Die Odys­se – oder mein Ver­such ein Visum für Japan zu bekommen

Als ich mich für das Aus­lands­jahr in Japan bewor­ben habe, habe ich mir das alles viel unkom­pli­zier­ter vor­ge­stellt. Sobald die Bewer­bung erst ein­mal geschrie­ben ist, ist das Schwie­rigs­te vor­bei, dach­te ich und mit mir wahr­schein­lich die meis­ten anderen.

Zu dem Zeit­punkt war mir noch nicht bewusst, dass ich den größ­ten Auf­wand mit dem japa­ni­sche Visum haben wer­de. Ich glau­be, die wenigs­ten wis­sen, wie so eine Bewer­bung für ein Aus­lands­jahr in Japan nach der eigent­li­chen schrift­li­chen Bewer­bung wei­ter verläuft…also erzäh­le ich hier mal wie das zumin­dest bei mir war und wie lan­ge sich das alles hin­zie­hen kann…

Erst mal zum All­ge­mei­nen: Ich orga­ni­sie­re mein Aus­lands­jahr nicht über das Aka­de­mi­sche Aus­lands­amt, son­dern über das Fach Japa­no­lo­gie. Die Uni­ver­si­tät, an die ich gehe, steht nur Japa­no­lo­gie­stu­den­ten zur Aus­wahl. Ich den­ke, dass das Ver­fah­ren zumin­dest für Japan über­all ähn­lich sein wird.

 

Im Zeit­raf­fer..

Etwa im Okto­ber 2016 sind die Vor­stel­lungs­ge­sprä­che, die wirk­lich gar nicht so beängs­ti­gend sind, wie man sich das vor­stellt. Bereits Ende 2016 wuss­te ich, an wel­che Uni­ver­si­tät in Japan ich im Herbst 2017 gehen wür­de. Dann kam im März die offi­zi­el­le Bewer­bung für die Part­ner­uni­ver­si­tät hin­zu. In dem Zusam­men­hang hieß es dann aus Erfah­rungs­be­rich­ten von Kommilitonen….die Uni­ver­si­tät mel­det sich etwa im Mai und dann bekommst du auch recht schnell das Visum.

 

Mei­ne Chro­nik – Ab hier wird es interessant!

16. Juni
Ers­te Nach­richt von der Uni. Man wer­de die Bear­bei­tung des Visums IMS Legal Prof­fe­sio­nal Cor­po­ra­ti­on, einer Fir­ma, die sich um visums­be­zo­ge­ne Ange­le­gen­hei­ten küm­mert, über­las­sen. Die Uni­ver­si­tät mel­det sich also erst im Juni. Etwa einen Monat spä­ter als ich und mei­ne Kom­mi­li­to­nen gedacht hatten.

20. Juni
IMS mel­det sich. Bis zum 28. Juni, also eine Woche spä­ter, müs­sen wir ein For­mu­lar aus­fül­len, ein Foto anhän­gen und irgend­wie einen eng­lisch­spra­chi­gen Finanz­nach­weis besor­gen. Dann soll es vier bis sechs Wochen brau­chen, bis der Antrag bear­bei­tet ist.

Alles klar! Das For­mu­lar wird aus­ge­füllt, das Bild ein­ge­scannt und mit einem Gang zur Bank hat man dann die­sen Finanz­nach­weis! Easy! Wäre es auf den ers­ten Blick. Tat­säch­lich bie­tet die Bank an, bei mir die Spar­kas­se, sol­che Bele­ge auf Eng­lisch anzu­fer­ti­gen. Aller­dings wur­de mir in der ers­ten Filia­le erst ein­mal gesagt, sowas gäbe es nicht.

Mir wur­de dann statt­des­sen ein deutsch­spra­chi­ger Kun­den­fi­nanz­sta­tus aus­ge­druckt, den ich bit­te über­setz­ten las­sen soll­te. Hmmm. Okay, ich ver­su­che es noch in einer ande­ren Filia­le, in der mir nur gesagt wird: “Auf Eng­lisch machen wir nichts!“. Erst in mei­ner Hei­mat­fi­lia­le wird mir dann – mir ver­blei­ben drei Tage bis zum Ver­strei­chen der Frist – gesagt: “Na klar geht das!” Im Eil­ver­fah­ren haben sie mir eine eng­li­sche Beschei­ni­gung her­ge­stellt und mir sogar per Email statt mit der Post gesen­det. So kann ich dann einen Tag vor Fris­ten­de die Unter­la­gen voll­stän­dig ein­sen­den. Also bei der Bank am bes­ten immer min­des­tens drei Mal nach­fra­gen – man kann immer mal etwas schwie­ri­ge­re Mit­ar­bei­ter erwischen.

11. Juli
IMS ver­mel­det, dass sie den Antrag für des Cer­ti­fi­ca­te of Eli­gi­bi­li­ty, ein Doku­ment das man für die Bean­tra­gung des Visums braucht, ans Immi­gra­ti­on Bureau wei­ter­ge­ge­ben haben. Ab JETZT sind es dann vier bis sechs Wochen, danach wür­de mir und das Cer­ti­fi­ca­te of Eli­gi­bi­li­ty per Post zugesendet.

Dann kam erst­mal lan­ge nichts.

24. August
Von der Gaku­g­ei Uni­ver­si­tät kommt eine Mail:  ein Fra­ge­bo­gen zum Wohn­heim, ein paar sehr abs­trak­te Infor­ma­tio­nen über den Aus­land­auf­ent­halt und ein Sam­ple Sheet für die Bean­tra­gung des Visums…da muss man näm­lich auf einem Antrags­for­mu­lar eini­ge Stel­len aus­fül­len, die man so ein­fach nicht beant­wor­ten kann. Wie z.B. den Wohn­ort oder „Invi­ter in Japan“….diese Din­ge wur­den uns dann vor­ge­ge­ben, zusam­men mit der Bit­te, doch am 29. Sep­tem­ber anzu­rei­sen. Alle hat­ten aber schon Flü­ge zu ande­ren Zeit­punk­ten gebucht. Über den Ver­bleib des Visums wur­de kein Wort ver­lo­ren. Dar­um küm­mert sich ja auch eine ande­re Stel­le, doch wird man da lang­sam ner­vös. Der Flie­ger geht am 23. Sep­tem­ber, in weni­ger als einem Monat und es ist noch nichts wirk­lich geregelt.

28. August
Das Sekre­ta­ri­at der Japa­no­lo­gie gibt eine Rund­mail raus – die Urlaubs­zei­ten haben sich geän­dert. An sich ja kein Pro­blem, jeder braucht ja mal Urlaub. Doch wer­den unse­re Unter­la­gen an das Sekre­ta­ri­at gesendet….und der Urlaub fällt genau auf den Zeit­raum, in dem wir die Ankunft des Cer­ti­fi­ca­te of Eli­gi­bi­li­ty erwar­ten. Unse­re Dozen­ten sind auch im Urlaub. Panik bricht aus. Die Face­book-Grup­pe von uns vier Aus­tausch­stu­den­ten, die an die Tokyo Gaku­g­ei Uni­ver­si­tät gehen wol­len, wird mit Nach­rich­ten über­schwemmt. Dau­ernd brummt das Han­dy. Alle haben Angst, jetzt nicht mehr an ihre Unter­la­gen zu kom­men. Wir kon­tak­tie­ren das Sekretariat.

29. August
….und bekom­men prompt eine Ant­wort. Alles gere­gelt, machen Sie sich kei­ne Sor­gen! Es wird sich um die­ses Pro­blem geküm­mert. Jemand wird nach unse­ren Unter­la­gen sehen. Bei uns herrscht Erleichterung.

30. August
Eine ande­re Dozen­tin schal­tet sich ein. Wir erhal­ten per Mail die Nach­richt, dass unse­re Unter­la­gen noch in Tokyo lie­gen. Wir soll­ten der Gaku­g­ei Uni­ver­si­tät bes­ser unse­re Heim­adres­sen durch­ge­ben und uns die Unter­la­gen direkt zusen­den las­sen. Unse­re Dozen­tin wird das so nach Tokyo durch­ge­ben. Haben wir dann auch alle so gemacht.

01. Sep­tem­ber
End­lich mel­det sich die Uni­ver­si­tät! Die Unter­la­gen sind in die Post gege­ben. Jeder erhält eine Tracking­num­mer, um das Päck­chen zu ver­fol­gen. Doch hat das Gan­ze nicht vier bis sechs Wochen, son­dern fast acht Wochen gedau­ert. Also bes­ser mehr Zeit einplanen!

08. Sep­tem­ber
End­lich kommt das Cer­ti­fi­ca­te of Eli­gi­bi­li­ty per Post an. Einen Tag spä­ter als bei mei­nen Mitstudenten….ich woh­ne zu der Zeit ja auch wie­der bei mei­nen Eltern, auf dem Land. Es ist Frei­tag, kurz vor Mit­tag, heu­te schaf­fe ich es nicht mehr nach Frank­furt. Dann ist Wochen­en­de und am fol­gen­den Mon­tag zie­he ich offi­zi­ell um.

12. Sep­tem­ber
Diens­tag. End­lich kann ich mei­ne Unter­la­gen ein­ste­cken und nach Frank­furt zur zustän­di­gen japa­ni­schen Bot­schaft fah­ren, um mein Visum zu bean­tra­gen. Ich habe alles dabei.

Cer­ti­fi­ca­te of Eligibility

Eine Kopie davon

Einen aus­ge­füll­ten Visumsantrag

Und mein Foto im For­mat 45mm*45mm für das Visum; das klebt sogar schon auf dem Antrag.

Mein Rei­se­pass

Ange­kom­men muss man in Frank­furt den Mes­se­turm fin­den. Wenn man da rein­geht, muss man sich als ers­tes bei der Rezep­ti­on gegen Vor­la­ge des Per­so­nal­aus­wei­ses mel­den. Dann bekommt man ein Stück Papier, womit man als Besu­cher aus­ge­zeich­net wir. Durch eine Glas­tü­ren­schran­ke, geöff­net durch die Rezep­tio­nis­tin, rauf in den 34. Stock. An der Bot­schaft klin­geln! Ja, da ist eine Tür mit Klin­gel mit­ten im Gebäu­de. Und dann erst ein­mal durch einen Sicher­heits­check – wie beim Flug­ha­fen. Gepäck durch­leuch­ten und durch den Metall­de­tek­tor gehen. Dann konn­te ich end­lich an einem Schal­ter mein Visum beantragen.

Die Bear­bei­tung daue­re bis zu zwei Wochen, wird mir dann gesagt. Ich flie­ge in elf Tagen. Als der Bear­bei­ter dann mein ver­zwei­fel­tes Gesicht sieht, fällt ihm auf, dass ich so lan­ge nicht mehr war­ten kann. Er meint dann, ich sol­le die Bot­schaft, wenn mein Visum bis zum 20. Sep­tem­ber noch nicht fer­tig ist, doch bit­te anrufen.

Lang­sam fra­ge ich mich, ob alle Kräf­te die­ser Welt mich davon abhal­ten wol­len mei­nen Flug am 23. Sep­tem­ber zu bekommen.

13. Sep­tem­ber
Unse­re eigent­li­che zustän­di­ge Dozen­tin mel­det sich. Sie wuss­te nicht Bescheid, dass wir die Unter­la­gen an unse­re Adres­sen haben sen­den las­sen und hat des­we­gen jeden Tag jeman­den ins Sekre­ta­ri­at kom­men las­sen. Autsch. Das war natür­lich doof gelau­fen, sodass wir uns (den­ke ich doch mal) alle erst ein­mal ent­schul­digt haben.

16. Sep­tem­ber
Eine Email von der Part­ner­uni! End­lich bekom­men wir auch die Infor­ma­tio­nen über das Wohn­heim und den Plan für Okto­ber. Zumin­des­tens eine Sor­ge weniger.

19. Sep­tem­ber
End­lich kommt die lang ersehn­te Email! Mein Visum ist fer­tig und abhol­be­reit. Ich bin so erleich­tert. Ich füh­le mich so glück­lich wie lan­ge nicht mehr.

20. Sep­tem­ber
Ein letz­tes Mal noch muss ich die Tour bis nach Frank­furt und zurück hin­ter mich brin­gen. Aber dann hal­te ich es end­lich nach drei lan­gen Mona­ten des Kämp­fens, Hof­fens und Sor­gens in der Hand.

Mein Visum.

Ich bekom­me es als letz­tes von uns vier Leu­ten, die an die Tokyo Gaku­g­ei Uni­ver­si­tät rei­sen. In drei Tagen geht mein Flug. Aber das macht nichts. Haupt­sa­che ich habe es end­lich. Die ver­blei­ben­den zwei Tage in Deutsch­land ver­brin­ge ich mit Kof­fer packen und dann geht es auch schon los.

Drückt mir die Dau­men, dass ab jetzt alles klappt.

Kati

 

5 Kommentare

  1. Das war auf jeden Fall alles wesent­lich knap­per als bei mir und ich bin auch an die Gaku­g­ei gegan­gen. Schon selt­sam, war­um es bei euch mit dem Cer­ti­fi­ca­te of Eli­gi­bi­li­ty so lan­ge gedau­ert hat. Ich hat­te das schon Mit­te August erhal­ten. Das mit dem Visum ging auch schnel­ler bei mir, aber das lag dar­an, dass ich nach Luxem­burg gegan­gen bin und die Bear­bei­tungs­zeit dort wesent­lich kür­zer ist.

  2. Als Anmer­kung viel­leicht zu mei­nem vor­he­ri­gen Kom­men­tar: Bei mir war das gan­ze im Jahr 2015.

  3. Ich bin auch sehr erstaunt, wie lan­ge das gedau­ert hat. Das war echt alles sehr knapp. Viel­leicht hat es etwas län­ger gedau­ert, weil wir im letz­ten Moment noch zu ISEP Stu­den­ten gemacht wur­den? Auf jeden Fall wäre mehr Zeit wesent­lich ange­neh­mer gewesen.

  4. War sehr auf­re­gend, jetzt aber wei­ter­hin alles Gute und dass jetzt alles gut klappt wün­schen dir Oma und Opa aus Heistern. 🙂

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