If you’re going to San Francisco

Nach einigen Tagen zuhause in Saint Paul ging es weiter zur nächsten Station meiner USA-Reise: San Francisco. Man vergisst schnell, wie riesig die USA sind – und wie viele Zeitzonen sie haben. Als ich in Minneapolis ins Flugzeug stieg, rechnete ich mit überhastetem Blick auf mein Flugticket mit zwei Stunden Reisezeit. Ich hatte es total verplant, dass zwischen den Twin Cities und meinem Ziel ja auch noch zwei Stunden Zeitverschiebung liegen. Nach insgesamt vier Stunden wurde mir dann aber letzten Endes klar, dass zwischen Minnesota und Kalifornien sich doch ein ganzes Stück Land befindet.

Viele der Straßen in San Francisco sehen genau so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte

Am Flughafen in San Francisco angekommen sammelte ich meine Freundin Lisa ein, die gerade aus dem Heimaturlaub zurückkam. Von da aus ging es dann per Mitfahrapp Uber in unser wirklich extrem schönes Hostel. In den USA gibt es nämlich, anders als beispielsweise in Europa, nicht wirklich viele Hostels, und schon gar nicht so günstig – dafür sind einige umso besser ausgestattet.

Das HI Hostel Downtown sieht eher aus wie ein total durchgestyltes Hotel. Luxus pur, wenn man davor monatelang im Wohnheim wohnen durfte. Selbst, wenn man sonst eher nicht der Hostelmensch ist, lohnt es sich auch der Lage wegen, hier zu übernachten. Man ist mitten im Herzen der Innenstadt und kann abends noch bequem zu Fuß etwas unternehmen.

Am nächsten Tag haben wir uns direkt aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Das Hauptziel war klar: Das Hippie-Viertel Haight-Ashbury. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Abstecher ins wunderschöne Asian Art Museum und liefen danach durch Straßen, die geradezu San Francisco schrien. Wunderschöne alte Häuser auf hügeligen Straßen, in die man am liebsten sofort einziehen würde – dieses Klischee hat sich für uns definitiv bestätigt.

Auf dem Weg nach Haight-Ashbury

Am Ziel unserer kleinen Wanderung angekommen begegnete uns ein wildes Potpourri an Menschen, Läden und Geräuschen. Es ist auf den ersten Blick ein wenig „normaler“, als man es erwartet – trotzdem will man überall die Schaufenster betrachten und in jedem zweiten Laden nach Kuriositäten stöbern. Wir haben vor allem in den Secondhand-Läden von Haight-Ashbury viel Zeit verbracht (dass ich mir dort ein Leoparden-T-Shirt aus Samt gekauft habe, erklärt sich irgendwie von selbst) und haben die Eindrücke des sagenumwobenen Viertels beim Umherlaufen aufgenommen. Ein wenig kann man noch erahnen, wie es hier wohl in den 1960ern gewesen sein muss.

Bei der Walking Tour haben wir unzählige versteckte Gärten gesehen

Am nächsten Morgen entschlossen wir uns, an der Walking Tour des Hostels teilzunehmen. Für mich persönlich war das eines der Highlights: ein total uriger älterer Herr in Sportbekleidung und mit zwei prall gefüllten Mappen, in denen er Fotos, Texte und Zeitungsartikel über sein Zuhause sammelte, manövrierte uns durch die Hügel von San Francisco. Dazu kommt, dass wir dafür exakt Null Dollar bezahlen mussten – und tonnenweise Wissen von einem Einheimischen mitnehmen konnten. Wir haben unterwegs unzählige Sehenswürdigkeiten gesehen, beispielsweise den Coit Tower, die steile Lombard Street, Chinatown und die Grace Cathedral. San Francisco lässt sich einfach wunderbar zu Fuß erkunden, was man bei den vielen Hügeln zunächst gar nicht annimmt.

Die Fahrt zur Golden Gate Bridge ist zwar nicht gerade kurz, dafür aber wahnsinnig schön

Tag drei der San Francisco Reise wartete mit einer Aktivität auf, vor der ich ziemlich Bammel hatte: Einmal mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge fahren. Es bleibt unklar, ob ich die beste Fahrradfahrerin aller Zeiten bin. Allerdings steht fest, dass ich absolut keine Sportskanone bin und man erst mal zu der berühmten roten Brücke radeln muss. Den Weg zum Fahrradverleih haben wir uns zunächst noch mit einem besonderen San Francisco-typischen Fortbewegungsmittel versüßt: dem Cable Car. Das war ziemlich abenteuerlich (die Teile sind irre schnell), muss man aber unbedingt gemacht haben. Am besten steht man ganz hinten und genießt den Ausblick auf die Stadt.

Die Farbe der Golden Gate Bridge – die urpsrünglich schwarz gelb gestreift sein sollte

Schließlich war der Moment gekommen: Ich saß mit Helm bewaffnet auf dem Rad und folgte Lisa etwas zögerlich zur Golden Gate Bridge. In San Francisco ist es das ganze Jahr über mild und wir hatten an diesem Tag Glück, denn unüblicher Weise verschwand die Brücke nicht hinter Nebel, sondern leuchtete rot vor strahlend blauem Himmel. Die Strecke, die an einem Strand entlangführt, ist nicht nur schön, sondern bietet auch gefühlt eine Milliarde guter Fotomöglichkeiten. Leider muss man dann irgendwann auch zur Brücke hoch und einen steilen Hügel hochradeln – ich habe mein Fahrrad zugegebenermaßen geschoben.

Auf der Golden Gate Bridge zu fahren war total surreal und mit meinem Besuch der Brooklyn Bridge in New York wahrscheinlich das zweite Mal, an dem ich mich wie auf einem Postkartenmotiv fühlte. Man sieht die Leute, die über die Brücke pendeln, die Stadt, die in der Ferne glitzert – und die roten Balken über dem Kopf.

In der California Academy of Sciences waren neben Ausstellungen auch lebendige Meeresbewohner zu sehen

So schön die Zeit auf der Brücke war, so hat sie auch leider eine leichte Steigung (wer dort schon langgefahren ist, lacht mich wahrscheinlich gerade aus), und man muss ja auch wieder zurückfahren – ich war am Abend einfach nur fertig. Zurück im Hostel angekommen bereiteten wir uns aber noch auf ein besonderes Event vor: In der California Academy of Sciences, unter anderem einem Wissenschaftsmuseum, findet jeden Donnerstag eine Party statt. Dort schlürften wir dann zwischen Ausstellungsstücken und Aquarien Drinks, bevor es dann wieder ins gemütliche Hostelbett ging.

Der nächste Tag war mein letzter in San Francisco. Wir verbrachten diesen auf Alcatraz, der nächsten weltberühmten Sehenswürdigkeit der Stadt. Man fühlt sich hier zwar zu einhundert Prozent wie ein Tourist, während man zwischen dutzenden anderen mit Audioguide durch das alte Gefängnis läuft – allerdings beinhaltet dieser Stimmen von ehemaligen Insassen und Gefängnispersonal und ist extrem eindrucksvoll. Schließlich saßen hier schon kriminelle Berühmtheiten wie Al Capone ein.

Zu Alcatraz hoch kann man von September bis Januar einen Wanderweg nehmen

Am letzten gemeinsamen Abend – denn die Reise ging für mich alleine weiter – wollten wir noch etwas Besonderes unternehmen und reservierten Tickets, um im Sundance Kabuki Kino La La Land zu sehen. Es hätte kaum passender sein können, als den Film in Kalifornien zu sehen – und dann auch noch in einem dermaßen schönen Kino. Ein krönender Abschluss, bevor ich mich am nächsten Tag wehmütig wieder zum Flughafen aufmachte. San Francisco hat mich mit seiner einzigartigen Mischung an Verrücktem und Schönem in seinen Bann gezogen.

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