Der zwei­te Auslandsaufenthalt

Nach­dem ich in mei­nem Bache­lor­stu­di­um durch ein Aus­tausch­pro­gramm der Uni­ver­si­tät Trier für ein Jahr in Japan stu­die­ren konn­te und mir die­ses sehr gefal­len hat, zog es mich erneut nach Asi­en. Die­ses Mal habe ich mich für Süd­ko­rea ent­schie­den und möch­te mei­ne Erfah­run­gen mit euch teilen.

War­um eigent­lich Süd­ko­rea? Das ist eine Fra­ge, die mir in letz­ter Zeit vie­le Leu­te gestellt haben und zu der ich kei­ne rich­ti­ge Ant­wort geben kann. Natür­lich habe ich eini­ge Grün­de, die mich gene­rell nach Asi­en zie­hen, wie mein Inter­es­se an deren alten Bau­wer­ken, kul­tu­rel­le Unter­schie­de und einem Wie­der­se­hen mei­ner asia­ti­schen Freun­de. Die korea­ni­sche Spra­che fand ich lus­ti­ger­wei­se noch vor drei Jah­ren nicht beson­ders anspre­chend. Erst nach mei­nem Japan­auf­ent­halt änder­te sich die­se Mei­nung 😀 und ich begann mich plötz­lich für Süd­ko­rea zu interessieren.

Durch ein Gespräch mit mei­ner Japa­nisch­do­zen­tin bekam ich einen Kon­takt zu einer korea­ni­schen Aus­tausch­stu­den­tin, wel­che Japa­nisch ler­nen woll­te, aber nicht an dem Kurs teil­neh­men konn­te.  Wir began­nen uns regel­mä­ßig zu tref­fen und lern­ten zusam­men. Ich fand her­aus, dass die korea­ni­sche Spra­che der japa­ni­schen ähnelt und war davon begeis­tert. Ein Semes­ter spä­ter lern­te ich ihren hoo­bae* ken­nen und ich ver­bach­te viel Zeit mit Korea­ne­rin­nen. Jede die­ser Aus­tausch­stu­den­tin­nen war sehr freund­lich, zuvor­kom­mend und schließ­lich fass­te ich mei­nen Ent­schluss erneut nach Asi­en zu gehen, um an ihrer Uni­ver­si­tät zu studieren.

Ohne ein­mal zuvor in Süd­ko­rea gewe­sen zu sein, habe ich mich für das Aus­tausch­pro­gramm bewor­ben und wur­de genom­men. Das Bewer­bungs­ver­fah­ren dau­ert unge­fähr ein hal­bes Jahr, wobei man viel Unter­stüt­zung von der Aus­lands­re­fe­ren­tin Dr. Agnes Schind­ler erhal­ten kann. Die Chan­cen genom­men zu wer­den sind gene­rell gut, da vie­le nicht wis­sen, dass die Uni­ver­si­tät Trier Aus­tausch­pro­gram­me nach Süd­ko­rea anbie­tet, obwohl man Korea­nis­tik seit 2012 nicht mehr stu­die­ren kann.

In Seo­ul ange­kom­men war ich erstaunt über die Unter­schie­de zu Japan. Die Stra­ßen in mei­nem Vier­tel sind dre­cki­ger, es riecht in man­chen Sei­ten­stra­ßen nach Fett und Fisch, Men­schen rum­peln einen an, wenn es zu voll wird und Autos fah­ren über­all. Es gibt anschei­nend kei­ne Fuß­gän­ger­zo­nen hier. So schaut man in der Ein­kaufs­pas­sa­ge ein schö­nes T-Shirt beim Vor­bei­lau­fen an und plötz­lich steht ein Auto oder auch Klein­last­wa­gen direkt vor dir!  Zwei­fel kamen in mir auf. Wie konn­te ich in ein Land rei­sen, wel­ches ich so viel weni­ger ken­ne als Japan? Wird es mir hier gefal­len? Auf Japan war ich vor­be­rei­tet. Aber die­ses Mal ist es anders. Es ist neu und plötz­lich gefiel mir die­ser Gedan­ke! Über­all sind frem­de Schrift­zei­chen, man wird gezwun­gen Gewohn­hei­ten auf­zu­ge­ben und neue Wege zu gehen.

Süd­ko­rea ist anders und fas­zi­nie­rend, sodass ich euch künf­tig nicht nur von den Gemein­sam­kei­ten, son­dern auch von den Unter­schie­den zwi­schen Japan und Korea berich­ten werde.

*hoo­bae = Bezeich­nung für eine hier­ar­chi­sche Bezie­hung, in der der hoo­bae (Bsp. ein Erst­se­mes­ter) weni­ger Erfah­rung (hier im Stu­di­um) mit­bringt und dem­nach dem sun­bae unter­ge­ord­net ist. Höhe­re Stu­die­ren­de sind  sun­bae und schon erfah­ren in bei­spiels­wei­se Auslandsaufenthalten.