Der Weg der Blumen

Ike­ba­na – Das ist die aus­schließ­lich japa­ni­sche Kunst, Blu­men, Zwei­ge und ande­re Natur­ma­te­ria­li­en in einer ganz spe­zi­el­len Art und Wei­se zu arran­gie­ren. Und nicht nur das: Die­se Art der Kunst, heißt, wenn medi­ta­tiv betrie­ben, auch Kadō (華道 ~ Weg der Blu­men). Ich habe mich mit einer Freun­din dazu ent­schlos­sen, die­sem Weg zu folgen.

Erst ein­mal bit­te ich viel­mals um Ent­schul­di­gung für die lan­ge Pau­se hier in mei­ner Blog­gings­par­te. Es gab eini­ge tech­ni­sche Pro­ble­me, die erst gelöst wer­den muss­ten, aber jetzt wer­de ich die Bei­trä­ge von hin­ten nach vor­ne wie­der auf­rol­len. Lan­ge rede kur­zer Sinn: Los gehts!

Zwei Wochen nach dem Kimo­no Work­shop, also Anfang Febru­ar, stand das nächs­te Pro­jekt an. Blu­men­ste­cken, oder auf Japa­nisch auch
Ike­ba­na genannt, bedeu­tet wört­lich “Leben­de Blu­men” und ist die Kunst, Blu­men und diver­se ande­re Din­ge in einer schö­nen und har­mo­ni­schen Art und Wei­se zusam­men­zu­ste­cken. Die­se Kunst in eine derer, die die Adli­gen in frü­he­ren Zei­ten ler­nen muss­te, neben unter ande­rem der Kal­li­gra­phie und der Dicht­kunst. Indem man die Blu­men arran­giert, drückt man sei­ne Gefüh­le und sei­ne der­zei­ti­ge Hal­tung zur Natur aus und die jewei­li­ge Jah­res­zeit spie­gelt sich in der Aus­wahl von sai­so­na­len Blu­men und Gewäch­sen wie­der. Wen die Geschich­te und die ver­schie­de­nen Schu­len und Stil­rich­tun­gen des Ike­ba­na genau­er inter­es­siert, der kann sich auf der deut­schen Sei­te des Ike­ba­na Ver­bun­des tie­fer in die Mate­rie ein­le­sen Ike­ba­na Bundesverband.

Kom­men wir mal zu mei­nen eige­nen Ver­su­chen ein har­mo­ni­sches Blu­men­ge­steck zu kre­ieren. Das Blu­men­ste­cken fand, genau­so wie der Kimo­no Work­shop, im Port Island Wohn­heim der Uni­ver­si­tät Kobe statt (eine Insel im Hafen­be­cken von Kobe, sehr weit von der Uni­ver­si­tät ent­fernt). 300 Yen (~2,43€) hat jeder Teil­neh­mer für die Blu­men bezahlt und dann ging es auch schon los. Als ers­tes wur­den uns ein Zet­tel gege­ben, mit ver­schie­de­nen Vari­an­ten, wie ein Blu­men­ge­steck auf­zu­bau­en ist.

Das sah zunächst etwas kom­pli­ziert aus. Vie­le ver­schie­de­ne Win­kel­grö­ßen und Berech­nun­gen hel­fen bei einer har­mo­ni­schen Anord­nung der Blu­men. Also, Tul­pen und Zwei­ge irgend­ei­nes Busches in die Hand genom­men, auf 2/3 und 1/3 der Län­ge der Scha­le gekürzt und dann in das klei­ne Nagel­brett in der Mit­te der Vase gesteckt. Natür­lich das Ein­fül­len von Was­ser nicht ver­ges­sen. Dabei muss man auf­pas­sen, dass man sich nicht aus­ver­se­hen sel­ber mit auf­spießt, denn man­che Zwei­ge brau­chen ganz schön Kraft, bis sie über­haupt ste­cken blei­ben. Da ist abrut­schen vor­pro­gram­miert. Immer wie­der blickt man auf das Papier, kon­trol­liert ob der Win­kel sitzt und über­legt, ob das gan­ze auch wirk­lich har­mo­nisch aussieht.

 

Immer mit dabei die freund­li­chen, älte­ren Damen, die gefühlt in allem talen­tiert sind (wel­che schon beim Kimo­no Work­shop per­fekt dar­in waren, uns Mädels die Kimo­nos per­fekt auf den Leib zu bin­den). Auch beim Ike­ba­na hal­fen sie, wo sie konn­ten und selbst aus recht häss­li­chen Krea­tio­nen schaff­ten sie es durch ein biss­chen kni­cken hier und dazu ste­cken da, ein klei­nes Meis­ter­werk zu zau­bern. Im End­ef­fekt fand ich das gan­ze Arbei­ten nach Win­keln und Län­gen ziem­lich anstren­gend und hat für mich per­sön­lich wenig mit der Arbeit mit Natur­pro­duk­ten zu tun. Den­noch habe ich das Gefühl, dass ich den medi­ta­ti­ven Aspekt doch erkannt habe. Je stär­ker man sich kon­zen­triert und in die Mate­rie des Ike­ba­na ein­ar­bei­tet, des­to mehr ver­gisst man alles ande­re um sich her­um und küm­mert sich nur um das Arran­ge­ment des Gestecks vor sich.

Zum Abschluss hier ein­mal das Gesteck, was mir am bes­ten gefal­len hat von allen, die an die­sem Tag gemacht wur­den. Mei­nes war es auf jeden Fall nicht. Und obwohl Ike­ba­na heut­zu­ta­ge eigent­lich eine Kunst der Frau­en ist, hat der ein­zi­ge, teil­neh­men­de Mann das bes­te Gesteck gemacht.

 

 

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