Ein­la­dung nach Jin­ju (Teil 1)

Wäh­rend der Fei­er­ta­ge rund um Chu­seok, in denen nach süd­ko­rea­ni­scher Tra­di­ti­on eine Art „Ern­te­dank­fest“ gefei­ert wird,  hat­te ich das Glück von einer Freun­din in ihre Hei­mat­stadt Jin­ju ein­ge­la­den zu wer­den. Gemein­sam ver­brach­ten wir die Fei­er­ta­ge und es eröff­ne­ten sich mir ers­te Ein­bli­cke in das korea­ni­sche Fami­li­en­le­ben, deren Gast­freund­schaft und ihren tra­di­tio­nel­len Leitvorstellungen. 

Der ers­te Eindruck:

Nach einer unge­fähr vier­stün­di­gen Fahrt mit dem Bus errei­chen wir am frü­hen Abend Jin­ju. Dort ange­kom­men war­te­ten wir auf die Mut­ter mei­ner Freun­din, die uns abhol­ten woll­te. Nach eini­gen Minu­ten Ver­spä­tung düs­te plötz­lich ein rotes Auto auf der gegen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te an uns vor­bei. Die Auto­fah­re­rin hat­te das Fens­ter her­un­ter­ge­fah­ren und rief mit lau­ter Stim­me den Namen mei­ner Freun­din und wink­te. Ver­wun­dert dreh­te sich mei­ne Freun­din zu dem Auto rum und ich stell­te lachend fest, dass ihre Mut­ter ein­ge­trof­fen war. Da die Mut­ter an die­ser Stel­le schlecht wen­den konn­te, pack­te sie ihren Wagen am Stra­ßen­rand und lief, nach­dem sie einen Zebra­strei­fen über­quert hat, freu­dig auf uns zu. Über­glück­lich ihre Toch­ter wie­der zu sehen, umarm­te sie die­se und schüt­tel­te mir danach die Hand. Sie stell­te sich bemüht auf Deutsch vor und ich ver­such­te mein neu erlern­tes Korea­nisch aus. Es funk­tio­nier­te ganz gut und ich war erleichtert.

Das Fami­li­en­tref­fen:

Am nächs­ten Tag fuh­ren wir in die Ber­ge zu einem klei­nen Haus, wel­ches als Fami­li­en­treff­punkt dient. Nach­dem ich am Vor­tag die Eltern und klei­ne Schwes­ter mei­ner Freun­din ken­nen­ler­nen durf­te, traf ich dort auf die Groß­mut­ter, meh­re­re Tan­ten, Onkel und deren Kin­der. Vor dem Häus­chen stand ein gro­ßer nied­ri­ger Tisch, an dem eini­ge saßen und uns freund­lich will­kom­men hie­ßen. Dahin­ter war quer gespannt ein Seil auf dem Decken zum aus­lüf­ten hin­gen. Außer­dem gab es vor dem Haus einen Was­ser­an­schluss mit einem klei­nen Schlauch, an dem das gan­ze Gemü­se in einem gro­ßen Bot­tich gewa­schen wur­de. Gemein­sam fin­gen wir alle an, irgend­wel­chen Auf­ga­ben nach­zu­ge­hen. Die Groß­mut­ter schäl­te den Knob­lauch, die Tan­ten schnit­ten den Fisch zurecht, die Män­ner mach­ten den Grill bereit und ich wusch mit mei­ner Freun­din, ihrer Schwes­ter und den Cou­sins das Gemü­se. Danach saßen wir auf dem nied­ri­gen Tisch im Schnei­der­sitz und aßen zu Mit­tag. Wir ver­weil­ten lan­ge und rede­ten auf unter­schied­li­chen Spra­chen über dies und jenes.

Am Nach­mit­tag lie­fen wir zu einem ein­sa­men Bas­ket­ball­platz umge­ben von Ber­gen. Gesell­schaft­lich spiel­ten wir dort Bas­ket­ball ohne die Regeln so genau zu neh­men und hat­ten dabei Unmen­gen von Spaß. Der Onkel stell­te sich als ein ernst zu neh­men­der Kon­kur­rent her­aus, der nur durch ein gutes Pass­spiel zwi­schen den Cou­sins und mir zu bewäl­ti­gen war. Mit einem Spiel­stand von 10:10 gaben sich schließ­lich alle zufrie­den und wir spa­zier­ten zurück nach Hause.

Der nächs­te Tag: 

Am nächs­ten Mor­gen fand die Ahnen­z­e­re­mo­nie statt. Hier­zu wur­de ein Tisch reich­lich mit Gaben gedeckt, um die­se wäh­rend der Zere­mo­nie den ver­stor­be­nen Ahnen anzu­bie­ten. Wäh­rend der Zere­mo­nie wur­den kei­ne Bil­der gemacht und es herrsch­te eine kon­zen­trier­te Atmo­sphä­re vor. Sobald die Zere­mo­nie abge­schlos­sen war, mach­ten wir uns auf dem Weg zu den Ahnen­grä­bern.  Wir pas­sier­ten einen schma­len Pfad zwi­schen zwei Reis­fel­dern und bestie­gen einen klei­nen Hügel. Mit einer wun­der­schö­nen Aus­sicht im Rücken, stan­den wir vor einem stei­ner­nen Ahnen­grab und gaben auch dort unse­re Ver­eh­rung mit einer Fla­sche Soju zum Aus­druck. Den rest­li­chen Vor­mit­tag ver­bach­ten wir wie­der an den klei­nen Häus­chen, wäh­rend ein Onkel und der Vater mei­ner Freun­din drau­ßen auf dem Tisch „baduk“ (kor. 바둑)spielten.

  • Baduk“ ist ein stra­te­gi­sches Brett­spiel, wel­ches mit schwar­zen und wei­ßen Stei­nen gespielt wird und auch in Japan unter dem Namen „igo“ (囲碁) bekannt ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.