Ande­re Län­der, ande­re Ver­an­stal­tun­gen (mein Stu­di­um in Deutsch­land zwi­schen Vor­le­sun­gen und Seminare)

Vor fast drei Mona­ten habe ich  ange­fan­gen in einer deut­schen Uni­ver­si­tät zu stu­die­ren, nach­dem ich an dem Ori­en­tie­rungs­pro­gramm für aus­län­di­schen Stu­die­ren­den teil­ge­nom­men habe. Von Anfang an habe ich gemerkt, dass das deut­sche Hoch­schul­sys­tem ganz anders ist als das Ita­lie­ni­sche. Wor­in bestehen eigent­lich die Unter­schie­de? Und was sind mei­ne ers­ten Ein­drü­cken davon?

Deutsch ist kei­ne ein­fa­che Spra­che. Das wuss­te ich schon als ich mich für Deutsch­land enschie­den habe. Bevor ich nach Deutsch­land kam, um zu stu­die­ren, hat­te ich auch irgend­wo gele­sen, dass es in dem deut­schen Hoch­schul­sys­tem haupt­säch­lich zwei ver­schie­de­ne Ver­an­stal­tun­gen gibt: Vor­le­sun­gen und geheim­nis­vol­le Semi­na­re. Die ers­te Art kann­te ich schon lan­ge, denn das gan­ze Hoch­schul­sys­tem in Ita­li­en basiert aus­schließ­lich auf Vor­le­sun­gen und zwar Unter­richt­stun­den, in denen der/die Professor/in eine Haupt­rol­le spielt und die Stu­den­ten sich auf Zuhö­ren und Mit­schrei­ben beschrän­ken sol­len. Aber mit dem Typ Semi­nar hat­te ich kaum Erfah­run­gen gemacht. Einer mei­ner Leh­rer in Tri­est, er unter­rich­tet deut­schen Lite­ra­tur, hat sich im Hin­blick auf sei­nen Unter­richt­struk­tur von dem deut­schen Modell inspie­rie­ren lassen.

In Trier habe ich die Mög­lich­keit, nicht nur mit sprach- und kul­tur­be­ding­ten Unter­schie­den in Berüh­rung zu kom­men, son­dern auch neue Unter­richts­for­men ken­nen­zu­ler­nen. Die­ses Semes­ter besteht mein Stun­den­plan sowohl aus Vor­le­sun­gen als auch Semi­na­ren und Sprach­übun­gen. Und ich muss zuge­ben, ich mag  sie lie­ber als Vor­le­sun­gen, auch wenn die Sprach­schwie­rig­kei­ten mir noch nicht erlau­ben, kom­plett an den Dis­kus­sio­nen teil­zu­neh­men. Ich fin­de die­ser Art von Unter­richt inter­es­san­ter, weil die Stu­den­ten hier die Haupt­dar­stel­ler sein kön­nen. Gewöhn­lich beginnt jede Unter­richts­stun­de mit einer Prä­sen­ta­ti­on über ein The­ma, das dann wei­ter von den Stu­den­ten und dem Pro­fes­sor dis­ku­tiert wird. Das heißt die Vor­be­rei­tung muss (wie das, was das Wort ent­spricht!) vor dem Unter­richt gesche­hen, und nicht fast aus­schließ­lich nach dem Unter­richt, für die Prü­fung, wie es in Ita­li­en ganz nor­mal ist. In Semi­na­ren haben die Stu­den­ten die Mög­lich­keit, ihren Bei­trag dazu zu leis­ten, ihren Stand­punkt zu äußern und sie mit den ande­ren zu besprechen.

Nach mei­nen drei­mo­na­ti­gen Erfah­run­gen kann ich schließ­lich bestä­ti­gen, dass mei­ner Mei­nung nach die­ses Sys­tem wir­kungs­voll ist. Dadurch lernt man Stand­haf­tig­keit im Stu­di­um, öffent­lich zu reden und selbst­be­wuss­ter aufzutreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

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