Will­kom­men, Shekho!

Das Datum 1. August 2015 kann sich Shek­ho Usso bes­ser mer­ken als sei­nen Geburts­tag. An die­sem Tag ist er in der Das­bach­stra­ße in Trier ange­kom­men. In Syri­en ist im Gegen­satz zu Deutsch­land der Monat wich­ti­ger, in dem man gebo­ren ist. Das Datum 1. August 2015 muss Shek­ho oft in die For­mu­la­re der deut­schen Behör­den eintragen.

Shek­ho ist mit sei­nem klei­nen Nef­fen aus Alep­po nach Deutsch­land geflüch­tet. Erst waren sie im Liba­non, das ist ein biss­chen für Syrer wie für Deut­sche Luxem­burg. Aus dem Liba­non gab es kein Zurück mehr nach Alep­po, weil die Stra­ßen zer­bombt und alle Häu­ser zer­stört sind. Shek­ho reis­te wei­ter in die Tür­kei. Dort arbei­te­te er bis er die Flucht über das Meer für sich bezah­len konn­te. Die Kos­ten für sei­nen Nef­fen trug die Familie.

In Alep­po hat Shek­ho fünf Jah­re Sozio­lo­gie stu­diert. Obwohl es in der Stadt schon längst nicht mehr sicher war, ging er jeden Tag zur Uni­ver­si­tät. Bis er sich ent­schied Syri­en zu ver­las­sen: „Ich konn­te nicht mehr aus mei­nem Haus gehen, ohne zu wis­sen, ob die nächs­te Kugel in mei­nem Kopf steckt.“ Um ihn waren Scharf­schüt­zen. Es gab kein flie­ßen­des Was­ser und kein Gas mehr. Shek­ho hat­te trotz­dem Wochen in Alep­po aus­ge­harrt. Er zer­stör­te nach und nach sei­ne Möbel, um zu hei­zen und zu kochen. Er as jeden Tag Reis.

Die­ses Win­ter­se­mes­ter beginnt Shek­ho als Erst­se­mes­ter das Stu­di­um der Sozio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Trier. Auf die Flucht hat­te er kei­ne Nach­wei­se sei­nes syri­schen Stu­di­ums mit­ge­nom­men: „Wenn man flieht, denkt man nicht dar­über nach, kurz an der Uni vor­bei­zu­ge­hen und Prü­fungs­nach­wei­se abzuholen.“

Seit zwei Jah­ren lebt Shek­ho in Trier, hat den Inte­gra­ti­ons­kurs gemacht und als Dol­met­scher gear­bei­tet, enga­giert sich ehren­amt­lich im Kin­der­schutz­bund und sein Deutsch ist auf der höchs­ten Sprach­stu­fe zer­ti­fi­ziert. Des­we­gen darf er kei­ne Deutsch­kur­se mehr bele­gen. Aber Shek­ho will wei­ter ler­nen. Wer rich­tig Deutsch spricht, kommt wei­ter. Des­we­gen war er in „Fit fürs Stu­di­um“, den Stu­di­en­vor­be­rei­tungs­kurs der Uni Trier. Das ers­te Mal war er mit ande­ren wie­der auf einem Campus.

Noch­mal von vorn Sozio­lo­gie stu­die­ren, ist nicht das, was er sich vor­ge­stellt hat. Trotz­dem sieht er in sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung einen Vor­teil: „Ich habe die Mög­lich­keit Sozio­lo­gie aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve zu stu­die­ren, aus dem Auge der Euro­pä­er.“ Er will kri­tisch hin­ter­fra­gen, sowohl das, was er gelernt hat, als auch das, was er ler­nen wird.

Heu­te weiß Shek­ho, dass sein Haus zer­stört ist. Ein Nach­bar war in der Stra­ße und hat­te ein Han­dy­vi­deo auf­ge­nom­men. Es ste­hen nur noch ein paar Häu­ser­wän­de. Drum­her­um lie­gen gro­ße Ber­ge von Schutt. Shek­hos Fami­lie ist ihm nach­ge­zo­gen. Alle leben in Trier.

Shek­ho Usso aus Syri­en, Soziologie

Herz­lich will­kom­men an der Uni­ver­si­tät Trier, Shek­ho! Und ein Will­kom­men an dei­ne Familie!

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