Ghi­b­li-Film­mu­se­um: “Darf ich das wirk­lich anfassen?”

Ein Teil mei­ner Bucket­list für Japan war der Besuch im Ghi­b­li-Muse­um in Mit­a­ka, Tokio. Ghi­b­li, ein Film­stu­dio, das ger­ne mit Dis­ney ver­gli­chen wird, ist natio­nal und inter­na­tio­nal für sei­ne mit Lie­be gestal­te­ten Ani­ma­ti­ons­fil­me bekannt und ein Besuch soll sich loh­nen, wur­de mir gesagt.

Die Tickets für das Muse­um gibt es nicht an der Tages­kas­se. Man muss sie im Vor­feld reser­vie­ren, sogar mit Namen, damit ein Wei­ter­ver­kauf der Tickets nahe­zu unmög­lich gemacht wird. Ent­spre­chend hoch waren dann mei­ne Erwar­tun­gen natür­lich. Oft sind die Tickets bereits nach weni­gen Tagen aus­ver­kauft und man muss sein Glück im nächs­ten Monat ver­su­chen. (Der Ver­kauf an den weni­gen inter­na­tio­na­len Vor­ver­kaufs­stel­len fin­det sogar nur alle 3 Mona­te statt.)

Ghi­b­li ist vor allem für Chi­hi­ros Rei­se ins Zau­ber­land, Prin­zes­sin Monono­ke und Mein Nach­bar Toto­ro bekannt. Natür­lich sind es nicht die ein­zi­gen Wer­ke des Stu­di­os, das 1985 gegrün­det wur­de. Ich kann­te eini­ge, aber eben nicht alle Fil­me des Stu­di­os, aber der Besuch des Muse­ums hat mich trotz­dem gereizt.

Das Muse­um liegt neben einem Park und ist von viel Grün umge­ben. Das Gebäu­de sticht schon durch sei­ne Far­ben und Archi­tek­tur aus der sonst urba­nen Umge­bung. Bereits von drau­ßen kann man ein wenig durch die Fens­ter spä­hen und sehen, wie geschäf­tig es im Muse­um zugeht. Jedoch, vie­le der Fens­ter sind nicht sehr durch­sich­tig. Drin­nen sieht man dann auch war­um: sie sind mit kunst­vol­len Nach­bil­dun­gen der Fil­me geschmückt, alles in Buntglas.

Am Ein­gang tauscht man sei­ne Tickets dann gegen ein klei­nes Stück Film­strei­fen, das man auf der Tour durch das Muse­um in einem Pro­jek­tor genau­er anse­hen kann.

Aber was macht das Muse­um so beson­ders? Ich kann eine (wahr­schein­lich sub­jek­ti­ve) Ant­wort bieten.

Das Muse­um ist in meh­re­re Räu­me unter­teilt, aber statt ein­fach eine Sta­ti­on nach der ande­ren abzu­lau­fen, for­dert das Muse­um dazu auf, klei­ne ver­steck­te Ele­men­te zu ent­de­cken. Es gibt vie­le Klap­pen und Tür­chen und aus­nahms­los alle las­sen sich öff­nen. (Außer der Türen, auf denen “Per­so­nal” steht.) Man­che Tür­chen ver­ste­cken Schau­käs­ten, ande­re klei­ne Durch­gän­ge und Abkür­zun­gen. Neu­gie­rig habe ich ver­sucht alle aus­zu­pro­bie­ren. Mal ver­barg sich hin­ter einer Tür ein Spie­gel, mal eine gan­ze Bären­fa­mi­lie. Man kann jeden Schritt zur Erstel­lung eines Ghi­b­li-Films nach­ver­fol­gen: die klei­nen Model­le, die Licht- und Schat­ten­stu­di­en erlau­ben, Pan­ora­men, Hin­ter­grün­de und Ani­ma­tio­nen, sowie Farb­aus­wahl und auch Bewe­gungs­stu­di­en. Alles, was man von einem Film­mu­se­um irgend­wie erwartet.

Aber das beson­de­re an dem Muse­um ist wohl, dass man alles anfas­sen darf. Es gibt Räu­me vol­ler Bücher, die als Inspi­ra­ti­on für die Fil­me genom­men wur­den. Und man darf sie aus den Rega­len zie­hen und durch­blät­tern. (Lei­der reicht zum Hin­set­zen und Lesen der Platz nicht, aber ich bin mir sicher, das wäre sonst erlaubt.) Man kann die Bären­fa­mi­lie, die aus einem Bil­der­buch von Ghi­b­li-Grün­der Hayao Miya­za­kis stam­men, anfas­sen, ihre Zäh­ne und ihr Fell füh­len. Für jeman­den, der nur Muse­en kennt, in denen alles hin­ter Schei­ben geschützt ist, ist das echt ein Erlebnis.

Wäh­rend man durch die nach­ge­bau­ten Stu­di­os und Büros schlen­dert, fühlt man sich sel­ten wie ein Muse­ums­be­su­cher, eher wie ein Gast, der ein­ge­la­den ist, den Fin­ger über die Buch­rü­cken strei­chen zu las­sen. Alles wirkt so bequem, nur weni­ge Räu­me wir­ken tat­säch­lich wie ein Muse­um. Und man darf eben alles anfas­sen: Model­le, Skiz­zen, Pro­jek­to­ren und eine Dose Bon­bons, bei der ich über­zeugt bin, dass man sie auch essen konn­te. (Ich habe an den Bon­bons gero­chen und sie inspi­ziert. Sie wirk­ten echt!)

Viel­leicht ist es genau das, was das Muse­um so beson­ders mach­te: das Anfas­sen, die Ent­de­ckun­gen und die Über­ra­schun­gen. Immer wie­der habe ich mich bei mei­ner japa­ni­schen Tand­em­part­ne­rin ver­ge­wis­sert: “Darf ich das wirk­lich anfas­sen?” – Ja, ich durfte.

Und zur Stär­kung gibt es ein Restau­rant und ein Café. Die sind, wie in vie­len Muse­en, aller­dings wenig Geldbeutel-schonend.

Alles in Allem, emp­feh­le ich den Besuch jedoch jedem, der einen Abste­cher nach Tokio macht. Küm­mert euch nur schnell um Tickets.

Wer neu­gie­rig gewor­den ist kann sich auf der Home­page des Muse­ums ger­ne ein­mal umse­hen: http://www.ghibli-museum.jp/en/

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