Sugamo: die Sache mit der Glücksunterwäsche

Jeder, dem ich von meinem Besuch in Sugamo erzählt habe, musste etwas verhalten lachen. Aber warum? Wegen der Glücksunterwäsche etwa?

Harajuku war und ist das Paradies der modebewussten Jugend. Sugamo, ein Viertel in Tokio, ist das Äquivalent dazu, jedoch für die Generation 60+, also das Harajuku der Rentner.

Anfang des Semesters hat mich meine Tandempartnerin gefragt, was ich mir für unsere wöchentlichen Sitzungen wünschen würde und ich habe mir Ausflüge gewünscht. Unter anderem nach Sugamo in Tokio. Denn während meiner bisherigen Besuche in Japan und den Trips innerhalb von Tokio, war ich noch nie dort. Meine Tandempartnerin hat kurz gelacht, aber da sie selbst auch nie dort war, haben wir beschlossen, dass es für uns beide Zeit wird.

Ein paar der Eindrücke möchte ich in einer Galerie teilen.

Wir sind zunächst die Hauptstraße des Viertels entlang geschlendert. Es gab natürlich verschiedene Geschäfte, die Snacks (wie Süßkartoffeln in Syrup) oder Kleidung anboten. Doch während das von Gwen Stefani besungene Harajuku für aktuelle Mode und Crepes steht, steht Sugamo eben für japanisches Streetfood und Mode, die vor allem Hausfrauen des letzten Jahrhunderts gefallen könnten. Trotzdem, als eine ältere Dame belustigt unsere Präsenz kommentierte, nahm meine Tandempartnerin das zum Anlass, sich zu erkundigen, was in den Augen der älteren Frau Sugamo besonders machte, abgesehen von in Wein eingelegten Zwiebeln. Es war… rote Unterwäsche.

Tatsächlich, während wir noch scherzten, dass „Pants“ im Japanischen fast immer für „Unterwäsche“ steht, entdeckten wir den ersten Aufsteller. Und dann einen weiteren und am Ende mehrere Läden, die nichts anderes als rote Unterwäsche zu verkaufen schienen. Teilweise waren sie mit dem nächsten Jahr des Chinesischen Kalenders bedruckt, teils aber auch mit Hello Kitty und Snoopy und anderen bekannten Maskottchen, die derzeit auf vielen Souvenirs japanischer Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Tief in den Läden findet man auch Socken und T-Shirts.

Es ist aber nun mal so: in Japan gilt die Farbe Rot als Glücksbringer. Warum jedoch ausgerechnet Unterhosen das Aushängeschild des Viertels wurden, haben wir nicht herausfinden können. Aber wohin man auch blickte, überall gab es rote Unterwäsche, jene Art, die in amerikanischen Sitcoms nur allzu gern als „Oma-Unterwäsche“ bezeichnet wird. Aber hatte ein Laden keine rote Glücksunterwäsche, gab es eben etwas anderes: Sugamos Maskottchen, eine kleine Ente mit roter (Glücks-)Jacke. Sie war fast in jedem Laden im Schaufenster zu finden.

Der Name des Maskottchens ist Sugamon, abgeleitet von dem japanischen Wort für „Ente“ – „kamo“. Beim Eintritt in das Viertel kann man den weichen, flauschigen Hintern der Ente streicheln, der als Nachbildung in einem Schrein hängt. Meine Tandempartnerin und ich haben vorsichtig dran rumgedrückt, erst später erfuhren wir, was die Nachbildung darstellten sollte: den Hintern der Ente.

Die Sache mit der Glücksunterwäsche schien jedoch für viele, denen ich davon berichtet habe, der interessanteste Part zu sein. Ich bin auf die Gesichter gespannt, wenn es dann tatsächlich rote Glücksunterwäsche als Mitbringsel aus Japan gibt. (Sicher hält die Begeisterung dem nicht mehr Stand.)

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