UniGR: Neue Ansprechpartnerin in Trier

Wer an der Universität Trier eingeschrieben ist oder lehrt, kann gleichzeitig in vier Ländern studieren und arbeiten. Möglich macht das die Universität der Großregion, kurz: UniGR. Johanna Waterböhr ist Ansprechpartnerin in Trier.

In Trier studieren und ein Seminar in Metz besuchen, an der Universität Liège lehren und eine Vorlesung mit Kollegen der Universität Luxemburg organisieren, an der Universität des Saarlandes forschen und in einem Projekt mit der TU Kaiserslautern arbeiten: Der einzigartige Verbund „Universität der Großregion“ bietet zahlreiche Vorteile sowohl für Studierende als auch für Bedienstete.

Den Angehörigen der UniGR-Universitäten stehen viele Services und Einrichtungen der Partner offen. Neben finanzieller Unterstützung für grenzüberschreitende Kooperationen und für Fahrten an die Partneruniversitäten bietet die UniGR organisatorische Unterstützung und Beratung an.

An jeder Partneruniversität gibt es dafür spezielle Ansprechpartner. An der Universität Trier ist das Johanna Waterböhr. Im Interview mit den Campusnews stellt sie sich und ihre Arbeit vor:

6 Universitäten, fünf Regionen, vier Länder – UniGR klingt nach ständigem Pendeln. Wo erreichen wir Sie gerade?
In meinem Büro im V-Gebäude. Aber  ich bin recht häufig in der Großregion unterwegs. Mit den anderen UniGR-Referenten  treffe ich mich in der Regel alle sechs Wochen – jeweils an einer anderen Partneruni. Hinzu kommen Sitzungen zu Projekten von Forschern oder auch von Verwaltungspersonal, die wir mit unserer grenzüberschreitenden Expertise unterstützen. Zwischen den Partneruniversitäten läuft aber inzwischen auch viel über Videokonferenzen.

In wie vielen Sprachen sind Sie in Ihrer täglichen Arbeit unterwegs?
Französisch und Englisch gehören zu meinem Alltag. Im UniGR-Referententeam spricht jeder seine Muttersprache, kann aber die anderen gut verstehen – auch wenn dabei manchmal ein lustiger Sprachmix herauskommt. Anfragen von den Partnerunis, die in Französisch eingehen, übersetze ich und leite sie dann an mögliche Kooperationspartner in der Uni Trier weiter – und umgekehrt. Über die reinen Sprachkenntnisse hinaus sind interkulturelle Unterschiede nicht zu unterschätzen: Während es etwa für viele Deutsche undenkbar ist, ein Projekttreffen am Freitagnachmittag zu organisieren, bestehen die Franzosen auf eine für deutsche Verhältnisse ausgiebige Mittagspause. Aber Achtung: Dabei werden womöglich inoffizielle Details besprochen, quasi Insider-Infos, außerhalb des Protokolls.

Welche Sprachkenntnisse werden von Studierenden und Mitarbeitenden an der UniGR erwartetet?
Studierende, die Veranstaltungen an den Partneruniversitäten besuchen, sollten natürlich die Unterrichtssprache verstehen – also Deutsch oder Französisch. In einigen Fächern werden auch englischsprachige Veranstaltungen angeboten. Kooperationen zwischen Forschern oder Mitarbeitern der Verwaltungen laufen häufig auf Englisch, obwohl es auch immer wieder Sprachtalente in den Verwaltungen gibt, die sehr gut Französisch sprechen (oder Deutschtalente an den französischsprachigen Unis). Auch hier gilt, dass Grundkenntnisse der Partnersprache sicherlich hilfreich, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme an UniGR-Angeboten sind. Fast noch interessanter als die tatsächlichen Sprachkenntnisse sind die – teilweise kulturell bedingten – unterschiedlichen Arbeitsweisen an den Partneruniversitäten. Wer sich darauf einlässt, erweitert sicherlich seinen oder ihren Horizont

So richtig viele Studierende sind noch nicht bei der UniGR aktiv. Liegt das an mangelnden Sprachkenntnissen?
Nicht nur. Das UniGR-Netzwerk gibt es einfach noch nicht so lange. Außerdem sind die ÖPNV-Verbindungen teilweise nicht so gut. Da ist schon einiges an Zeitmanagement nötig.

Ich denke auch, dass viele Studierende das Angebot der UniGR noch nicht kennen. Wer mal seine TUNIKA genau anschaut, findet dort zwar das UniGR-Logo. Aber wer weiß schon, wofür das steht? Ich werde natürlich versuchen, das Angebot bekannter zu machen und offensiver dafür zu werben.

Was tun Sie, um vermeintliche Hemmschwellen bei Studierenden abzubauen?
Zu allererst empfehle ich, die Sprachkursangebote der Universitäten zu nutzen. Es wird nie wieder so einfach und so günstig sein, einen Sprachkurs zu belegen, wie an der Universität. In unserer Grenzregion, in einem geeinten Europa, im Zeitalter der Globalisierung sind Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kenntnisse, die man während eines Auslandsaufenthaltes erlernt, ein großes Plus für den Lebenslauf. Für die UniGR müssen die Studierenden keinen Auswahlprozess bestehen, keine Sprachkenntnisse nachweisen und keine langen Anträge stellen. Einen kurzen Antrag auf Immatrikulation an der Partneruniversität genügt.

Die UniGR ist auch für (Nachwuchs-)Wissenschaftler interessant. Welche Unterstützung bekommen Doktoranden und Forscher bei Ihnen?
An den Partneruniversitäten werden  viele Veranstaltungen für Doktoranden der Partneruniversitäten geöffnet, z.B. im Bereich der Schlüsselkompetenzen. Es gibt bereits mehrere Aktionen, die sich explizit an Doktoranden in der Großregion richten. Die Neuere und Neueste Geschichte an der Uni Trier organisiert in diesem Jahr wieder die grenzüberschreitenden DoktorandInnenschule LOGOS. Im Juli ist dann die Großregion  zu Gast bei uns in Trier: Trierer Doktoranden sind herzlich eingeladen, mit DoktorandInnen aus Frankreich, Luxemburg und Belgien über das Thema „Raum – Gedächtnis“ zu diskutieren.

Nachwuchswissenschaftler haben über das UniGR-Netzwerk außerdem die Möglichkeit, ihrer Promotion eine grenzüberschreitende und europäische Dimension zu verleihen und bereits am Anfang ihrer Karriere Kontakte in Europa zu knüpfen. Dass sie dabei die Hochschulsysteme von vier EU-Ländern kennen lernen können, ist sicherlich auch ein Vorteil, da in der Wissenschaft Mobilität erwartet wird. Ebenso können sich innerhalb der UniGR stabile Partnerschaften entwickeln. Wer schon einmal einen Antrag auf EU-Förderung gesehen hat, weiß, dass das Einwerben von EU-Fördermitteln ohne stabile Kontakte sehr kompliziert ist.

Obwohl die UniGR eine Geschäftsstelle und eine Direktorin hat, ist sie für viele noch wenig greifbar. Wie machen Sie sie sichtbar?
Die Einrichtung einer Zentralen Geschäftsstelle ist in erster Linie für die Verwaltung des Netzwerkes von Bedeutung. Die Uni Trier und ihre Studierenden haben mit mir eine direkte Ansprechpartnerin. Das UniGR-Netzwerk organisiert auch regelmäßig öffentliche Veranstaltungen. Am 11. Mai treffen sich Sportbegeisterte zum UniGR-Sporttag im belgischen Lüttich und messen sich im Hallenfußball bzw. erkunden den Lütticher Campus per „Orientierungslauf“. Veranstaltungen wie diese geben dem Unileben eine grenzüberschreitende Dimension außerhalb von Seminaren und Forschungskolloquien. Zum Sporttag sind alle Studierenden und Mitarbeiter eingeladen. Wer Lust auf eine interkulturelle Begegnung auf dem Sportplatz hat, kann sich gerne bei mir melden. Aktuell haben wir noch Plätze frei.

Wie sind Sie selbst auf die UniGR aufmerksam geworden?
Ich bin wegen des Studiums der Kulturwissenschaften nach Saarbrücken gezogen – ich habe mir die Stadt bewusst aufgrund der Grenzlage ausgesucht. Jetzt arbeite ich in Trier. Ich bin also selbst ein Produkt der Großregion. Das Angebot der UniGR ging erst ganz am Ende meines eigenen Studiums so richtig los. Ich habe leider selbst nicht mehr davon profitieren können, freue mich aber nun umso mehr, Studierende zu einem Auslandsaufenthalt zu motivieren und die Universitäten einander näher zu bringen.

Weitere Informationen zum Studium an der UniGR: www.uni-gr.eu/de/studieren

Kontakt
Johanna Waterböhr
UniGR-Referentin
Tel.: 0651 201 4495
E-Mail: unigr@uni-trier.de
www.unigr.uni-trier.de