Die Rück­keh­re­rin

Hast du dich schon wie­der ein­ge­lebt?” war in den letz­ten sie­ben Wochen wohl die meist gestell­te Fra­ge. Denn: Seit dem ers­ten Sep­tem­ber bin ich wie­der in Deutsch­land. Hat sich wäh­rend mei­nes Aus­lands­jah­res irgend­was ver­än­dert oder ist alles gleich geblieben?

Natür­lich haben sich in Deutsch­land eini­ge Din­ge ver­än­dert. Man­che Freun­de haben jetzt Part­ner, sind geschäf­ti­ger gewor­den, in den Rega­len der Märk­te gibt es neue Pro­duk­te, die es vor dem Jahr im Aus­land nicht gab, Zuhau­se strom­ert ein neu­es Haus­tier her­um. Im Gro­ßen und Gan­zen sind es vie­le klei­ne Ver­än­de­run­gen, die pas­siert sind, doch im Grun­de ist alles irgend­wie beim Alten.

Die meist gestell­te Fra­ge war und ist, ob ich mich denn schon wie­der ein­ge­lebt habe. Aber eigent­lich Fra­ge ich mich, wor­in ich mich wie­der ein­le­ben soll. Ich lebe in der glei­chen Woh­nung, ich habe die glei­chen Freun­de, ich mache mein Stu­di­um wei­ter. War­um also genau muss ich mich wie­der ein­le­ben? Natür­lich, ich war ein Jahr weg. Aber sobald man aus dem Flie­ger steigt und den ers­ten Fuß auf deut­schen Boden setzt, könn­te der Aus­lands­auf­ent­halt genau­so gut ein Traum gewe­sen sein. Der Jet­lag war nach ein paar Tagen aus­ge­schla­fen, ich habe mich wie­der an die Höhe von Toi­let­ten und Arma­tu­ren ange­passt, habe akzep­tiert, dass Toi­let­ten­pa­pier hier so dick ist wie Pap­pe und dass das Inter­net nicht direkt aus der Wand kommt, son­dern über einen Rou­ter ins Haus gelei­tet wird. Im all­täg­li­chen Sin­ne hat sich also abso­lut gar nichts ver­än­dert, alles ist gleich und sich an Altes wie­der zu gewöh­nen hal­te ich für kei­ne gro­ße Kunst. Viel schwe­rer ist es, den­ke ich, sich in einem kom­plett neu­en Land auf alles ein­zu­stel­len. Komi­scher­wei­se wur­de ich da nicht so oft gefragt, ob ich mich bereits ein­ge­lebt hät­te – es wur­de ein­fach erwartet.

Weil ich in Japan war, sagen auch alle: “Du musst ja jetzt sicher per­fekt Japa­nisch spre­chen kön­nen.” Ganz ehr­lich, die Ant­wort ist Nein. Ich bin nicht pri­mär nach Japan gefah­ren um mein Japa­nisch zu per­fek­tio­nie­ren (was abge­se­hen davon unmög­lich ist), son­dern um es zu ver­bes­sern und das Land, die Kul­tur und die Leu­te bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Hät­te ich mich nur auf die Spra­che kon­zen­triert, hät­te ich es viel­leicht geschafft, aber es gehört mehr zu einem Auf­ent­halt am ande­ren Ende der Welt als nur zu reden, reden und noch­mal zu reden. Ich muss mich für die­se Prio­ri­tä­ten auch nicht recht­fer­ti­gen und bin mit mei­nen eige­nen Fort­schrit­ten sehr zufrieden.

Auch möch­te ich von Japan nicht als “Gast­land” oder “Aus­land” mehr spre­chen, weil ich den­ke, dass ich in die­sem Jahr ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die­ses Land ent­wi­ckelt habe und mich so gut mit ihm iden­ti­fi­zie­ren kann, dass ich es als eine zwei­te Hei­mat anse­hen wür­de. Ich ver­mis­se vie­le Din­ge von dort, wie Essen, Züge oder auch das war­me Herbst­wet­ter – aber es gibt auch Din­ge, die ich in Deutsch­land mag. Es gibt nicht: “Das eine Land ist bes­ser als das ande­re”, ich könn­te nicht sagen, wo ich in fer­ner Zukunft lie­ber leben wür­de. Ich gehö­re irgend­wie zu Deutsch­land, aber auch irgend­wie zu Japan.

Ich habe mich ent­schie­den, durch die Erfah­rung im Aus­land, dass ich ande­ren Men­schen hel­fen will, die den glei­chen Wunsch haben, wie ich ihn hat­te. Ich enga­gie­re mich jetzt beim Inter­na­tio­na­len Zen­trum der Uni Trier - dem iZ. Mir war es nicht genug zurück­zu­kom­men und ein­fach fer­tig zu stu­die­ren. Enga­ge­ment ist wich­tig und bie­tet einen Raum, ande­ren zu hel­fen und sich dabei selbst zu verwirklichen.

Im End­ef­fekt rate ich jedem, der die Mög­lich­keit hat, ins Aus­land zu gehen. Inso­fern es finan­zi­ell mach­bar ist, soll­te man es tun. Man darf sich nicht auf­hal­ten las­sen von Leu­ten, die Beden­ken haben, oder von einem Part­ner (zer­bricht es, war es nicht das Rich­ti­ge). Die­se Erfah­rung möch­te ich nicht mis­sen und ich den­ke, im Rah­men mei­ner Mög­lich­kei­ten habe ich das meis­te dar­aus gemacht. Wenn ich kann, wür­de ich für den Mas­ter ger­ne noch­mal min­des­tens ein Aus­lands­se­mes­ter machen. Aber Vor­sicht: Aus­land macht süchtig 😉

 

Da ich nicht weiß wann, und ob ich noch mal etwas schrei­ben wer­de, bedan­ke ich mich erst mal bei allen mei­nen Lesern und wün­sche euch viel Mut, eure eige­nen Vor­ha­ben (was immer das auch sein mag) zu verwirklichen.

 

Ein Kommentar

  1. Also ich habe in Japan mehr als einen Nicht­mut­ter­sprach­ler ken­nen­ge­lernt, der ziem­lich per­fek­tes Japa­nisch gespro­chen hat.

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