da Defi­ni­tio­nen irgend­wie doch ziem­lich lang­wei­lig sind, las­sen wir es auch damit bewen­den. Wich­tig ist an die­ser Stel­le nur: Es gibt vie­le Arte des Spiels.

Okay, davon abge­se­hen dass das Spiel, in all sei­ner Viel­falt, ein welt­um­span­nen­des und die Zeit über­dau­ern­des Phä­no­men ist – wie­so soll­te man jetzt eigent­lich Spie­le­for­schung betrei­ben? Es gibt, mei­ner Mei­nung nach, zwei aus­ge­spro­chen gute Gründe:

  1. Die Erfor­schung mensch­li­chen Ver­hal­tens und Erle­bens: Von einer Grup­pe aus­ge­schlos­sen zu wer­den oder in einen hef­ti­gen Streit ver­wi­ckelt zu sein, ist meist ziem­lich unan­ge­nehm, dass wis­sen wir alle. Und sol­che Kon­flik­te ent­ste­hen nicht nur in der rea­len Welt, denn die Online-Inter­ak­ti­on von Per­so­nen in MMOGs (Mas­si­ve­ly Mul­ti­play­er Online Games) unter­liegt den glei­chen Grund­sät­zen mensch­li­chen Ver­hal­tens. Wenn man sich vor Augen führt, dass hun­der­te Mil­lio­nen Men­schen welt­weit sich in Teams, Raids, Clans oder Gil­den zusam­men­fin­den um gemein­sam zu spie­len, dann kann man sich vor­stel­len, dass es auch dort zwangs­läu­fig zu Kon­flik­ten kom­men wird. Ein ent­schei­den­der Vor­teil von die­sen elek­tro­nisch gene­rier­ten und feh­ler­frei­en Daten besteht dar­in, dass man genau nach­voll­zie­hen kann, was wann pas­siert ist und sich nicht, wie bei­spiels­wei­se bei Inter­views, mit X Ver­sio­nen der Geschich­te her­um­schla­gen muss. 

    The Gamers (Video 2002) – IMDb

  2. Das Erler­nen neu­er Fer­tig­kei­ten durch Spie­le: Hier könn­te ich als Bei­spiel her­hal­ten, um es etwas anschau­li­cher zu machen. Schon seid knapp über 10 Jah­ren bin ich ein begeis­ter­ter “Pen & Paper-Rol­len­spie­ler”. Im Pen & Paper Rol­len­spiel schlüpft man, wie der Name ver­mu­ten lässt, in eine Rol­le und erlebt zusam­men mit den Mit­spie­lern gemein­sam ein Aben­teu­er, dass von einer Art Regis­seur ange­lei­tet wird. Dabei nut­zen die Spie­ler nichts ande­res als Stift & Papier (Pen&Paper eben) – und Wür­fel. Da mein aller­liebs­tes Hob­by also im Wesent­li­chen nichts ande­res ist als Impro­vi­sa­ti­ons­thea­ter, habe ich abso­lut kei­ne Pro­ble­me vor Grup­pen zu spre­chen – auch bei abso­lu­ter Ahnungs­lo­sig­keit. Die Übung macht es eben mög­lich. Aber ja, ich höre euch schon schrei­en „Ann­ek­do­ti­sche Evi­denz! Ver­brennt den Ket­zer!“, des­halb bit­te ich instän­dig dar­um den nächs­ten Abschnitt zu lesen. 

    Einen humo­ris­ti­schen Ein­blick in die Welt des Pen&Paper Rol­len­spiels gewährt der etwa 45-minü­ti­ge Film “The Gamers” von Dead Gen­tle­men Pro­duc­tions and Zom­bie Orpheus Enter­tain­ment.

Kur­ze Ein­bli­cke in die Spie­le­for­schung und deren Anwendung

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Von einem Mar­ke­ting oder betriebs­wirt­schaft­li­chen Stand­punkt aus betrach­tet wäre wohl die span­nends­te Fra­ge: Wem kann man was, zu wel­chen Preis, wie am bes­ten andre­hen? Eine weni­ger wirt­schaft­lich ori­en­tier­te For­schungs­fra­ge mit glei­chem Inhalt, wür­de sich damit beschäf­ti­gen, wel­che Moti­va­ti­on hin­ter wel­chem Spie­ler­ty­pus steht, wie­so eine Sub­grup­pe an Per­so­nen einen beson­de­ren Spie­le­typ bevor­zugt und wie ein Spiel designt wer­den soll­te, um eine spe­zi­fi­sche Grup­pe anzusprechen.

Apro­po Moti­va­ti­on: Spie­len moti­viert und das kann man sich zu nut­ze machen. Unter dem Stich­wort „gaming for fit­ness“ fin­det sich bei­spiels­wei­se eini­ges zum The­ma Sport­mo­ti­va­ti­on. Com­pu­ter­spie­le, Apps und so manch ande­re Idee wur­de bereits beforscht und umge­setzt. Für den pri­va­ten Gebrauch oder bei­spiels­wei­se groß­räu­mig über eine Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zur Prä­ven­ti­on ver­trie­ben: Spie­len gegen Über­ge­wicht und für ein gesün­de­res Leben? Gar nicht mal so schlecht, Herr Specht.

Gera­de Kin­der las­sen sich beson­ders gut durch spie­le­ri­che Rei­ze locken und das kann sich das fin­di­ge For­scher­team zu nut­ze machen: Man stel­le sich Kin­der vor, die Pro­ble­me mit der Selbst­be­herr­schung und eine beson­ders gerin­ge Frus­tra­ti­ons­tol­leranz haben; eine traum­haf­te Kom­bi­na­ti­on. Des Wei­te­ren neh­me man an, es gäbe eine Mög­lich­keit die­sem Kind mit einem Com­pu­ter­spiel zu hel­fen ande­re Ver­hal­tens­wei­sen zu erler­nen und zwar mehr als nur eine bes­ser Hand-Auge-Koor­di­na­ti­on. Hier­zu könn­te man das Kind und den Com­pu­ter mit­ein­an­der kop­peln, sodass das Spiel nicht nur per Tas­ten­druck gesteu­ert wird. Genau­er gesagt: steigt die Herz­ra­te oder der Blut­druck, so hat das einen Ein­fluss auf das Spiel und macht es bei­spiels­wei­se lang­sam unspiel­bar. Das Kind, das aber nichts lie­ber möch­te als das an sich spa­ßi­ge Spiel zu spie­len, muss sich folg­lich in Selbst­kon­trol­le üben, um zu gewin­nen. Famos, oder? Aber ich ahne schon was sich der Gamer von Welt gera­de denk: “Moment mal… könn­te man solch ein Sys­tem nicht auch in ein nor­ma­les Spiel imple­men­tie­ren? Und funk­tio­niert das nur mit der Herz­ra­te und Blut­druck oder geht da noch mehr?” Die Ant­wort ist: ja klar, und sicher, es gibt noch so eini­ge Mög­lich­kei­ten. Das Bei­trags­bild (s.o.) ist bei­spiels­wei­ße einer Stu­die ent­nom­men bei der Pro­ban­den unter ande­rem mit Hil­fe ihres Lid­schlus­ses, der Blick­be­we­gung und ihrer Herz­fre­quenz Ein­fluss auf ein Spie­len neh­men konnten.

Natür­lich gibt es noch eine Wagen­la­dung voll span­nen­de und nen­nens­wer­te Ergeb­nis­se, bei­spiels­wei­se könn­te ich noch dar­auf ein­ge­hen wel­che Rol­le Gaming für das Mili­tär spielt (in Per­so­nal­aus­wahl von und Trai­ning für Sol­da­ten). Aber ich soll­te auch mal ein Punkt machen.… Soll ja ein Blog sein, und kein Zeit-Arti­kel. Des­halb ver­zei­he der geneig­te Leser mir auch bit­te die grö­be­re Schil­de­rung der For­schung und das Anschnei­den vie­ler Themen.

Und was hat das gan­ze mit dem Autor und sei­nem For­schungs­prak­ti­kum zu tun?

Naja, die offen­sicht­li­che Ver­bin­dung zwi­schen dem einem For­schungs­prak­ti­kum im Com­pu­ter­spielebe­reich und dem Autor wäre, dass der Autor ger­ne spielt. Wie bereits ange­klun­gen ist, ist das auch tat­säch­lich der Fall. Das Prak­ti­kum in Kana­da ist für mich ide­al, denn ich kann das Ange­neh­me mit dem Nütz­li­chen ver­bin­den. Es wird mir mög­lich sein einem moti­vier­ten, inter­dis­zi­pli­nä­ren Team zu arbei­ten und an der For­schungs­front zu ste­hen. Ich kann ein The­ma beackern, dass mir per­sön­lich am Her­zen liegt und zu dem es noch so viel Neu­es zu ent­de­cken gibt. Außer­dem, da ich recht lan­ge dort arbei­ten wer­de, bie­tet sich mir die Mög­lich­keit in vie­le ver­schie­de­ne Pro­jek­te zu schau­en und eine Stu­die kom­plett selbst­stän­dig durch­zu­füh­ren. Kurz­um: ich wer­de viel ler­nen, dar­auf freue ich mich beson­ders. Was genau ich ler­ne und in wel­chen For­schungs­pro­jek­ten ich ein­ge­setzt wer­de, das erfahrt ihr im März.

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