Nahost-Gastprofessur Online

Auf Einladung des Freundeskreises Trierer Universität e.V. sprach in diesem Sommersemester der Journalist, Autor und Wissenschaftler Dr. Michael Lüders über die Beziehungen zwischen dem Nahen Osten und dem Westen. Seine Vorträge sind jetzt auch als Mitschnitte beim Offenen Kanal zu sehen.

Der Nahost-Experte ist der fünfte Gastprofessor, den der Freundeskreis der Universität Trier eingeladen hat. Mit der Gastprofessur möchte der Freundeskreis eine Brücke zwischen der Universität Trier und der Stadt Trier bauen. Helmut Schröer, Vorsitzender des Freundeskreises und ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Trier, zeigte sich erfreut an den hohen Besucherzahlen von Lüders Vorträgen: „Die Stadt Trier soll keine Stadt mit Universität sein, sondern eine Universitätsstadt werden. Die eifrigen Studenten waren in den Vorlesungen Lüders` die Gäste aus der Stadt.“

Mit seinen Positionen und Anschauungen zur Krisenregion Naher Osten rief Lüders auch Kritiker auf den Plan, sowohl während der Vorträge als auch im Vorfeld. So bezeichnete der AStA der Universität gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Trier und dem Rosa Salon Trier in einem offenen Brief an den Freundeskreis die Berufung „aus wissenschaftlicher und politischer Sicht“ als einen Skandal. In einer gemeinsamen Antwort betonten Universitätsleitung und Freundeskreis ihr Verständnis der Universität „als einen Ort des offenen und kritischen Diskurses, der einen Austausch unterschiedlicher Positionen gewährleistet und an dem Kontroversen ausgetragen werden können und müssen“. In einem weiteren offenen Brief äußerten sich die Politikwissenschaftler Prof. Dr. Winfried Thaa und Prof. Dr. Hanns W. Maul zu Lüders´ Berufung und zum Schreiben des AStA.

In seinen ersten beiden Vorträgen war der Nahost-Experte auf die Interventionspolitik im Iran und auf den Regimewechsel in Syrien eingegangen. Lüders Grundthese basiert darauf, dass seiner Überzeugung nach Staaten nicht werteorientiert handeln, sondern macht- und interessengetriebene Politik betreiben. Immer wieder betonte er, dass weder Amerika, noch Russland und China, in das Schema Gut und Böse passen: „Alle Akteure handeln mit der gleichen Skrupellosigkeit.“ Auch der Westen würde nicht nach der Maxime von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten handeln.

In seinem letzten Vortrag im Juli nahm sich der promovierte Journalist, Autor und Wissenschaftler Michael Lüders das Thema Flüchtlinge und Terror vor. Der Flüchtlingsstrom nach Europa ist für den Gastprofessor das Ergebnis einer verfehlten westlichen Interventionspolitik. Die Flüchtlingsbewegung habe bereits vor zehn Jahren eingesetzt, so Lüders: „Das Problem der Politik ist, dass sie nicht proaktiv handelt, sondern erst reagiert, wenn das Problem da ist.“

Lüders mahnte an, dass die Demokratie ein Privileg sei, das es zu verteidigen gilt. Der Westen werde nicht das alleinige Machtzentrum bleiben: „Der Westen muss in dieser Phase des Umbruchs lernen neu zu denken und sich neu finden.“ Ein Teil der Bevölkerung fühle sich überfordert und fremdele mit dem Islam. Doch von den Entwicklungen in der Region könne man sich in Europa nicht abschotten. Bislang trete Europa zwar als Krisenmanager auf, aber löse die Probleme nicht: „Europa ist den Terror nicht gewohnt“.

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