Tan­a­ba­ta – Das Som­mer­fest der Japanologie

Weih­nach­ten im Hoch­som­mer – Japa­ni­sche Stu­die­ren­de sin­gen ein Weih­nachts­lied von Andy Borg

Die alte Geschich­te zwei­er Lie­ben­der, denen nur ein Tref­fen im Jahr vor­be­hal­ten ist, ist der Anlass für das japa­ni­sche Ster­nen­fest Tan­a­ba­ta (dt. sieb­te Nacht), das immer am 7. Juli statt­fin­det. Zeit­nah fei­ert auch die Japa­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Trier im Stu­di­haus ihr gro­ßes Som­mer­fest im Sin­ne der japa­ni­schen Tradition.

Nach einer Legen­de wur­den einst die flei­ßi­ge Weber­prin­zes­sin Ori­hi­me und der Rin­der­hir­te Hiko­bo­shi mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet. Die bei­den lieb­ten sich so sehr, dass sie dar­über ihre Arbeit ver­ga­ßen, wor­auf­hin sie wie­der getrennt und auf die jeweils ent­ge­gen­ge­setz­te Sei­te der Milch­stra­ße ver­bannt wur­den. Ori­hi­me und Hiko­bo­shi reprä­sen­tie­ren näm­lich die Ster­ne Wega und Alta­ir. Nur ein­mal im Jahr, am 7. Juli, ist es bei­den erlaubt, sich zu tref­fen. Damit sie ohne Hin­der­nis­se zuein­an­der­fin­den, hofft man in Japan jedes Jahr auf kla­res Wet­ter für die­sen Tag.

Neben dem Neu­jahrs­fest (Shin­nen­kai) im Janu­ar ist das Tan­a­ba­ta das größ­te Fest der Trie­rer Japa­no­lo­gie. Zu den Gäs­ten zäh­len Japa­no­lo­gie-Stu­die­ren­de, Dozen­ten, japa­ni­sche Aus­tausch­stu­die­ren­de und Freun­de des Fachs. Das Buf­fet wird kom­plett von den Gäs­ten gestellt und reich­te die­ses Mal in sei­ner Viel­falt von Sand­wi­ches bis Chi­ra­shi-Sushi. Auch der Man­gaclub der Uni­ver­si­tät war mit einer Tom­bo­la vertreten.

Tan­a­ba­ta ist das wich­tigs­te Pro­jekt des Fach­schafts­ra­tes der Japa­no­lo­gie. Wer­be­pla­kat, Büh­nen­pro­gramm und die Orga­ni­sa­ti­on wer­den Mona­te im Vor­aus geplant. Beim Auf­bau wird dann das Stu­di­haus mit Bam­bus geschmückt, an den Tanz­aku, Wunsch­zet­tel, gehan­gen wer­den kön­nen. Die­se Tra­di­ti­on wird in Japan jähr­lich am Tan­a­ba­ta prak­ti­ziert. Zu den häu­fi­ge­ren Wün­schen zäh­len Glück bei der Arbeits­su­che und Gesund­heit. Wem nichts ein­fällt, der greift auf das obli­ga­to­ri­sche 世界が平和になりますように (dt. Frie­de auf Erden) zurück. Was das Befes­ti­gen von Wunsch­zet­teln am Bam­bus mit der ursprüng­li­chen Legen­de zu tun hat, ist auf den ers­ten Blick nicht ersicht­lich, eine schö­ne Tra­di­ti­on ist es aber allemal.

Japa­ni­scher Sketch: “Min­na no nippongo”

Höhe­punkt des Trie­rer Tan­a­ba­ta in die­sem Jahr war das Pro­gramm, das sowohl vom Fach­schafts­rat als auch von Stu­die­ren­den des Fachs und japa­ni­schen Aus­tausch­stu­die­ren­den vor­be­rei­tet wor­den ist. Begin­nend mit dem Sketch „Min­na no nip­pon­go“, einer Per­si­fla­ge auf Japa­nisch-Lehr­bü­cher, ergab sich mit diver­sen Tanz- und Musik­auf­füh­run­gen eine bun­te Mischung.

Trotz der erdrü­cken­den Hit­ze im Stu­di­haus ver­folg­te das Publi­kum das über ein­stün­di­ge Pro­gramm gespannt mit. Was aller­dings nicht schwer­fal­len soll­te, wenn auf ein­mal ein japa­ni­scher Dok­to­rand mit Andy-Borg-Perü­cke und Glüh­wein­glas im Anschlag hin­ter dem Büh­nen­vor­hang her­vor­kommt und „Weih­nach­ten steht vor der Tür“ zum Bes­ten gibt, gefolgt von zwei Aus­tausch­stu­die­ren­den im Vogel- und Giraf­fen­kos­tüm. Hier ver­ei­nen sich deut­sche Schla­ger­kul­tur und die ein­zig­ar­ti­ge Sen­si­bi­li­tät der Japa­ner für Jah­res­zei­ten (wenn auch die falsche).

Eine wei­te­re Attrak­ti­on war das Karao­ke. Und obwohl man in Japan abge­schlos­se­ne Kabi­nen bevor­zugt und sich eher geniert vor einer gro­ßen Grup­pe zu sin­gen, ist der Andrang an den Kara­oke­lis­ten jedes Mal beim Trie­rer Tan­a­ba­ta groß. Den Start mach­te die­se Mal der Fach­schafts­rat mit dem japa­ni­schen Trink­lied „Sake ga nomer­u­zo“. Pflau­men­wein und Rad­ler hal­fen gegen Schüchternheit.

Nach dem Ende des Pro­gramms zie­he auch ich mei­nen Yuka­ta an, die som­mer­taug­li­che Ver­si­on des Kimo­nos, und gesel­le mich zu den ande­ren Gäs­ten, von denen eben­falls zahl­rei­che in bun­ten Yuka­tas gekom­men sind. Wäh­rend es drau­ßen etwas abge­kühlt ist, bleibt der Hit­ze­stau inner­halb des Stu­di­hau­ses unver­än­dert. Auch wenn in der brü­ten­den Som­mer­hit­ze ein klei­ner Regen­schau­er will­kom­men gewe­sen wäre, kön­nen wir zumin­dest die­ses Jahr hof­fen, dass das Ren­dez­vous von Ori­hi­me und Hiko­bo­shi rei­bungs­los ver­lau­fen ist.

von Jan Lukas Kuhn

Fotos von Sabi­ne Grz­an­na und Jen­ny Medow

Ein Kommentar

  1. Sehr schön geschrie­ben 😊 Man/Frau hat beim Lesen das Gefühl, die­ses Fest mit­er­lebt zu haben.

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