Bio­geo­gra­phen erfor­schen „Sala­man­der­fres­ser-Pilz“

Einer der Feu­er­sa­la­man­der in der Süd­ei­fel, von denen Pro­ben genom­men wurden.


Ursa­chen und Maß­nah­men gegen Mas­sen­ster­ben wer­den untersucht

Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Trier erfor­schen in einem neu­en Pro­jekt die Aus­brei­tung des „Sala­man­der­fres­ser-Pil­zes“ Bsal in Deutsch­land. Er gilt als Ursa­che von Mas­sen­ster­ben bei Feu­er­sa­la­man­dern und Mol­chen. Gemein­sam mit Kol­le­gen der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Braun­schweig sowie den Bio­lo­gi­schen Sta­tio­nen der Städ­te­re­gi­on Aachen und des Krei­ses Düren arbei­ten die Trie­rer Bio­geo­gra­phen auch an Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Pil­zes. Das Ver­bund­pro­jekt wird für drei Jah­re vom Bun­des­amt für Natur­schutz (BfN) gefördert.

Das neue Pro­jekt ist aus mehr­fa­cher Hin­sicht ein beson­ders wich­ti­ges“, erklärt BfN-Prä­si­den­tin Prof. Bea­te Jes­sel. „Der Feu­er­sa­la­man­der ist eine Art, für die wir in Deutsch­land eine beson­de­re natio­na­le Ver­ant­wor­tung haben. Außer­dem gefähr­det ein Aus­brei­ten des Pil­zes in Deutsch­land nicht nur den Feu­er­sa­la­man­der, son­dern der Pilz infi­ziert auch ande­re Sala­man­der- und Mol­char­ten. Sol­che Arten spie­len eine wich­ti­ge Rol­le in unse­ren Öko­sys­te­men. Somit könn­te durch Bsal die grund­le­gen­de Funk­ti­ons­fä­hig­keit gan­zer Öko­sys­te­me beein­träch­tigt werden.“

Nach dem Mas­sen­ster­ben von Feu­er­sa­la­man­dern in den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en wur­de Bsal mitt­ler­wei­le auch bei Feu­er­sa­la­man­dern und Mol­chen in der Eifel nach­ge­wie­sen. Die Abkür­zung „Bsal“ steht für den wis­sen­schaft­li­chen Namen des Erre­gers Batrachoch­yt­ri­um sala­man­dri­vor­ans. Die­ser als „Sala­man­der­fres­ser“ bekann­te Haut­pilz wur­de erst vor weni­gen Jah­ren an Feu­er­sa­la­man­dern in den Nie­der­lan­den entdeckt.

An der Uni­ver­si­tät Trier sind Prof. Dr. Ste­fan Löt­ters, Prof. Dr. Micha­el Veith und Dr. Nor­man Wag­ner an dem Pro­jekt betei­ligt. Ein Haupt­be­stand­teil ihrer Arbeit ist deskrip­ti­ves Moni­to­ring (über die Pro­benah­me von Haut­ab­stri­chen an Sala­man­dern und Mol­chen und über ein Moni­to­ring der Feu­er­sa­la­man­derlar­ven zur Über­prü­fung der Bestän­de), um Grund­la­gen­da­ten dar­über zu gewin­nen, wo der Pilz ver­brei­tet ist und mit wel­cher Geschwin­dig­keit er sich aus­brei­tet. Gera­de in Rhein­land-Pfalz mit einer 20 Jah­re alten Roten Lis­te der Amphi­bi­en und Rep­ti­li­en feh­len Basis­da­ten zur Ver­brei­tung der Wirts­ar­ten und damit auch zum Erlö­schen von Populationen.

Die bei den Tie­ren im Frei­land genom­me­nen Haut­ab­stri­che wer­den im Labor der Trie­rer Bio­geo­gra­phie ana­ly­siert, einem der weni­gen welt­weit für Bsal-Unter­su­chun­gen zer­ti­fi­zier­ten Labo­ra­to­ri­en. Hier wur­de Bsal erst­mals an Feu­er­sa­la­man­dern, Berg- und Teich­mol­chen aus der Eifel nach­ge­wie­sen sowie welt­weit erst­mals auch an frei­le­ben­den Faden­mol­chen und Kammmolchen.

Die Trie­rer Wis­sen­schaft­ler beschäf­ti­gen sich mit Bsal, seit die Pro­ble­ma­tik 2013 erst­mals erkannt wur­de. Schon im dar­auf­fol­gen­den Jahr nah­men sie Moni­to­ring-Arbei­ten in der Nord­ei­fel auf. Zusam­men mit der Uni­ver­si­tät Gent fan­den sie her­aus, dass Bsal seit min­des­tens 2004 in die­sem Gebiet ver­brei­tet ist und damit der Ursprungs­herd in Deutsch­land und nicht in den Nie­der­lan­den lie­gen könnte.

Die For­scher der Uni­ver­si­tät Trier schät­zen die Bedro­hungs­la­ge als sehr ernst ein, weil es bis­her kein bekann­tes Mit­tel gibt, die Seu­che im Frei­land ein­zu­däm­men. „Wir kön­nen zwar Ein­zel­in­di­vi­du­en im Labor behan­deln, aber Bsal ver­brei­tet sich im Frei­land nicht nur über frei­schwim­men­de Zoo­spo­ren, son­dern auch über bestimm­te Froschlur­che und man­che Mol­che. Die­se erkran­ken nicht selbst, stel­len aber Reser­voi­re und Über­trä­ger dar. Zudem bil­det der Pilz Zys­ten, die mona­te­lang bei­spiels­wei­se im feuch­ten Wald­bo­den über­dau­ern kön­nen“, erläu­tert Dr. Nor­man Wag­ner. Als eine Mög­lich­keit zur Erhal­tung der Popu­la­tio­nen und der gene­ti­schen Diver­si­tät gilt die Zucht mit gesun­den Tie­ren. Um Grund­la­gen für sol­che Erhal­tungs­zuch­ten zu schaf­fen, for­schen Dr. Nor­man Wag­ner und sein Kol­le­ge Dr. Joscha Benin­de seit ver­gan­ge­nem Jahr in einem wei­te­ren Pro­jekt zur Gene­tik der regio­na­len Molchbestände.

Die gemein­sa­me For­schungs­ar­beit der an dem Ver­bund­pro­jekt betei­lig­ten Part­ner von Braun­schweig bis Trier soll letzt­lich Grund­la­ge eines bun­des­wei­ten Manage­ments im Umgang mit Bsal sein und zu sei­ner Ein­däm­mung bei­tra­gen. Eine wei­te­re Aus­brei­tung des Pil­zes bis in die Alpen oder sogar in den Mit­tel­meer­raum wür­de die dor­ti­ge gro­ße Arten­viel­falt gefähr­den und wäre nicht nur für die Wis­sen­schaft­ler ein schlim­mes Szenario.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Infor­ma­tio­nen des BfN zum Feuersalamander
Info­blatt des BfN zu Bsal

Kon­tak­te:
Prof. Dr. Ste­fan Lötters
loetters@uni-trier.de

Dr. Nor­man Wagner
wagnern@uni-trier.de

Prof. Dr. Micha­el Veith
veith@uni-trier.de

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