Axel Kalenborn: Ein Multitalent mit vielen Leidenschaften

Wohin der Wind ihn weht

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten – oder besser: ein Flieger zwischen den Welten. Axel Kalenborn lebt zwischen Universität, Unternehmen, Weinkeller und seiner Leidenschaft: dem Gleitschirmfliegen. Trotz seiner ständig wechselnden Aktionsfelder gibt es eine Konstante in dem bunten Leben des Axel Kalenborn: seine Treue und Verbundenheit zur Universität Trier. Seit seiner Einschreibung als Student 1987 bis zur Habilitationsschrift, die er gerade abschließt, gehört er der Hochschule lückenlos an und lernte hier auch seine Ehefrau kennen.

Dass er einmal im aktuellen Vorlesungsverzeichnis in der Rubrik „Wissenschaftliches Personal“ in der Wirtschaftsinformatik I geführt würde, war für den 44-Jährigen nicht vorhersehbar – und keinesfalls strategisch geplant. „Ich habe Betriebswirtschaftslehre auf Diplom studiert, aber mit einem Schwerpunkt, der kaum weiter von der Wirtschaftsinformatik entfernt sein könnte: Marketing. Grundlegende IT-Kenntnisse und ein großes Interesse an Technik hatte ich damals schon, daher habe ich mich für das Marketing-Studium entschieden, um meinen Horizont in eine andere Richtung zu erweitern“, begründet Kalenborn seine Wahl. Das Studium brachte ihn bald mit dem nun emeritierten Prof. Dr. Hans Czap und damit auch mit der Wirtschaftsinformatik in Kontakt. Schon in frühen Semestern assistierte Kalenborn Czap als HiWi und promovierte später bei ihm. Weil die für den Diplomstudiengang Wirtschaftsinformatik erforderliche zweite Professur zunächst vakant blieb, übernahm Axel Kalenborn Teile der Lehre im damals jungen Diplomstudiengang.

Axel Kalenborn mit Weinkönigin Mandy Großgarten

Aus diesem Grund blieb er auch nach der Promotion 1998 an der Universität, obwohl ein Abschied nahelag: Das Fieber der New Economy grassierte und zog auch ihn in die Welt des Unternehmertums: „Es war eine verrückte Zeit, alles schien möglich.“ Bereits vor der Promotion baute Kalenborn mit der ICT Solutions AG ein Unternehmen auf, das er gemeinsam mit zwei Partnern führte. „Wir haben uns gut ergänzt: Einer war der IT-Spezialist, der andere Grafiker und ich eher der Kaufmann mit IT-Affinität“, stellt er die Führungsriege vor. Bis 2009 war er – parallel zu seinem Auftrag an der Universität – in unterschiedlicher Funktion als Inhaber, Geschäftsführer und Vorstand in der ICT Gruppe tätig. Eine anstrengende Zeit mit geringem Freizeitkontingent. „In den Boom-Jahren der New Economy wurde viel Geld bewegt. Wir haben in dieser Zeit interessante Projekte mit renommierten Partnern umgesetzt“, blickt er zurück.

Die Krisenjahre gingen jedoch an dem Unternehmen mit zwischenzeitlich bis zu 60 Mitarbeitern nicht spurlos vorbei: „Es gab auch extrem schwierige Zeiten. Die waren nicht schön, aber sie haben uns gefestigt.“ Vor drei Jahren schied Kalenborn aus der Unternehmensführung aus und wechselte in den Aufsichtsrat. Die Studierenden der Wirtschaftsinformatik profitieren aber nach wie vor von seinen Erfahrungen. „Mein Wissen aus der Praxis lasse ich in die Lehrveranstaltungen einfließen. Manche Dinge kann man nicht erlernen, die muss man erleben.“ Obwohl er gerade dabei ist, mit der Habilitation die letzte Etappe der klassischen wissenschaftlichen Laufbahn abzuschließen, ist ihm der Praxisbezug in Wissenschaft und Lehre ein Herzensanliegen.

 „Seit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen ist das Leben deutlich ruhiger geworden“, sagt Kalenborn. Aber nicht weniger turbulent, dafür sorgen hin und wieder Turbulenzen, wenn er seinem Hobby frönt. Seit rund 20 Jahren geht er in die Luft, zunächst mit dem Drachen, später mit dem Gleitschirm, der seitdem sein ständiger Begleiter ist. „Ich bin schon in vielen tollen Ecken der Erde geflogen, aber nirgendwo fliege ich so gerne wie an der Mosel“, berichtet der Vorsitzende des lokalen Gleitschirmvereins „Die Moselfalken e.V.“. In der Jahresbilanz summiert sich die Zahl seiner Flüge auf mehr als 200. Bei gutem Flugwetter sind mehrere Starts pro Tag möglich. Die einzigartige Beschaffenheit der Startplätze an der Mosel ermöglicht diese Mehrfachstarts. Man kann am Startplatz landen und von dort wieder in die Luft gehen.

Das wichtigste Ziel sportlicher Gleitschirmflieger sind weite Flüge, die schon einmal in der Eifel, in Frankreich oder Luxemburg enden können. Auch von dieser Passion profitieren übrigens die Studierenden. Einige sind bereits mit ihrem Dozenten im Tandem über die Mosel geschwebt, andere haben es fest vor. Selbst Majestäten wie die frühere Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten hingen schon bei Kalenborn in den Seilen.

Alkohol ist beim Fliegen natürlich tabu. Dennoch brachte dieser Sport den Wirtschaftsinformatiker zum Wein. Beim Gleitschirm-Fliegen lernte Kalenborn den Winzer Peter Mertes kennen. Als „2 Freunde – Wein von glücklichen Winzern“ vermarkten die beiden die Tropfen des Winzers aus dem Weingut Mertes-Schönhofen in Rivenich an der Mosel. „Mein Part ist die Sales-Schiene. Ich bin zwar ein Weinfreund, aber tiefergehende Erfahrung als Winzer habe ich nicht“, sagt Axel Kalenborn. Ob Studierende auch von dieser Passion des Dr. Axel Kalenborn bereits einschlägig profitiert haben, darüber wird an dieser Stelle allerdings der Mantel des Schweigens gehüllt.

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