(un)verzichtbar

Kein Land, kein Ort ist vollkommen perfekt. So auch nicht Japan. Aber auf welche Dinge könnte ich hier liebend gerne verzichten und auf welche eigentlich überhaupt nicht?

Ich habe mir einmal Gedanken gemacht. Was finde ich hier in Japan eigentlich besonders gut (was ich liebe) und was mag ich hier nicht so gerne? Zunächst muss ich sagen, dass es mir alleine schon schwer fiel, fünf negative Stichpunkte zu finden, die sich auf meinen Lebensalltag beziehen lassen. Als Student lebt es sich nämlich recht gut hier und die positiven Punkte sind nur so aus mir herausgesprudelt. Dennoch beschränke ich mich hier auf zehn Dingen, die ich sehr sehr liebe, aber andere, die ich manchmal auch einfach ziemlich nervig finde.

 

Was ich an Japan einfach nur Liebe

1.) Freundliche Verkäufer

Egal welchen Laden man betritt, das Personal ist fast immer sehr höflich und zuvorkommend. Kommt man rein, wird man direkt mit irasshaimase (das japanische Äquivalent zu Herzlich Willkommen) begrüßt und sobald man sich für ein Produkt entschieden hat, bedankt sich der Verkäufer dafür, dass man etwas eingekauft hat. Wenn das Produkt dann auch noch wunderbar eingepackt wird, ist das Einkaufserlebnis perfekt.

2.) Fantastisches Essen

Restaurants und izakaya (ein Mix aus Restaurant und Kneipe) gibt es an jeder Ecke und oft ist das Essen, was serviert wird, einfach nur köstlich. Selbst in großen Ketten kann man bedenkenlos jedes Gericht bestellen. Es wird sicher keine allzu große Verfehlung sein. Japaner sparen gerne an Gewürzen und schaffen es den natürlichen Geschmack des Essens perfekt hervorzuheben.

3.) Einkaufswaren

Wie mein Beitragsbild schon zeigt, wird Verpackung hier in Japan groß geschrieben. Das, was auf dem Bild zu sehen ist, sind Erkältungssäfte für Kinder. Generell sind Produkte oft farbenfroh eingepackt, mehrfach eingehüllt und einfach nur richtig schön anzuschauen. Da tut es einem manchmal leid, dass die Umverpackung zu Hause direkt in den Müll wandert.

4.) Zugfahren

Zugfahren ist hier spottbillig. Je nachdem, welche Bahn man nimmt, zahlt man von Kobe nach Osaka (ca.30km) 390 Yen, das sind 3,13 Euro. Wenn ich das mit den Tarifen von da vergleiche, wo ich in Deutschland herkomme, dann ist das geschenkt. In Deutschland würde ich dafür über 10 Euro zahlen müssen, wenn ich kein Spezialticket kriegen kann. So macht Reisen doch gleich viel mehr Spaß! Selbst die shinkansen Hochgeschwindigkeitszüge sind nicht sehr teuer, wenn man vergleicht, was für einen Zeitgewinn man hat.

5.) Konbini

Konbini, ja, das ist fast so etwas wie der heilige Gral der japanischen Gesellschaft. Viele dieser Mini-Supermärkte haben 24 Stunden geöffnet und man bekommt alles, was man nachts um halb zwei, morgens um sieben oder nachmittags um fünf Uhr so braucht. Insbesondere Getränke, Essen und Snacks sind das, was diese Läden ausmacht. Kurzum, einfach total benri (praktisch).

Was mich manchmal wirklich nervt

1.) Plastiktüten

Egal was man kauft und auch völlig egal wo, ganz automatisch wird dir deine Wasserflasche in eine Plastiktüte gepackt, obwohl du eine große Handtasche dabei hast. Oder, wenn du ein klitzekleines Reisbällchen kaufst, direkt in den Beutel. Wenn man nicht schnell genug sagt, dass man keine Tüte will, ist blitzschnell schon alles eingepackt. So türmen sich zu Hause auch Berge voller Tüten.

2.) Schwüles Wetter

Sobald der Frühling anklopft und mit großen Schritten Richtung Sommer geht, werden die schwülen Tage von der Ausnahme zur Regel. Schwül, das heißt richtig feuchte, warme Luft. Bei 92 Prozent Luftfeuchtigkeit kann man sich schon mal darauf einstellen, dass man direkt beim Verlassen des Hauses total verschwitzt ist. Wenn man dann noch einen Berg hochgehen muss, kann man sich nur auf Wechselkleidung verlassen.

3.) Regeln

Regeln sind gut und halten die Welt zusammen, keine Frage. Aber wenn man möchte, dass etwas leicht anders gemacht wird als die Norm, dann ist das hier in Japan absolut unmöglich. Im Restaurant wird das Essen genauso gereicht, wie es auf der Karte steht. So, und nicht anders. Wenn man einen Schreibfehler auf einem Formular macht, bekommt man lieber ein Neues, anstatt die Fehler einfach durchzustreichen.

4.) Küchengeräte

Mein liebstes Küchengerät ist der Ofen. Jetzt kann man dreimal raten, was hier in Japan kein Küchenstandart ist? Genau, Öfen. Alles wird hier mit der Mikrowelle gemacht, die mit einer „Toastfunktion“ ausgerüstet ist. Das ersetzt aber leider keinen Ofen und deshalb erwarte ich als erste Mahlzeit, wenn ich zurückkomme, einen richtig guten Tortelliniauflauf mit ganz viel Käse.

5.) Taschentücher und Klopapier

Zunächst mag das komisch klingen, aber die Unterschiede sind enorm. Japanische Taschentücher sind nicht zusammen gepresst, genauso wie das Klopapier, was dafür sorgt, dass die Tücher einem noch in der Hand auseinander fallen. Wenn man dann einmal heftig ins Taschentuch schnäuzt, hat man nur noch Fetzen. Mehr als zwei Lagen und super weich sind in keinem der beiden Fälle zu bekommen.

 

Wie oben schon gesagt, es fiel mir sehr schwer fünf negative Punkte zu finden, die meinen Alltag betreffen. Ich möchte das Leben hier nicht glorifizieren, aber insgesamt finde ich, dass die Lebensqualität für mich persönlich schon sehr hoch ist. Der Alltag in diesem Land macht mir einfach Spaß und von ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht passen, darf man sich nicht die Laune verderben lassen. 🙂

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