Herzlich willkommen, Nicole Marheineke!

Die neue Professorin der Mathematik ist zwar noch nicht offiziell ernannt, aber steckt schon mittendrinnen im Umzugs-Chaos. Mitgebracht hat Nicole Marheineke mehr als Gepäck: ihre Familie, internationale Erfahrung und Entwickler-Drang.

Im Moment ist an jedem Tag etwas anderes. In der neuen Wohnung geht erst die Heizung nicht, dann fällt das Licht aus und mit der Dusche ist irgendetwas nicht ganz in Ordnung. In ihrem Büro dominiert der puristische Charme: weiße Wände mit zwei beschriebenen Whiteboards, gestapelte Umzugskartons und in der Mitte des Raums ein Schreibtisch mit Blick ins Grüne.

Für andere bedeutet das Stress. Nicole Marheineke erzählt davon lächelnd. Sie ist vierzig Jahre und hat ganz andere Situationen erlebt. Nicole Marheineke ist zum Studium einige Male im Ausland gewesen: Schweden, Indien, Norwegen, Großbritannien oder Nepal. Die Zeit in Nepal war eine einschneidende Erfahrung.

Abends ist Nicole Marheineke dort singend nach Hause gegangen, nicht aus Fröhlichkeit.  Das hatte einen anderen Hintergrund.

Die Gesellschaft war 2005 patriarchalischer als heute. Durch das Kennenlernen der Familie von Kollegen in ihrem Zuhause erwarb Nicole Marheineke sich das Zuhören der Kollegen. Sie behauptete sich: „Ich bin eine Frau und jung – ja, und ich habe auch coole Ideen.“ Innerhalb eines Monats spitzte sich in Nepal die politische Lage dramatisch zu. Ein Bürgerkrieg war ausgebrochen. Singend gab die Mathematikprofessorin damals den Milizen in den Schützengräben zu erkennen, dass sie Zivilistin ist. Trotzdem blieb sie, arbeitete weiter in der Entwicklungshilfe.

Nicole Marheineke entschloss sich für die Kathmandu University in Nepal, um nach ihrem Studium und ihrer Promotion an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) etwas zurückzugeben. Ziel war es mit ihrer Angewandten Mathematik und Ingenieuren Gegenstände zu entwickeln, die Nepalesen annehmen und wertschätzen. Zum Beispiel bauten sie einen Ofen, mit dem man Wasser kochen, toasten und heizen kann. Die Frage, was man wirklich braucht, umkreiste sie täglich.

Nach der Erfahrung war für die Mathematikerin Unternehmensberatung für McKinsey ausgeschlossen. Sie wollte Professorin sein und ging an Universitäten in Mainz und dann Erlangen-Nürnberg. In Trier liegt gerade die erste Lehrveranstaltung hinter ihr. In der hat Sie ihre Mathematikstudierenden aus dem fünften Bachelor-Semester gefragt, was die Idee hinter ihrem Mathematik-Studium, was die Zielsetzung, ihr Traum sei. Für die Professorin kommt es im Leben und in der Lehre auf mehr als Anwesenheit an. Alles hat für sie seine Zeit: „Ich möchte meine Studierenden sensibilisieren. Sie sollen nicht mit 30 oder 35 Jahren feststellen, dass sie nur Erwartungen anderer erfüllt haben.“

Für Nicole Marheineke hat das System der alten deutschen Diplomstudiengänge funktioniert. In Zeiten von Bachelor und Master rät sie den Studierenden trotzdem Freiheiten zu nutzen, mal ins Ausland zu gehen oder einfach ein Urlaubssemester einzulegen. Mit zwanzig Jahren steht einem die Welt offen. Aber man muss den Studierenden schon die Möglichkeiten aufzeigen, was man aus dem Leben machen kann. Entscheidungen hinterfragen und den Geist nicht in Schubladen drücken lassen.

Nicole Marheineke wird in ihren Lehrveranstaltungen an aktuelle Forschungsthemen mit Praxisbezug heranführen. In Kleingruppen werden reale Probleme aus Technik, Wirtschaft oder Lebenswissenschaften bearbeitet. Aufgabe ist es, das Problem mathematisch zu modellieren, das heißt, es in die Sprache der Mathematik zu übersetzen, um es anschließend mit mathematischen Methoden zu lösen und mit dem Computer zu simulieren.

In der Universität Trier sieht die Mathematik-Professorin viel Gestaltungspotential und viele Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Deswegen möchte sie aber auch über den Campus hinweg Kontakte intensivieren. In den 70er Jahren war die Uni Trier mit TUK eine Doppel-Universität. Da Nicole Marheineke an der TUK studiert und promoviert hat, kennt sie sich dort sehr gut aus. Zu dem Kaiserslauterner Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik möchte sie jetzt von Trier aus wieder eine gute Verbindung aufbauen.

Ihre Studierenden sollen in ihrer Grunddisziplin Mathematik richtig gut sein, um über den Tellerrand schauen zu können. Nicole Marheinekes Mann sagt über sie, dass sie eine Weltverbesserin sei. Sie weiß, was sie kann und was sie gern macht. Den Anspruch habe sie aber etwas zurückgeschraubt: „Aber man kann zum mindestens die Welt auf den fünf bis zehn Metern um sich herum verbessern.“

Nicole Marheineke, Professorin für Mathematical and Computational Modeling

Herzlich willkommen an der Universität Trier, Prof. Dr. Nicole Marheineke und ihr Team!

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