Der Freundeskreis hat immer noch große Bedeutung

 

Im November feierte Helmut Schröer (links, bei der Auszeichnung mit der Universitätsmedaille durch Präsident Michael Jäckel) einen – wie er sagt – „halbrunden“ Geburtstag. Das Jahr hielt noch ein weiteres Jubiläum für ihn bereit. Seit zehn Jahren ist der nunmehr 75-jährige ehemalige Oberbürgermeister Vorsitzender des Freundeskreises Trierer Universität. Beide Jubiläen waren Gegenstand eines Interviews mit dem in Köln geborenen Helmut Schröer.  

Herr Schröer, Ihren 70. Geburtstag haben Sie mit Hunderten Gästen in der Arena Trier gefeiert. Wie war´s denn beim 75.?
Meine Frau und ich hatten sehr früh beschlossen, den „halbrunden“ Geburtstag nicht in Trier zu feiern. Wir waren in wärmeren Gefilden. Dabei ging allerdings der Wunsch, ohne großes Aufsehen zu feiern, gründlich daneben. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten haben uns ganz schön beschäftigt.

Sie haben auf Ihrem Lebensweg viele Kurven eingeschlagen: Sie waren ambitionierter Fußballer, haben als Lehrer und im Studienseminar gearbeitet und sind in die Kommunalpolitik und schließlich auf den Trierer Oberbürgermeister-Sessel gewechselt. Sind Sie ein klassischer Allrounder?
Nein! Ich bin natürlich kein Allrounder. So unterschiedlich sind meine Lebensstationen nicht. Der Mannschaftssport ist eine gute Vorbereitung und Begleitung für den Lehrerberuf. Und auch meine zehnjährige Lehrertätigkeit hat mich auf meine kommunalpolitische Arbeit gut vorbereitet. Man muss als Oberbürgermeister führen, entscheiden, mit Menschen „umgehen“ können. Natürlich ist die Kommunalpolitik eine andere sachliche Arbeit als der Lehrerberuf sie fordert. Eine gute Zukunft der Stadt zu sichern, erfordert Zielklarheit und täglich hartes Bemühen. Die Arbeit wird aber wesentlich einfacher, wenn man sie gemeinsam erledigt, mit einem Team zusammenarbeitet. Da wären wir wieder beim Mannschaftssport.

Kölsche Jungs, singt zumindest die Mundart-Band „Brings“, liegt „dat Hätz op d’r Zung“. Ist dem so? Und wie schütten Sie Ihr Herz mittlerweile aus – noch in Kölsch oder in Trierisch?
In der Tat wird mir nachgesagt, dass ich „dat Hätz op d’r Zung“ hätte. Da gibt es zwischen dem Rheinländer und dem Trierer große Unterschiede. Wir wohnen seit 1970 in Trier. Und es ist klar, man bekommt den Kölner raus aus Köln, aber nie Köln raus aus dem Kölner. Ich habe einmal versucht, als Präsident der Karnevalsgesellschaft Heuschreck ein Triergedicht in Mundart vorzutragen. Ein guter Freund, der bekannte Mundartdichter Werner Becker, hat mir danach geraten: „Loss et sein. Man muss nit trierisch schwätzen. Man muss trierisch fühlen.“ Also: Mein Herz ist doch inzwischen sehr trierisch!

Sie hatten in diesem Jahr neben dem besonderen Geburtstag ein weiteres Jubiläum zu feiern: zehn Jahre Vorsitzender des Freundeskreises Trierer Universität. Was hat Sie 2007 motiviert, den Vorsitz zu übernehmen und was treibt Sie heute an, die Vorstandsarbeit weiterzuführen?
Das ist sehr einfach zu beantworten: Wie oft habe ich als Oberbürgermeister die Bedeutung der Universität für unsere Stadt und unsere Region betont. Und deshalb war und ist es selbstverständlich, dass ich mich im Freundeskreis für unsere Universität engagiere. Der Kölner hat auch dazu einen Ausspruch: „Nit schwade, mache!“

Einen Gesinnungswandel von der „Stadt mit Universität“ zur Universitätsstadt in der Trierer Bevölkerung herbeizuführen, liegt Ihnen als ehemaliger Oberbürgermeister besonders am Herzen. Ist Trier schon Universitätsstadt?
Die Stadt hat sich eindeutig in Richtung Universitätsstadt entwickelt. Trier ist durch die Universität, nicht zuletzt durch die vielen Studierenden eine andere Stadt geworden. Und diese Entwicklung war und ist für Trier nicht negativ.

Die Vorgängerorganisation des Freundeskreises war eine Initiative, die Trier zum Universitätsstandort machen wollte. Das ist vor knapp 50 Jahren gelungen. Wozu braucht die Universität heute noch einen Freundeskreis?
Der Freundeskreis der Trierer Universität hat immer noch eine große Bedeutung. Die Universität befindet sich in einem Wettbewerb mit anderen Universitäten. In diesem Wettbewerb zu bestehen, ist nicht selbstverständlich. Und ich habe nicht den Eindruck, dass dieser Wettbewerb nachlassen wird. In Zukunft werden wohl immer weniger Studenten „zugewiesen“. Sie können sich mehr als bisher ihren Studienort aussuchen. Da entscheidet das wissenschaftliche Profil der Universität, aber auch die Qualität der Stadt als Universitätsstadt ist sehr wichtig. Für unseren Freundeskreis gibt es immer noch viele und wichtige Aufgaben.

Das niedrige Zinsniveau engt den finanziellen Spielraum des Freundeskreises ein. Wie stufen Sie diese Entwicklung ein?
Wir müssen unsere Aufgaben finanzieren. Dafür sorgen unsere rund 400 Mitglieder mit ihren Mitgliedsbeiträgen. Wir konnten in den vergangenen Jahren Rücklagen bilden. Die Verzinsung dieser Beträge ist auf ein Minimum gesunken. Wir sind aber auch sehr auf Spenden angewiesen. Und Spender, die uns zum Beispiel bisher immer aus ihren Stiftungen förderten, haben ebenfalls aufgrund des niedrigen Zinsniveaus nicht mehr die Möglichkeit, sehr großzügig zu sein. Unsere Arbeit wird schwieriger. Unsere Mitgliederzahl zu steigern, wäre ein kleiner Schritt der Verbesserung. Das wäre auch ein Wunsch, den ich hätte. Dabei sind auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region aufgefordert, über eine Mitgliedschaft sich zu ihrer Universität zu bekennen.

Es heißt, dass Sie nicht Nein sagen können, wenn man Sie um ehrenamtliche Unterstützung bittet. Das gilt gewiss auch für die nächste Wahl des Freundeskreis-Vorstandes?
Meine Frau sagt immer, in meinem Wortschatz würde das Wort „Nein“ fehlen. Ich habe in der Tat eine Vielzahl von Ehrenämtern. Dazu gehört übrigens auch ein Lehrauftrag am Lehrstuhl für Kommunal- und Umweltökonomie, der mir sehr viel Freude bereitet.
Die nächste Wahl im Freundeskreis steht 2019 an. Dann bin ich 12 Jahre Vorsitzender. Die Arbeit für die Universität hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Wir hatten auch eine großartige Zusammenarbeit in unserem Vorstand. Der Präsident hat unsere Arbeit sehr gut unterstützt. Er war eine große Hilfe. Das waren wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit. Ob ich aber in zwei Jahren noch einmal antrete, immerhin bin ich dann 77 Jahre alt, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist dann ja die Zeit zu einem Wechsel sinnvoll.

Kontakt

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