Geld abhe­ben in Seo­ul und das Leben im Wohnheim

Wer sich län­ger in Süd­ko­rea auf­hal­ten möch­te, soll­te sich mög­lichst früh­zei­tig um eine Visakar­te küm­mern und recher­chie­ren, bei wel­chen Ban­ken man Geld abhe­ben kann. Von den zehn Ban­ken, die wir aus­por­biert haben, funk­tio­nier­te dies nur bei einer Bank bestän­dig und bei einer ande­ren spo­ra­disch. Wer im Wohn­heim leben möch­te, soll­te sich dar­über im kla­ren sein, dass es außer in Aus­nah­me­fäl­len kei­ne Ein­zel­zim­mer gibt und dass die Wohn­heims­re­geln in etwa denen eines katho­li­schen Mäd­chen­in­ter­nats entsprechen.

Nach­dem die Aus­lands­blog­ge­rin Ann-Cath­rin Gau­wei­ler schon über die Vor­be­rei­tun­gen für ein Stu­den­ten­vi­sum berich­tet hat, wid­me ich mich nun zwei ande­ren wich­ti­gen Punkten:

1) Geld abhe­ben in Süd­ko­rea und das Bezah­len der Wohnheimsmiete
2) Die Unter­brin­gung im Studentenwohnheim

Zum ers­ten Punkt lässt sich nur fol­gen­des sagen:
Es ist sehr, sehr schwie­rig einen Geld­au­to­ma­ten oder eine Bank zu fin­den, bei der es mög­lich ist Geld abzu­he­ben oder eine Über­wei­sung zu tätigen.
Wir haben ins­ge­samt bestimmt zehn Stun­den damit zu gebracht, durch Seo­ul zu wan­dern und zu fah­ren, um genug Geld für die Wohn­heims­mie­te zusam­men­zu­krie­gen. Es gibt einen Auto­ma­ten der NH Bank (Nong­hyup Bank 농협은행) in der Nähe der U-Bahn Sta­ti­on Sungs­hin Women’s Uni­ver­si­ty (성신여대입구), an dem man mit der Visakar­te Geld in 300.000 Won (cir­ca 225 Euro) Schrit­ten abhe­ben kann.

Bank­au­to­mat der NH Bank

Die ein­zi­ge ande­re Bank, bei der man pro­blem­los mit sowohl Maes­tro als auch Visakar­te Geld abhe­ben konn­te, ist die CITI Bank.

Glück­li­cher­wei­se befin­det sich eine CITI Bank­fi­lia­le nur zwei Metro­sta­tio­nen von der Uni­ver­si­tät ent­fernt (Mia­sa­ge­ori Sta­ti­on 미아사거리역).

 

Weg­be­schrei­bung zur Citi­bank von der U-Bahn­sta­ti­on aus

Man erspart sich viel Ärger und Mühen, wenn man das Geld schon aus Deutsch­land mit­bringt oder ein­fach sofort zur CITI Bank fährt.

So viel zum Geld, kom­men wir zum Wohnheim:

Die meis­ten Aus­tausch­stu­den­ten wur­den im Home N unter­ge­bracht, was drei Minu­ten Fuß­weg von der Uni­ver­si­tät ent­fernt ist. Bis­her habe ich daher außer der Wohn­heims­haus­meis­te­rin noch kei­nen ein­zi­gen Korea­ner in unse­rem Wohn­heim gesehen.

 

Wir wur­den alle in Dop­pel­zim­mern unter­ge­bracht und ich tei­le mir mein Zim­mer mit der ein­zi­gen ande­ren euro­päi­schen Aus­tausch­stu­den­tin die­ses Semes­ters: Ann-Cath­rin Gau­wei­ler. Da wir uns schon aus Trier kann­ten, ist dies sehr ange­nehm für uns. Die Zim­mer sind eher klein, dafür aber leicht ordent­lich und sau­ber zu hal­ten. Es gibt eine Kli­ma­an­la­ge, Wasch­ma­schi­ne, zwei Koch­plat­ten, zwei Schreib­ti­sche, einen aus­zieh­ba­ren Küchen­tisch und ein klei­nes Bad mit Dusche,  und Toi­let­te. Man lebt schon auf sehr engem Raum zusam­men, aber durch das Hoch­bett und Kopf­hö­rer oder Oro­pax kann man leicht die Illu­si­on von fried­li­cher Ein­sam­keit schaffen 😉

Aller­dings soll­te man sich dar­über im kla­ren sein, dass es weder Decken und Kis­sen, noch Bett­be­zü­ge oder Hand­tü­cher gibt. Außer­dem gibt es kei­ner­lei Geschirr oder sons­ti­ge Küchen­uten­si­li­en. All die­se Din­ge haben wir uns mit­hil­fe unse­res korea­ni­schen Bud­dies (eine sehr hilfs­be­rei­te und fröh­li­che Ger­ma­nis­tik­stu­den­tin) in den ers­ten paar Tagen besorgt oder von korea­ni­schen Freun­den gelie­hen. Wir sind nun seit etwas mehr als einer Woche in Korea und unser Zim­mer ist mitt­ler­wei­le sehr gut ausgestattet :-).

Die Haus­meis­te­rin nimmt es mit der Müll­tren­nung sehr genau, wes­halb man sich auf jeden Fall an die an jeder Zim­mer­tür ange­brach­ten Regeln hal­ten sollte.
Apro­pos Regeln, es gibt hier eini­ge eher stren­ge Regeln, die man als Bewoh­ner des Wohn­heims auf jeden Fall beach­ten sollte.
Hier ist die Liste:

Ach­tung: Ab 30 Minus­punk­ten darf man im nächs­ten Semes­ter nicht mehr im Wohn­heim woh­nen und bei 50 Minus­punk­ten wird man raus­ge­wor­fen! Man kann aller­dings durch Bonus­punk­te auch eini­ge Minus­punk­te wie­der rück­gän­gig machen.

Wer sich jetzt fragt: aber wie soll das alles über­prüft werden?
Die Ant­wort lau­tet: Über­wa­chungs­ka­me­ras! Die­se sind im gan­zen Wohn­heim ver­teilt und sehen laut unse­rer leb­haf­ten und freund­li­chen Haus­meis­te­rin ein­fach alles! Außer­dem kommt die Haus­meis­te­rin auch zwei­mal die Woche vor­bei und über­prüft die Sau­ber­keit der Zim­mer. Die Zei­ten hän­gen im Ein­gang auf Korea­nisch, Eng­lisch und Chi­ne­sisch aus. Man muss zu der ange­ge­ben Zeit nicht unbe­dingt anwe­send sein, aber man soll­te vor­her auf­ge­räumt haben, damit die Haus­meis­te­rin pro­blem­los das Zim­mer begut­ach­ten kann und man hof­fent­lich kei­ne Minus­punk­te sam­melt. Bis­her haben wir weder Minus­punk­te noch Plus­punk­te bekommen ;-).

Ansons­ten lässt sich sagen, dass es sowohl tags­über als auch nachts sehr ruhig im Wohn­heim ist und man weder von sei­nen Nach­barn noch von der Stra­ße viel mit­be­kommt. Wenn man in Ruhe arbei­ten möch­te, gibt es im Erd­ge­schoss einen schö­nen Arbeits­raum, wel­cher aller­dings nur bis acht Uhr abends geöff­net ist. Da es aber im eige­nen Zim­mer außer der Decken­lam­pen kei­ne ande­re klei­ne Lich­quel­le gibt, soll­te man sich ent­wen­der etwas mit­brin­gen oder hier etwas besor­gen. Ansons­ten ist es schlecht mög­lich abends noch etwas sinn­vol­les zu tun, ohne sei­ne Zim­mer­ge­nos­sin am Schla­fen zu hin­dern. Wir haben dank Anni die­se schö­nen klei­nen Ker­zen, die uns in den let­zen Tagen schon gute Diens­te geleis­tet haben 🙂

Das Wohn­heim bie­tet auch eine gute Mög­lich­keit, net­te Leu­te ken­nen zu ler­nen. Wir waren schon ein paar Mal mit der ein­zi­gen ame­ri­ka­ni­schen Aus­tausch­schü­le­rin und ihrer tai­wa­ne­si­schen Mit­be­woh­ne­rin oder auch mit unse­ren zwei chi­ne­si­schen Nach­ba­rin­nen unter­wegs.  Außer­dem tau­schen wir uns häu­fig über vie­le orga­ni­sa­to­ri­sche Ange­le­gen­hei­ten aus, da schein­bar jeder ande­re Infor­ma­ti­ons­fet­zen auf­greift, wel­che nur zusam­men Sinn ergeben.

Ehr­lich gesagt, grau­te es mir etwas vor der Vor­stel­lung, auf so engem Raum mit vie­len ande­ren zusam­men­zu­le­ben. Bis­her bin ich jedoch sehr posi­tiv über­rascht wor­den und füh­le mich mitt­ler­wei­le rich­tig wohl in unse­rem klei­nen aber fei­nen Domizil 😉