Darf es ein bisschen Kultur sein? – Theaterbesuch

Vor Kurzem hatte ich die Möglichkeit ein Kabuki-Stück zu besuchen und das im Rahmen eines Kunst-Seminars meiner japanischen Austausch-Universität.

Kabuki ist eines der traditionellen japanischen Theater und ist Teil es kulturellen Welterbes. Während meines Studiums an der Universität Trier habe ich viel darüber gelesen und gelernt und einige Videos gesehen, aber bisher hatte ich nie die Möglichkeit ein Stück auf der Bühne zu sehen.

Das Besondere, oder eher, eines der Charakteristika des Kabuki-Theaters, ist die strenge Choreographie. Fast alle Bewegungen sind stilisiert, die Schminke oft grell und die Kostüme aufwändig. Die seit dem 17. Jahrhundert existente Kunstform hat natürlich trotzdem einige Wandel durchlaufen, aber insgesamt gilt es als traditionelle Aufführungsform.

Letztes Jahr habe ich sogar an einem Kabuki-Workshop an meiner Austausch-Uni teilgenommen. Wir haben ein wenig über die verschiedenen Genres und Aufführungstechniken erfahren. Wir durften Kampfszenen nachstellen und später (freiwillig) vorführen. Die Truppe, die zu Besuch war, brachte uns einige Bewegungsabläufe bei. Aber damit nicht genug: am Ende des Workshops luden sie uns zu einer Aufführung ein und versprachen, uns die Möglichkeit zu geben, uns auch hinter der Bühne umzusehen.

Diese Möglichkeit schien mir jedenfalls sehr rar, also steht außer Frage, dass ich mich sofort um ein Ticket gekümmert habe, als unsere Dozentin den Ausflug plante. Das Theater, indem die Aufführung stattfinden sollte, befindet sich in Asakusa, einem beliebten Viertel für Touristen, in dem viele Shops und Gebäude noch im Stil eines „mittelalterlichen“ Japans gehalten sind.

Zu Beginn der Vorstellung stellten die Schauspieler verschiedene Aspekte des Kabuki-Theaters vor, ähnlich wie bei dem Workshop an der Universität. Uns wurde erklärt, wie wir einen Geist identifizieren, welche Geräusche Regen und Sturm darstellen und ein Schauspieler ließ im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen. Beziehungsweise stellte sich schnell heraus, dass die Puppe einer seiner Kollegen war, auch wenn die Bewegungen sehr marionettenhaft waren. Dem Publikum wurde auch erklärt, welche Tricks die Schauspieler anwenden, um verschiedene Rollen zu verkörpern. Denn es gibt eine Besonderheit im Kabuki-Theater: alle Rollen werden von Männern gespielt. Schauspieler, die eine Frau verkörpern, ziehen ihre Schultern zusammen, um schmaler zu erscheinen, sie haben bestimmte Gesten und Posen, die die Weiblichkeit der Rolle unterstreichen (und die sich je nach Alter und Persönlichkeit der Figur wieder ändern). Wir konnten auf der Bühne beobachten, wie ein erwachsener Mann durch simple Gesten und Posen, seine Schultern schmaler erscheinen ließ, um ein junges Mädchen darzustellen.

Nach der Einführung gab es eine kurze Pause, in der unsere Studierenden-Gruppe schnell aufgescheucht und rausgeführt wurde, denn viel Zeit hatten wir nicht. Wir wurden in den Bühnenbereich des Theaters geführt, in dem gerade das Bühnenbild für die anstehende Aufführung aufgebaut wurde. Man konnte die vielen Seile und Mechanismen sehen, an denen nicht nur das Bühnenbild, sondern später auch einige Schauspieler bewegt wurden.

Ehe wir uns versahen, standen wir auch schon in den Umkleiden der Schauspieler, was sich zunächst etwas invasiv angefühlt hat. Während das Team sich um die vielen Lagen der Kostüme kümmerte und die Schauspieler nach und nach verwandelten, wurden uns die einzelnen Schritte erklärt. Zum Beispiel auch, dass die Perücken, die wir sehen konnten, alle aus Menschenhaar waren, was bei einer Haarlänge von gut 1m keinem von uns in den Sinn gekommen ist. Das Anlegen der Kostüme und Perücken ging erstaunlich schnell, bereits nach 15min waren alle fertig.

Während der Vorstellung waren keine Photos erlaubt, aber die Truppe hat selbst ein paar Eindrücke in einen Blog hochgeladen. Wer sich also für die Kostüme und das Bühnenbild interessiert, hier klicken!

Das Stück selbst benötigte keine Erklärungen, die Vorlagen für die einzelnen Szenen waren alle Legenden, die sich um eine bekannte historische Persönlichkeit aus dem 12. Jahrhundert rankten. Die Szenen waren größtenteils akrobatische Kampfszenen, die noch mal unterstrichen, wie wichtig es ist, dass alle Bewegungsabläufe sitzen. Für jemanden, der noch kein Stück auf der Bühne erleben konnte, war es jedenfalls ideal, um einen Eindruck von Kabuki zu gewinnen, da viele der Aspekte, die das Theater ausmachen, hervorgehoben wurden.