Kolum­bi­en oder das eigent­li­che Ende mei­nes Erasmusaufenthaltes

Eigent­lich stand mein Abschluss­post über mei­nen Eras­mus­auf­ent­halt schon fest. Was hat mir gefal­len und was nicht? Was wer­de ich ver­mis­sen und was nicht? Aber ich habe ihn ewig hin­aus­ge­zö­gert. Und war­um? Weil für mich eigent­lich erst jetzt – 7 Wochen nach mei­ner Rück­kehr aus Frank­reich – mein Eras­mus rich­tig been­det ist. Ich bin für 3 Wochen nach Kolum­bi­en geflogen.

Kolum­bi­en stand ursprüng­lich nie ganz oben auf mei­ner “Län­der die ich unbe­dingt als nächs­tes besu­chen muss”-Lis­te. Aber dann kam Maria Julia­na. Ich traf die klei­ne Bogota­na in Lyon. Sie stu­dier­te dort Jura. Wir freun­de­ten uns also an und sie erzähl­te mir von zu Hau­se. Von ver­rück­ten Rezep­ten mit Koch­ba­na­nen (“plá­ta­no”), wir tanz­ten Sal­sa und hör­ten Reg­gae­ton (Wer wür­de zu die­sen Rhyth­men nicht in Urlaubs­stim­mung kom­men?), sie ver­spot­te­te unse­re klei­nen euro­päi­schen Früch­te und schließ­lich lud sie mich zu sich und ihrer Fami­lie nach Bogo­tá ein. Könn­te es eine bes­se­re Gele­gen­heit geben, eine so ent­fern­te Kul­tur ken­nen­zu­ler­nen als bei einer ein­hei­mi­schen Fami­lie zu woh­nen? Schließ­lich spre­che ich kein Spa­nisch – da Latein ja die viiiiee­e­el sinn­vol­le­re Wahl in der Schu­le war, weil man es immer gut gebrau­chen kann, wenn man gera­de einem römi­schen Legio­när über den Weg läuft.

Im Febru­ar buch­te ich also Hin- und Rück­flug­ti­cket nach Bogotá.

Ein­mal auf die ande­re Sei­te der Welt bit­te. Tschüss Euro­pa und hal­lo tro­pi­sches Kli­ma, Süd­halb­ku­gel und 7 Stun­den Zeitverschiebung.

Sobald die Buchungs­be­stä­ti­gung da war, setz­te die Vor­freu­de ein. Klar, dass da bei den Eltern erst­mal pure Panik aus­bricht. Kolum­bi­en? Ist es da nicht total gefähr­lich? Gibt es da nicht auch ganz schlim­me Krank­hei­ten? Und Dro­gen? Muss das sein? War­um nicht gleich Afgha­ni­stan? Ver­ständ­lich. Aber ich war schon zu ent­schlos­sen, um mich noch umstim­men zu lassen.

Kolum­bi­en ist land­schaft­lich und kli­ma­tisch extrem viel­fäl­tig. Es gibt Regen­wäl­der mit rie­si­ger Tier­viel­falt, sehr gefähr­li­che Gebie­te ent­lang der Vene­zue­la­ni­schen Gren­ze und im Bereich um Cali, schwül-hei­ße Gebie­te in denen es nie unter 29 Grad abkühlt bis hin zum küh­len Bogo­tá, in dem es zwar auch feucht, durch sei­ne Höhe von 2400 m über dem Mee­res­spie­gel aber nicht mehr mol­lig warm ist. Top-Rei­se­tipp für alle die mal nach Bogo­tá wol­len: Lasst vor­her die Luft aus euren Creme­fläsch­chen und Sham­poo-tuben. Sonst fliegt euch der Inhalt in Bogo­tá um die Ohren und vor allem an die Wand (der Fami­lie, die euch so nett ein­ge­la­den und auf­ge­nom­men hat). Pein­lich­keits­stu­fe 7,5 von 10.

Es stell­te sich her­aus, dass die Eltern von Juli lei­der über­haupt kein Eng­lisch spre­chen. Mei­ne Kon­ver­sa­tio­nen mit ihnen waren also fran­zö­sisch mit spa­ni­schen Endun­gen. Funk­tio­niert erstaun­lich gut! Zumin­dest die Kern­messa­ge kommt an. Außer­dem kann man sich natür­lich über Ges­ten auch ganz gut ver­stän­di­gen, im WLAN ist Goog­le trans­la­te ein treu­er Freund und irgend­wie sind vie­le Situa­tio­nen ein­fach selbst­er­klä­rend. So ist dem Avo­ka­do­ver­käu­fer natür­lich auch klar, dass man bei ihm kein Visum bean­tra­gen oder Auto lea­sen will. Ein paar Bro­cken hat­te ich aber (wahr­schein­lich dank Fran­zö­sisch) auch in null Kom­ma nichts drauf und habe schnell recht viel ver­stan­den. Mit Julis Freun­din­nen sprach ich also fie­ses­tes Spenglisch.

Ein wirk­lich klei­ner Teil­aus­schnitt von Bogotá

Bogo­tá ist wahn­sin­nig rie­sig und es reg­net qua­si täg­lich. Wer schö­ne Archi­tek­tur sucht, soll­te eine ande­re Stadt wäh­len. Es gibt unzäh­li­ge Malls, in denen man alles Erdenk­li­che kau­fen kann. Wäh­rend ande­re auf der Stra­ße zwi­schen fah­ren­den (!) Autos her­um­lau­fen und ver­su­chen Zucker­wat­te, Stif­te und Koch­bü­cher zu ver­kau­fen, leuch­ten, fun­keln und strah­len die Geschäf­te in den meis­ten Malls um die Wet­te. Tiffany’s, Guc­ci, Sam­sung Flagship Store und der Hun­de­aus­stat­ter mit Swa­rov­ski-Kol­lek­ti­on – alles was das Herz begehrt auf meist 3 Eta­gen. Bogo­tá scheint außer­dem nie zu schla­fen. Selbst wenn man nachts (natür­lich im Taxi oder Uber – denn gelau­fen wird nicht) unter­wegs ist, sind Fri­seu­re, Super­märk­te und Co oft geöff­net. Uber ist übri­gens auch in Kolum­bi­en ver­bo­ten. Nur küm­mert sich dort nie­mand dar­um. Man muss sich als Mit­fah­rer im Uber also nach vorn set­zen, damit es nicht auf­fäl­lig ist. Gele­gent­lich kommt es auch zu Atta­cken der Taxi­fah­rer auf Uber­fah­rer, weil die Taxi­fah­rer um ihre zah­len­de Kund­schaft fürch­ten. Einer mei­ner Uber­fah­rer wur­de gera­de von einem Taxi­fah­rer ange­schrien, dass ihm die Haa­re senk­recht nach hin­ten stan­den, wäh­rend ich Anstal­ten mach­te ins Auto ein­zu­stei­gen. Ein paar Schlä­ge und Trit­te bekam auch das Auto des armen Kerls noch ab, bevor wir dann im Affen­zahn los­fuh­ren und wie immer in schwin­del­erre­gen­den Ser­pen­ti­nen um die Schlag­lö­cher her­um­jag­ten. Sich anzu­schnal­len wur­de meis­tens zwar belä­chelt, ich zog es jedoch trotz­dem meist vor ein biss­chen ver­lacht zu wer­den. Eigent­lich wäre ein Motor­rad­helm die per­fek­te Beklei­dung in den Ubers und Taxis gewesen.

Ein rie­si­ges High­light in Kolum­bi­en ist es, die Obst­ab­tei­lung eines Super­mark­tes zu besich­ti­gen. Neben den her­kömm­li­chen Früch­ten, wie Ana­nas, Bana­ne und Papa­yas sind unzäh­li­ge Früch­te im Ange­bot, die ich vor­her weder gese­hen, geges­sen noch von ihnen gehört hat­te: Che­ri­mo­ya. Gra­na­dil­la. Guana­ba­na (die so groß ist wie ein Men­schen­kopf), Lulo, was vor allem als Saft getrun­ken wird und vie­le wei­te­re Schät­ze der Natur aller Far­ben, Grö­ßen und Geschmacks­rich­tun­gen. Man­gos isst man in Kolum­bi­en mit Salz und Limet­te. Klingt komisch – und ist abso­lut gött­lich! Man­che machen auch noch Honig und Süß­milch drauf, aber das war mir dann doch zu viel des Guten. Es gibt übri­gens mehr als ein­fach nur DIE Man­go. Mei­ne Fami­lie muss mich für unter­be­lich­tet gehal­ten haben, als mir beim Anblick der ver­schie­de­nen Man­gos­or­ten fast die Augen aus dem Kopf gefal­len sind. Gän­gig sind 3 ver­schie­de­ne Arten. Die ers­te Sor­te ist innen grün, nicht ganz so süß und recht fest, die zwei­te grell gelb und wird als ein­zi­ge nicht in Stü­cke son­dern in Qua­si-Pom­mes-form geschnit­ten und die drit­te ist die bei uns bekann­tes­te oran­ge-gel­be, knall­sü­ße und glibschi­ge Man­go. Außer­dem bekommt man bei den Man­gostän­den auf der Stra­ße (die gesun­de Form unse­rer Würst­chen­bu­de) 3 Man­gos in einem Becher für umge­rech­net 1 Euro.

Tamal (links) und pat­a­co­nes (rechts)

Der Ver­kehr in Bogo­tá ist das abso­lu­te Grau­en. Nicht nur, dass man stän­dig glaubt, man wür­de nicht leben­dig ankom­men, man steht auch zu jeder Tages- und Nacht­zeit im Stau. Als ich mit mei­ner Freun­din ein­mal zu Flug­ha­fen fuhr, mein­te sie, dass um die­se Zeit kein Ver­kehr sei (Das hielt ich damals schon für ein Gerücht). Sie lag falsch. Wir kamen 20 Minu­ten bevor der Flie­ger star­ten soll­te am Flug­ha­fen El Dora­do an. Mei­ne Lau­ne war im Kel­ler – 2 Nah­tod­erfah­run­gen in den letz­ten 30 Minu­ten (unser Taxi­fah­rer mein­te näm­lich, dass auch in Kreis­ver­keh­ren rechts vor links gilt, oder er hat­te even­tu­ell kei­nen Füh­rer­schein, oder war taub und blind) und jetzt auch noch den Flie­ger ver­pas­sen. Wir beka­men den Flie­ger natür­lich. Nur in Kolum­bi­en.… in Frank­furt wären wir schon für die Fra­ge aus­ge­lacht wor­den, ob wir die­sen Flie­ger noch schaf­fen. Ich hat­te vor Schreck mei­ne 1,5 Liter Was­ser­fla­sche, die noch halb voll war, im Hand­ge­päck ver­ges­sen. Nie­mand hat es gemerkt. Am Secu­ri­ty-Check haben sie wahr­schein­lich Fil­me auf ihren Bild­schir­men ange­se­hen anstatt dem Gepäck.

Am schlimms­ten sind aller­dings die Bus­se, geben sie Gas, ist es hin­ter ihnen erst­mal schwarz. Wie iro­nisch es mir vor­kam, dass wir hier ver­su­chen die Umwelt durch so vie­le klei­ne Bei­trä­ge zu schüt­zen. Umwelt­schutz steht dort sicher­lich nicht mal im Wör­ter­buch. Vie­le Leu­te lau­fen sogar mit Atem­schutz­mas­ken her­um. Hin­ter dem klapp­ri­gen Luft­ver­schmut­zer­bus steht dann das neu­es­te Modell des Por­sche Cayenne und dane­ben ist die Müll­ab­fuhr am Stra­ßen­rand unter­wegs. Die Müll­ab­fuhr sind Fahr­rä­der mit Bol­ler­wa­gen­an­hän­gern. (Bild s.u.) Die wer­den dann der­ma­ßen voll­ge­packt, dass man sich fragt, ob die Jungs vor­her Sta­tik stu­diert haben.

Mei­ne Lieb­lings-Ran­dom-Infor­ma­ti­on war, dass Autos nur jeden zwei­ten Tag benutzt wer­den kön­nen. Je nach Kenn­zei­chen an gera­den oder unge­ra­den Daten. Mit die­ser Regel soll der Ver­kehr in Bogo­tá ent­las­tet wer­den. Das funk­tio­niert natür­lich über­haupt nicht. Die Ein­woh­ner besit­zen also alle zwei Autos. Als ich mei­ne Freun­de ungläu­big frag­te, ob tat­säch­lich jeder zwei Autos besä­ße, konn­ten sie mei­ne Belus­ti­gung nicht nach­voll­zie­hen. Für sie ist es natür­lich ganz selbst­ver­ständ­lich. Dafür wer­den übri­gens dop­pelt so vie­le Park­plät­ze benö­tigt. Super Regel also!

Die Wan­de­rung auf den Cer­ro de Monser­ra­te (Ein 3152 m hoher Berg der Gebirgs­ket­te die Bogo­tá umzin­gelt) zu der gleich­na­mi­gen Kir­che ist ein Muss für jeden Besu­cher der Stadt. Man sieht im Hin­ter­grund stets die Ber­ge, egal wo man sich in Bogo­tá gera­de befin­det und die­ser Punkt ist einer der höchs­ten. Hier bekam ich eine klei­ne Idee des Aus­ma­ßes der Stadt. Häu­ser wie klei­ne Pünkt­chen, die sich bis zum Hori­zont in alle Rich­tun­gen erstre­cken – und das ist noch lan­ge nicht die gan­ze Stadt.

An eini­gen Stel­len der Berg­ket­te zie­hen sich Wohn­ge­bie­te an den Hän­gen ent­lang. Dies sieht man vor allem nachts, wenn dort die Lich­ter auf­leuch­ten. Ich frag­te mei­ne Freun­din, wer denn dort woh­ne. “Das sind Slums. Seit letz­tem Jahr sind sie nicht mehr ille­gal und haben jetzt Beleuch­tung und Was­ser­an­schluss bekom­men.” Vor mei­nen Augen erschei­nen Sze­nen aus Enri­que Igle­si­as Musik­vi­de­os in Ghet­to-Roman­tik und ich fra­ge ganz auf­ge­regt, ob wir dort mal hin­fah­ren könn­ten. “NEIN?! Es ist gefähr­lich dort auch nur mit dem Auto lang­zu­fah­ren!” Ok ver­stan­den. Das ent­zieht sich mei­nem euro­päi­schen Urteils­ver­mö­gen. Für mich bedeu­tet “gefähr­li­ches Vier­tel”, dass kein zwei­tes Han­dy dazu­ge­legt wird, wenn ich mei­nes lie­gen las­se. Aber in Gebie­ten mit gro­ßer Armut gibt es eben auch ande­re Regeln, an die man sich hal­ten soll­te. Bogo­tá selbst ist sehr sicher. Man muss sich nicht fürch­ten her­um­zu­lau­fen, den Geld­beu­tel aus der Tasche zu zie­hen, man wird auch nicht ein­fach über­fal­len. Sol­da­ten und Poli­zis­ten sind all­ge­gen­wär­tig. Die Poli­zis­ten sind jedoch nicht sehr gebil­det, ver­mut­lich, da so vie­le benö­tigt wer­den. Wer einen Poli­zis­ten nach dem Weg oder einer Aus­kunft fragt, erhält mit hoher Wahr­schein­lich­keit fal­sche Informationen.

Über den Dächern Calis

In Cali, der Haupt­stadt der Sal­sa und des Koka­ins, wo zu Tag- und Nacht­zeit 30 Grad herr­schen, sieht das schon anders aus. “Gefähr­lichs­te Stadt Kolum­bi­ens” – da muss­ten wir natür­lich mal hin. Hier wur­den wir selbst von Pas­san­ten auf der Stra­ße stän­dig im Vor­bei­ge­hen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es hier Taschen­die­be gäbe, dass es gefähr­lich sei und dass wir auf­pas­sen soll­ten. Das gibt einem schon ein komi­sches Gefühl. Die zwei Eng­län­der und ich fie­len auf wie bun­te Hun­de. Alle einen Kopf grö­ßer als die Kolum­bia­ner, abge­se­hen von mir auch völ­lig weiß­häu­tig und einer sogar blond. Also die Ruck­sä­cke auf den Bauch geschnallt und wei­ter. In Calis Innen­stadt war es ein­fach nur ohren­be­täu­bend laut. Die Stra­ßen bestehen nur aus Läden, die sich gegen­sei­tig mit Mega­pho­nen, Musik und Markt­schrei­ern ver­su­chen zu über­tö­nen. Ver­kauft wird schein­bar abso­lu­ter Unsinn. Bade­tie­re, Schmuck, gefälsch­te adi­das-Klei­dung und Fuß­ball­tri­kots. Dazwi­schen die klas­si­schen Stän­de für Man­gos, Avo­ca­dos, Zucker­rohr­li­mo­na­de und Co. Ein Ver­käu­fer von Tri­kots schenk­te mir eine kolum­bia­ni­sche Flag­ge – so unge­wöhn­lich und beson­ders ist dort ein Euro­pä­er. Es wirk­te wie eine ein­zi­ge Tou­ris­ten­ge­gend, nur dass es eben gar kei­ne Tou­ris­ten gibt. Schein­bar kau­fen die Ein­hei­mi­schen die­sen Kram tat­säch­lich selbst.

Auch Cali ist umge­ben von Ber­gen. Einen Tag plan­ten wir auf den Cer­ro de las Tres Cruces – also den Berg mit den drei Kreu­zen – zu wan­dern. Eine atem­be­rau­ben­de Aus­sicht wur­de ver­spro­chen. Statt­des­sen wur­den wir schon am Fuße des Ber­ges aus Restau­rants und Gär­ten her­aus ange­spro­chen, dass wir umdre­hen soll­ten da es gefähr­lich sei. Die Berg­be­woh­ner wür­den ja nur auf Tou­ris­ten war­ten um sie zu überfallen.

Wenn ihr aus­ge­raubt wer­det, habt ihr noch Glück.”

Nach­dem wir in 4 auf­ei­nen­der­fol­gen­den Stra­ßen die­sen Hin­weis beka­men, gaben wir auf und lie­ßen die Ver­nunft sie­gen. Als ich im Nach­hin­ein Juli berich­te­te, dass wir in Erwä­gung gefasst hat­ten, die­sen Berg zu bestei­gen, muss­te ich mir eini­ges anhö­ren. Es fie­len die Wor­te leicht­sin­nig, idio­tisch und eini­ge Flü­che. Lei­der lag sie zu die­ser Zeit mit Fie­ber in Bogo­tá und wir muss­ten uns auf Tipps und Aus­sa­gen von Frem­den (Kolum­bia­nern) ver­las­sen. Im End­ef­fekt kamen wir aber in kei­ne brenz­li­gen Situa­tio­nen und flo­gen schließ­lich mit der Dro­ne des einen Eng­län­ders (was für ein genia­les Ding!) auf den Berg um ihn uns doch noch anzu­se­hen. Immer­hin gab es wirk­lich sehr feu­ri­ge Sal­sa-Par­tys und ich habe mein ers­tes Koka­in gese­hen. 2,30 Euro für ein klei­nes Päck­chen. Da kann man schon Pablo Esco­bar-Gefüh­le bekom­men, wenn man an die 40-fache Preis­stei­ge­rung bis Euro­pa denkt. Aber ich zie­he doch vor, nicht damit im Gepäck erwischt zu wer­den. Im Knast in Kolum­bi­en – dan­ke dies­mal nicht.

Mei­ne bes­ten Freun­de die Seeigel

Ein völ­li­ges Gegen­teil hier­zu war die Insel San Andrés. Der harm­lo­ses­te Fleck, den ich mir vor­stel­len kann. Ein kari­bi­sches Para­dies, wie man es von Post­kar­ten und Win­dows Screen­savern kennt. Die Ein­woh­ner der Insel bekom­men ein Min­dest­ein­kom­men von Kolum­bi­en, denn wirk­lich arbei­ten kann man nicht. Man ist von mor­gens bis abends klitsch­nass. 37 Grad rund um die Uhr. Das Auf­hän­gen der Biki­nis kann man sich spa­ren, die trock­nen ohne­hin nicht. Pal­men, tür­ki­ses Meer so flach dass ich mir bei dem Ver­such zu schwim­men das Knie auf­schlug und die ein­zi­gen Leu­te die arbei­ten, ver­kau­fen Kokos­nüs­se gefüllt mit Piña Cola­da. Ich (Held) habe es natür­lich nur durch einen Schutz­en­gel behü­tet geschafft, nicht in einen See­igel zu tre­ten. Da wäre der Auf­ent­halt direkt rui­niert gewe­sen. Also mer­ken: nicht ein­fach blind­lings über die Klip­pen lau­fen – so wie zum Bei­spiel ich. Juli pfiff mich zurück, da sie die Lage sofort gepeilt hat­te. Mei­ner Mei­nung nach, hat­ten die Klip­pen eben schwar­ze Punk­te. Da stand ich dann also wie ein trau­ri­ger Fla­min­go auf einem Fuß inmit­ten schwar­zer Punk­te. Wie durch ein Wun­der bis­her unver­letzt. Wie immer mehr Glück als Ver­stand. Ich konn­te mich schließ­lich zurück an den Strand ret­ten. So ein 30 cm lan­ger Sta­chel im Fuß war nicht die Art von Sou­ve­nir an das ich gedacht hatte.

John­ny Cay – eine Mini-insel neben San Andrés

Das Was­ser ist warm wie eine Bade­wan­ne und so klar, dass Schnor­cheln über­flüs­sig ist. Es ist ein Ort an dem man wirk­lich dem Leben ent­flie­hen kann. San Andrés scheint ein biss­chen das Mal­lor­ca Süd­ame­ri­kas zu sein. Jeden­falls stach ich schein­bar ziem­lich aus dem Bild. Nicht ein­mal an der Rezep­ti­on unse­res sehr kom­for­ta­blen Hotels konn­te ich mit Eng­lisch etwas errei­chen. Dafür waren wir inner­halb von weni­gen Stun­den nach unse­rer Ankunft Pop­stars. Frem­de kamen und frag­ten mei­ne Freun­din – heim­lich oder öffent­lich – woher ich denn käme. Beim Buf­fet stell­ten sich immer wie­der ande­re Gäs­te oder sogar Ange­stell­te neben mich und gaben mir unge­fragt Rat­schlä­ge, was ich pro­bie­ren soll­te. Die Dame, die die Namen der Gäs­te auf­schrieb, die gern neue Hand­tü­cher woll­ten, schaff­te es außer­dem mei­nen Namen so der­ma­ßen zu ver­ken­nen, dass ich es gar nicht erst mit Kor­rek­tu­ren ver­such­te. M – C – O – C – K – L – I – C – H. Nach­dem sie es geschrie­ben hat­te, dreh­te sie ihr Buch zu mir um. Ich unter­drück­te das Lachen. Immer­hin ein paar rich­ti­ge Buch­sta­ben. “Ja, genau so wer­de ich geschrie­ben. Dan­ke.” Fort­an kopier­te sie den Namen ein­fach immer ab und kei­ner von uns bei­den ver­such­te sich dar­an ihn auszusprechen.

Auf Julis Unidach

Für jeden, der ein biss­chen Rei­se­fie­ber hat, ist Kolum­bi­en defi­ni­tiv ein extrem inter­es­san­tes Ziel! Spa­nisch soll­te man ein wenig ver­ste­hen oder jeman­den bei sich haben, der es beherrscht, aber kul­tu­rell, an Vege­ta­ti­on (ich bin übri­gens zum ers­ten Mal an einer Lia­ne geschwun­gen), kuli­na­risch und wer Sal­sa- und Reg­gae­ton liebt auch musi­ka­lisch hat die­ses Land so viel zu bieten!

Nun ist mein Eras­mus wirk­lich vor­bei und ich kann euch nur sagen: Nehmt die Mög­lich­keit wahr einen Aus­lands­auf­ent­halt zu machen! Egal wohin ihr geht, ihr trefft Leu­te aus der gan­zen Welt! Seid offen und neu­gie­rig, enga­giert euch und wer­det aktiv! Es ist beque­mer zu Hau­se zu blei­ben aber es ist so extrem auf­re­gend und lehr­reich die Welt zu ent­de­cken. So leicht wie mit Eras­mus wird es nie wie­der ein­fach mal ein hal­bes Jahr woan­ders zu woh­nen und so vie­le Freun­de zu fin­den! Nach ins­ge­samt zwei Aus­lands­jah­ren in mei­nem Stu­di­um habe ich in so vie­len Län­dern Freun­de, die sich über Besu­che freu­en, von denen ich viel ler­nen kann und sie von mir. Lasst die­se Chan­ce nicht aus Faul­heit ver­strei­chen, denn sie kommt nie mehr zurück! Ich wün­sche euch viel viel Spaß bei euren eige­nen Eras­mus-Erfah­run­gen und freue mich über eure Nach­rich­ten, Kom­men­ta­re und Fragen.

Schall­plat­ten- und Bücher­shop in Cali

Die “Müll­ab­fuhr” – hier noch ganz leer

2 Kommentare

  1. Wie­der mal ein wun­der­schö­ner Bericht und tol­le Fotos, Frau Mück­lich! In Bogo­tá kann man als Student/in der Uni Trier übri­gens auch ein Aus­tausch-Semes­ter oder -jahr ver­brin­gen – an der Uni­ver­si­dad Nacio­nal de Colombia.

  2. Vie­len Dank, Frau Mück­lich, für die vie­len, regel­mä­ßi­gen und viel­sei­ti­gen Blog-Ein­trä­ge und die­sen schö­nen Abschluss­text. Toll, dass der ERAS­MUS-Auf­ent­halt Ihnen neben den vie­len Erfah­run­gen auch die­se Freund­schaft nach Kolum­bi­en beschert hat. Ihnen alles Gute für den Start zurück an der Uni Trier!!

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