Fertighäuser in der Antike?


Wie konnten die alten Römer mit den damaligen Techniken so viele imposante Bauten hinterlassen? Sie produzierten in Serie! Nicht ganze Tempel, wohl aber Teile davon. Das belegt Natalia Toma-Kansteiner in ihrer Doktorarbeit. Dafür hat sie jetzt einen besonderen Nachwuchs-Preis bekommen.

Exakt eine Woche nach der Verleihung des Philippika-Preises an die Nachwuchswissenschaftlerin wurde an der Universität Trier die höchste Auszeichnung der Altertumswissenschaften verliehen: der Ausonius-Preis. Er ging an den Hellenismusforscher Hans-Joachim Gehrke, der damit für sein Lebenswerk gewürdigt wurde. „Es wäre doch schön, wenn die Gewinnerin des diesjährigen Philippika-Preises ihre Karriere irgendwann einmal mit dem Ausonius-Preis krönen könnte“, meinte Prof. Dr. Torsten Mattern, Dekan des Fachbereichs III, dem die Altertumswissenschaften angehören, bei der Verleihung des Ausonius-Preises.

„Antike Halbfabrikate von Säulen in einem Steinbruch in der Türkei“
Quelle: G. Ponti, Studia Troica 5, 1995, 156 Abb.1

Den Grundstein hat Natalia Toma-Kansteiner mit ihrer Doktorarbeit jedenfalls gelegt. Unter dem Titel „Marmor und die Monumentalisierung der urbanen Landschaft römischer Städte“ bewies die Archäologin und Historikerin, dass schon die Römer ihre Bauindustrie standardisiert hatten. Der Entwurf und die Ausfertigung von römischen Architekturen, wie Hallen oder Tempel, wurden in Marmorsteinbrüchen als Halbfabrikate angefertigt und mit ihnen gehandelt.

Erst diese Form von Serienproduktion machte die große Anzahl von Säulen-Architektur logistisch und finanziell umsetzbar. Die Gutachter und Laudatoren des Philippika-Preises hoben hervor, wie wichtig die Erkenntnis über diesen Aspekt des römischen Bauwesens ist und lobten den interdisziplinären Ansatz von Natalia Toma-Kansteiner, die mit ihrer Dissertation gleichermaßen neue Erkenntnisse im Bereich der Bauforschung, der Klassischen Archäologie sowie der antiken Handels- und Wirtschaftsgeschichte erzielte.

Die Leiterin des Harrassowitz-Verlages, welcher den Preis stiftet, Dr. Barbara Kraus überreichte Natalia Toma-Kannsteiner den Preis. Der Archäologe Prof. Dr. Torsten Mattern der Universität Trier hielt die Laudatio auf die Preisträgerin.

Philippika-Preis

Der Philippika-Preis wird vom Harrassowitz-Verlag gestiftet und an herausragende, interdisziplinäre Dissertationen verliehen. Der Preis besteht in der Aufnahme der Arbeit in die Reihe „Philippika. Altertumswissenschaftliche Abhandlungen“ und die Übernahme der Druckkosten durch den Verlag. Die Reihe publiziert Veröffentlichungen aus allen Bereichen der Altertumswissenschaften und versteht sich als Plattform für eine interdisziplinäre Perspektive.

Weitere Informationen

Klassische Archäologie an der Universität Trier

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