Bar­fuß durch Miyajima

Kurz bevor ich Japan ver­las­se, rei­se ich noch eine Men­ge umher. Letz­te Woche ging es für mich und mei­ne gute Freun­din Anna drei (lei­der viel zu kur­ze) Tage in die jedem Men­schen bekann­te Stadt Hiro­shi­ma und nach Miya­ji­ma, dem Ort, an dem das berühm­te, rote Tor im Was­ser steht.

Nach einer über 6 stün­di­gen Zug­fahrt mit dem Regio­nal­zug über vie­le japa­ni­sche Städ­te an der inlän­di­schen See ent­lang, kamen wir in Hiro­shi­ma an. Kurz nach­dem man aus der Zug­sta­ti­on kommt, merkt man, dass die­se Stadt sehr geschichts­träch­tig ist. Auch ist Hiro­shi­ma einer der weni­gen Orte in Japan, in denen noch die Stra­ßen­bahn fährt, was einem direkt auf­fällt, da man sonst an Züge und Bus­se gewöhnt ist.

Inmit­ten der außer­ge­wöhn­li­chen Hit­ze mach­ten wir uns dar­an, im Her­zen der Stadt den rie­si­gen Frie­dens­park und das dazu­ge­hö­ri­ge Muse­um zu erkun­den. Auf den Inseln zwi­schen den Flüs­sen wur­de die­ser Park nach dem Atom­bom­ben­ab­wurf vom 6. August 1945 ange­legt. Was frü­her ein­mal Wohn­ge­biet war, wur­de in Erin­ne­rung an die vie­len Toten des Luft­an­griffs als Gedenk­stät­te geschaf­fen. Über­all um die­sen Kern­be­reich fin­det man Infor­ma­ti­ons- und Gedenk­ta­feln sowie gro­ße und bedeu­tungs­schwan­ge­re Monumente.

Kra­ni­che der Sada­ko Sasaki

Die Bekann­tes­ten davon sind wohl der Ato­mic Bomb Dome, von dem über­ra­schen­der­wei­se nach dem Abwurf das Gebäu­de­ge­rip­pe ste­hen blieb, und heu­te als leben­di­ges Mahn­mal für die Schre­cken der dama­li­gen Zeit steht und die Gedenk­stät­te für Sada­ko Sasa­ki, die bekannt dadurch wur­de, an der Strah­len­krank­heit gestor­ben zu sein und wäh­rend ihrer Lei­dens­zeit damit begann, Kra­ni­che für den Frie­den zu bas­teln, sowie für alle ande­ren Kin­der, die der Atom­bom­be der USA zum Opfer fie­len. Im zum Park dazu­ge­hö­ri­gen Muse­um kann man die Geschich­te des Abwurfs und deren Fol­gen anhand von Pro­jek­tio­nen, Fil­men, ande­rem Bild­ma­te­ri­al, Inter­views und Gegen­stän­den nach­emp­fin­den. Blu­ti­ge Klei­dung, von der Hit­ze der Explo­si­on ver­form­te Glas­fla­schen und selbst von Sada­ko Sasa­ki gebas­tel­te Kra­ni­che sind dort zu sehen. Vie­le der Besu­cher waren tief scho­ckiert und berührt von dem, was in dem Muse­um gezeigt wur­de und das Ent­set­zen schien bei allen groß zu sein.

Nach­dem der ers­te Tag geprägt von der jün­ge­ren Geschich­te Hiro­shi­mas war, mach­ten wir uns am zwei­ten Tag unse­rer Rei­se auf, um die nahe Insel Its­ukushi­ma, bes­ser bekannt als Miya­ji­ma, zu besu­chen. Mit dem Zug knap­pe 20 Minu­ten und dann noch ein­mal 10 Minu­ten Fäh­re und schon kann man eine der drei berühm­ten Aus­sich­ten Japans sehen. Die Insel war natür­lich über­lau­fen mit Tou­ris­ten aller Län­der, und das gro­ße, rote Tor genos­sen wir aus der Fer­ne. Da gera­de Ebbe war, gin­gen wir bar­fuß auf dem mit klit­ze­klei­nen Muscheln über­sä­ten Strand durchs Was­ser und spä­ter auch durch das Tor. Weil uns das Gewu­sel der Tou­ris­ten aber zu viel war, arbei­te­ten wir den Its­ukushi­ma Schrein (zu dem das Tor gehört und der auch bei Flut betrach­tet wie ein schwim­men­des Gebäu­de aus­sieht) ab und mach­ten uns auf in die Ber­ge, um dort einen Bud­dhis­ti­schen Tem­pel zu besu­chen. Die Anzahl der Tou­ris­ten ging dort fast gegen 0 und wir konn­ten uns rich­tig ent­span­nen und die Atmo­sphä­re die­ser Insel genie­ßen. Noch nie zuvor habe ich auf einem Berg Krebs­tie­re gese­hen, aber da Miya­ji­ma in der japa­ni­schen Mytho­lo­gie als hei­lig und Insel der Göt­ter gilt, wun­der­ten die­se mich auch nicht mehr. Gegen Abend mach­ten wir noch eine letz­te Besor­gungs­tour und deck­ten uns mit dem ört­lich übli­chen Gebäck, den Momi­ji Man­jū ein. Das sind klei­ne, ahorn­blatt­för­mi­ge Back­wa­ren mit einer Fül­lung aus zum Bei­spiel süßen Boh­nen, Scho­ko­la­de, Mar­me­la­de oder vie­lem mehr.

Rotes Torii vor Miyajima

Abschlie­ßend kann ich sagen, dass wir mehr Zeit auf Miya­ji­ma (viel­leicht eine Über­nach­tung) hät­ten ein­pla­nen sol­len, da die­se Insel wirk­lich sehr schön ist und viel zu bie­ten hat, was wir in der kur­zen Zeit lei­der nicht alles erle­ben konn­ten. Ich den­ke, dass eine Rei­se nach Hiro­shi­ma und Miya­ji­ma auf­grund der Kul­tur und Geschich­te wirk­lich loh­nens­wert ist, und ich bin froh, dass wir uns die Zeit genom­men haben, die­ses Stück­chen Japan doch noch zu erkunden.

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