Chi­ca­go

Die Hälf­te des Semes­ters rum? Ver­län­ger­tes Wochen­en­de? Tre­at yours­elf! Ich habe mich zu mei­nem ers­ten Road Trip auf­ge­macht… Good­bye Twin Cities, hel­lo Chicago!

Chi­ca­go. Als wir unse­re Rei­se in die Win­dy City ange­tre­ten haben, hat­te ich kei­ne hohen Erwar­tun­gen. Zuhau­se der Chi­ca­go Bulls, Schau­platz der Serie Chi­ca­go Fire, die mein Freund so mag, die höchs­te Ver­bre­chens­ra­te in den USA… Das war alles was ich über die Stadt im Mid­west wuss­te. Die Lage war der Haupt­grund, wie­so die Wahl auf Chi­ca­go gefal­len war. Von dem eben­falls im Mid­west gele­ge­nen St. Paul sind es mit dem Auto “nur“ gut sechs Stun­den bis in die dritt größ­te Stadt der USA. Schluss­end­lich bin ich froh, dass unse­re Wahl auf die­se Stadt gefal­len ist. Chi­ca­go, das hier ist ein Liebesbrief!

Wie schon erwähnt, begann unse­re Rei­se mit einer Auto­fahrt, einer lan­gen Auto­fahrt. Mein Rei­se­kum­pa­ne Rico und ich wech­sel­ten uns mit dem Fah­ren ab. Es war das ers­te Mal, dass ich in den USA Auto gefah­ren bin und wahr­schein­lich das drit­te Mal in mei­nem Leben, dass ich (wie hier üblich) ein Auto­ma­tik-Getrie­be unter mir hat­te. Ja, der Start war etwas hol­pe­rig und ja, viel­leicht hal­te ich mich zu genau an die Geschwin­dig­keits­be­schrän­kun­gen (eini­ge der Insas­sen des Autos hat­ten behaup­tet, ich fah­re zu lang­sam) aber schließ­lich habe ich mei­ne drei Stun­den abge­legt. Obwohl Fah­ren in den USA nicht viel anders ist als zuhau­se, ist es doch bein­dru­ckend ein­fach mal 600 Kilo­me­ter am Stück gera­de­aus zu bret­tern, ohne jemals irgend­wo vom High­way abfah­ren zu müs­sen und Min­ne­so­ta, Wis­con­sin und Illi­nois – die drei Staa­ten durch die wir hin­durch­ge­fah­ren sind – auf ein­mal nur noch für einen ein­zi­gen Farb­klecks aus Wäl­dern, Fabri­ken und Fast­food-Ket­ten zu halten.

Am ers­ten Tag ging es nach Down­town. Der Plan war, uns erst ein­mal von einem Sight­see­ing-Bus durch die Stadt chauf­fie­ren zu las­sen und uns dann zu über­le­gen, was wir uns genau­er anse­hen wol­len. Den Plan setz­ten wir auch in die Tat um, nur hat­ten wir einen wich­ti­gen Fak­tor nicht mit ein­be­rech­net: Chi­ca­go ist eine win­di­ge Stadt und es kann schon mal rich­tig kalt wer­den. Auf der offe­nen zwei­ten Eta­ge eines Buses durch die Stadt zu schlän­geln, macht das natür­lich nicht gera­de bes­ser. Also wur­de Rico, der das Wet­ter kom­plett unter­schätzt hat­te, zuerst ein­mal in mei­nen dicken Schal ein­ge­packt bevor es dann mit der eisi­gen, aber infor­ma­ti­ven Rund­fahrt los­ging. Wäh­rend der Rund­fahrt habe ich haupt­säch­lich in die Luft gestarrt, um all die rie­si­gen Gebäu­de in ihrer vol­len Pracht zu bestau­nen. Das High­light für mich: Die Mari­na City, zwei iden­ti­sche Gebäu­de, die aus­se­hen wie über­di­men­sio­na­le Mais­kol­ben und frü­her ein­mal ein Ver­such waren eine Stadt in der Stadt zu errich­ten, wie unser unter­halt­sa­mer tour gui­de uns erklärt hat.

Mari­na City

Spä­ter, zog es uns zum Navy Pier und nein, es war nicht Lie­be auf den ers­ten Blick, lie­ber Navy Pier… aber jetzt bin ich ver­liebt. Steht man davor, sieht man das Chi­ca­go Children’s Muse­um und die Hälf­te eines Rie­sen­rads. Na gut… denkt man sich und will schnell wei­ter in den nächs­ten Star­bucks has­ten, um sich etwas auf­zu­wär­men. Geht man jedoch, der Käl­te zum Trotz bis hin zum Ende des Piers, erwar­tet einen, schaut man nach vor­ne, ein wun­der­schö­ner Aus­blick über das eis­blaue Was­ser des Lake Michi­gan und schaut man hin­ter sich, die beein­dru­cken­de Sky­line von Chi­ca­go. Der Lake Michi­gan, oder der win­zi­ge Teil den ich von ihm gese­hen habe, hat mich am meis­ten begeis­tert. Man kommt sich vor, als stün­de man vor einem Oze­an; kein Ufer weit und breit und sogar ein Leucht­turm in der Fer­ne. Tat­säch­lich ist das Süß­ge­wäs­ser mit einer Flä­che von 58.016 km2, fast 30 Mal so groß wie mei­ne Hei­mat Luxem­burg. Ich weiß, Luxem­burg flä­chen­mä­ßig zu über­tref­fen ist kei­ne Kunst, aber trotz­dem fin­de ich es schwer beein­dru­ckend. Denn immer­hin befin­det man sich, wenn man in Chi­ca­go ist, sehr mit­tig auf dem nord­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent und auf ein­mal ist dann da die­ses rie­si­ge Gewäs­ser. Und es ist nur eins von fünf die­ser Größe.

Aber jetzt genug von Seen geschwärmt. Auch sonst gab es viel zu erkun­den. Durch ein Video auf Face­book hat­ten wir ent­deckt, dass die­sen Som­mer in Chi­ca­go ein Nutel­la Café eröff­net hat. Natür­lich muss­ten wir das gleich aus­pro­bie­ren. Dort ange­kom­men, hieß es jedoch zuerst ein­mal Schlan­ge ste­hen. Um sich hier die belieb­te Kalo­ri­en­bom­be zu holen, stan­den die Leu­te bis raus auf die Stra­ße. Doch das War­ten hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Nach die­ser Stär­kung ging es dann, für den rest­li­chen Tag gewapp­net, zum Mil­le­ni­um Park um das Cloud Gate – oder auch noch lie­be­voll The Bean genannt – zu besich­ti­gen und dann wei­ter zur Muse­ums­in­sel, von der aus man noch­mals die wun­der­schö­ne Sky­line bewun­dern kann. Hier haben wir das „Adler Pla­ne­ta­ri­um“ besucht, wo man so man­ches über die ame­ri­ka­ni­sche Raum­fahrt erfährt und durch ein gro­ßes Pan­ora­ma­fens­ter eine schö­ne Sicht auf mei­ne Fas­zi­na­ti­on, den Lake Michi­gan, hat.

Das Bes­te für mich war jedoch ein­fach nur durch die Stra­ßen die­ser enor­men Stadt zu bum­meln, mit einem hei­ßen Getränk in der Hand um mich zu wär­men, und die Atmo­sphä­re inmit­ten die­ses Groß­stadt­ge­tüm­mels auf mich wir­ken zu lassen.

Fare­well Chi­ca­go. Es war sicher nicht das letz­te Mal!

Eure Natha­lie

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