Geht doch: Eine Promotion mit Kind und Kegel

Gelegenheit für eines der wichtigen „Tür-und-Angel-Gespräche“: Prof. Dr. Uwe Jirjahn und Promovendin Martha Ottenbacher. Foto: Sheila Dolman

Das Förderprogramm „Promovieren mit Kind“ hilft Müttern in der Dissertationsphase. Im Mentoring-Programm geben erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Tipps und Impulse für die Karriere. Mittel für Tagungsteilnahmen fließen aus dem „Mary-Kingsley-Fonds“. Drei Angebote der Universität für Promovierende mit Kind und Familie auf dem Weg zum Doktortitel. Und wie kommt die Hilfe bei den Promovierenden an? Ein Beispiel.

Morgens, kurz nach 5 Uhr. Bei Martha Ottenbacher klingelt der Wecker. Wie an jedem Werktag um diese frühe Uhrzeit. Duschen, Frühstück vorbereiten, die Kinder wecken, anziehen, Pausenmahlzeiten zubereiten. Die Großen zur Schule und die Kleinste zum Kindergarten bringen.

Endlich alles erledigt. Auf zur Arbeit. Denkste! Ein Ohrstecker der Tochter will partout das Ohr nicht verlassen. Muss er aber, denn am Sportunterricht darf sie nur ohne Schmuck teilnehmen. Also wird eine kleine OP fällig. Und für Martha Ottenbacher wird´s mal wieder hektisch, bis alle versorgt und dahin verteilt sind, wo sie an diesem Morgen hingehören.

Endlich erreicht auch sie ihren Arbeitsplatz. Genauer: einen von zwei – den der Familienmanagerin zu Hause nicht eingerechnet. An diesem Donnerstagmorgen arbeitet sie im Büro an der Universität, das sie sich mit den Hiwis des Lehrstuhls teilt, um an ihrer Dissertation zu schreiben. Anders als für ihren Job in der Kommunalen Bildungsstatistik der Stadtverwaltung Trier, dem sie montags bis mittwochs nachgeht, erhält sie für ihre „Doktor-Arbeit“ an der Universität kein Geld. Belohnt wird sie dennoch – in einer emotionalen Währung: „Das wissenschaftliche Arbeiten und die Promotion erfüllen mich sehr und machen mir enormen Spaß“, sagt die junge Mutter von drei Töchtern, die seit 2014 an der Professur für Arbeitsmarktökonomik von Uwe Jirjahn promoviert.

Familienmanagerin, Halbtagsjob und dazu noch eine Promotion: Standardvarianten waren auf dem bisherigen Bildungs- und Karriereweg nicht unbedingt Martha Ottenbachers Ding. Noch im VWL-Studium, für das sie ihre sächsische Heimat Richtung Trier verließ, fasste die zielstrebige junge Frau den Entschluss, mit ihrem Kinderwunsch nicht bis nach dem Berufseinstieg zu warten. Ein Jahr vor dem Studienabschluss kam 2008 ihre erste Tochter zur Welt. Eine Promotion hätte sie bereits ein Jahr später beginnen können. Ein Angebot ihres Professors Heinz-Dieter Hardes schlug sie aber aus, weil die Berufspraxis zu diesem Zeitpunkt stärkere Anziehungskraft auf sie ausübte. Sie entschied sich für den Job bei der Trierer Stadtverwaltung und brachte im gleichen Jahr ihr zweites Kind zur Welt.

„Nach drei Jahren im Beruf habe ich gemerkt, dass mir die Forschung fehlt. Andererseits wollte ich nicht auf die Arbeit in der Praxis verzichten. Die Schnittstelle von beidem finde ich sehr spannend“, beschreibt sie den entscheidenden Impuls für das „Unternehmen Promotion“. Dass dieses Projekt 2014 zum erfolgreichen „Start-Up“ wurde, hat sie vor allem der Rückenstärkung durch ihren Mann und in maßgeblicher Weise auch ihrem „Unternehmensberater“ und Doktorvater Uwe Jirjahn zu verdanken. „Ich habe mehr Zeit gebraucht als er, um davon überzeugt zu sein, dass ich die externe Promotion mit Familie und Job schaffen kann“, ist Martha Ottenbacher dankbar für den Zuspruch des VWL-Professors. Jirjahn vereinbarte mit der Promovendin eine längere Testphase, an deren Ende beide Seiten zum gleichen Ergebnis kamen: Die Promotion kann auch mit der nunmehr fünfköpfigen Familie und einem Job gelingen.

Martha Ottenbacher ist ihrem betreuenden Professor auch für die Einbindung in das Lehrstuhlteam dankbar: „So ergeben sich für mich wichtige Tür-und-Angel-Gespräche, ich erhalte fachliches Feedback und wertvollen Input für meine Arbeit.“ Noch ein weiterer Aspekt ist nicht zu unterschätzen: „Wenn ich die Bürotür an der Uni öffne, kann ich mich auf die Dissertation konzentrieren. Hier ruft kein Kind und keine Spülmaschine wartet darauf, ausgeräumt zu werden.“

Über den Lehrstuhl hinaus erhält sie weitere Unterstützung durch andere Universitätseinrichtungen. Das Graduiertenzentrum (GUT) stellte ihr zwei Mal sechs Monate lang aus dem Programm „Promovieren mit Kind“ eine Hilfskraft für vier Stunden pro Woche zur Seite. „Sie war mir eine große Hilfe, weil sie mir viele zeitschluckende Arbeiten abnahm – vom Literaturverzeichnis zusammenstellen über Recherchen bis zum Kopieren und Literaturausleihe.“

Damit sie den Austausch mit dem Fachpublikum pflegen und Konferenzen besuchen kann, stellt ihr das Gleichstellungsbüro einen Zuschuss zur Verfügung. „Als externe Promovendin muss ich die recht hohen Kosten für Tagungen selbst tragen. Da wäre die private Urlaubskasse schnell geplündert“, sagt Martha Ottenbacher. Nicht nur wegen der Kosten, auch wegen des knappen Zeitbudgets und der aufwendigen Organisation der Kinderbetreuung wollen die Konferenzteilnahmen sorgfältig ausgewählt und geplant sein. „Die Tagungen sind für mich wie ein Turbo. Ich versuche nach Möglichkeit stets einen Vortrag zu halten. Damit setze ich mich selbst unter Druck, weil ich meine Zwischenergebnisse auswerten und zusammenfassen muss. Dafür erhalte ich aber wertvolles Feedback des Fachpublikums.“

Im kommenden Jahr will Martha Ottenbacher das Unternehmen Promotion erfolgreich abschließen. Was kommt danach? „Ich könnte mir vorstellen, an einer Hochschule oder einem Institut zu arbeiten, die konkrete Forschungsaufträge mit Praxisbezug ausführen“, blickt sie in die Zukunft. Kaum vorstellbar, dass ihr dies bei ihrer Zielstrebigkeit und den vielen Mutmachern in ihrem Umfeld nicht gelingen sollte.

Mut machen möchte aber auch Martha Ottenbacher. Beispielsweise mithilfe dieses Berichtes, für den sie sich erst nach gutem Zureden zur Verfügung stellte. „Ich stehe eigentlich nicht gerne im Fokus. Aber wenn der Artikel anderen Frauen in ähnlichen Situationen Mut machen kann, wäre es ein gutes Ergebnis.“

Weitere Informationen:
Graduiertenzentrum
Gleichstellungsbüro