Eine aka­de­mi­sche Geburts­tags­fei­er

20 Jah­re ist die Medi­en­wis­sen­schaft der Uni Trier gewor­den. Das hat das Fach mit einem gebüh­ren­den aka­de­mi­schen Fest­akt gefei­ert. Die Jubi­lä­ums­fei­er in der Foto­stre­cke.

Damals als Jan Ull­rich die Tour de Fran­ce gewon­nen hat, als Lady Di plötz­lich im Tun­nel starb, der  ers­te Har­ry Pot­ter Band in den Buch­lä­den erschien und die Trie­rer Ein­tracht den Erst­li­gis­ten der Fuß­ball­bun­des­li­ga Borus­sia Dort­mund aus dem Spiel um den Pokal des Deut­schen Fuß­ball­bun­des kick­te.

Zwan­zig Jah­re lie­gen die Ereig­nis­se zurück. In Erin­ne­rung dar­an eröff­ne­te Pro­fes­sor Hans-Jür­gen Bucher als Geschäfts­füh­rer des Fachs die Geburts­tags­fei­er der Medi­en­wis­sen­schaft. Vor zwan­zig Jah­ren hat er mit Pro­fes­sor Mar­tin Loi­per­din­ger die Medi­en­wis­sen­schaft an der Uni Trier gegrün­det.

Die Grün­dungs­jah­re: Jubi­lä­ums­gäs­te und Gruß­wort-Red­ner
Influ­en­cer und der neue hei­ße Scheiß: Der Fest­vor­trag mit Sil­ke Bur­mes­ter

Die Medi­en­wis­sen­schaft stellt sich heu­te ande­ren Her­aus­for­de­run­gen als vor zwan­zig Jah­ren: Die Medi­en­land­schaft hat sich tief­grei­fend ver­än­dert. Modems knar­zen und piep­sen nicht mehr. Smart­pho­nes erblick­ten das Licht der Welt, Bil­der flim­mern in 4K-Auf­lö­sung mit Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit Long Term Evo­lu­ti­on (LTE) über die Bild­schir­me sowie das Medi­en­an­ge­bo­te um ein Viel­fa­ches ange­wach­sen ist, wie mit Strea­ming-Diens­ten für Film, Musik und Pod­casts.

Jour­na­lis­tin und Buch­au­to­rin Sil­ke Bur­mes­ter schärf­te den Blick der Jubi­lä­ums­gäs­te in ihrem Fest­vor­trag für den Hype um das Influ­en­cer-Dasein. Bekannt als humo­ris­tisch und angriffs­lus­tig, über­schrieb sie ihr Vor­trags­the­ma mit dem Titel: “Ich bin so toll und die Medi­en wis­sen das: Vom Ver­mitt­ler zum Egoshoo­ter” Ja, Medi­en sei­en doch jetzt der hei­ße Scheiß. Es gäbe ein neu­es Berufs­feld: man macht irgend­et­was mit Medi­en. Nicht mehr Tier­pfle­ge. Sil­ke Bur­mes­ter stell­te fest, heu­te gel­te nicht mehr: “Wer nichts wird, wird Wirt.” Heu­te hei­ße es doch: “Wer nichts kann, wird Influ­en­cer.”

Sil­ke Bur­mes­ter wäh­rend ihre Fest­vor­trags: “Ich bin so toll und die Medi­en wis­sen das”

Die Reich­wei­ten und die Beliebt­heit der Influ­en­cer drü­cke das Selbst­be­wusst­sein der Jour­na­lis­ten an den Boden. Scherz­haft erwähnt Bur­mes­ter, dass Sie durch ihre Kolum­ne, in der sie als “Kriegs­re­por­te­rin an der Medi­en­front” auf­trat, auch schon über­legt habe, einen Mer­chan­di­sing-Shop ein­zu­rich­ten. Sie kön­ne ja in dem Shop Stahl­hel­me mit der Auf­schrift “Kriegs­re­por­te­rin” ver­kau­fen.

Der Jour­na­lis­mus tut sich schwer mit Ver­än­de­run­gen. Bur­mes­ter erin­ner­te an die Dis­kus­si­on zur Titel­sei­te der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung (FAZ). Soll­te ein Foto auf die Titel­sei­te: ja oder nein? Und dann wur­de es auch noch far­big. Wie lan­ge habe das nur gedau­ert. Erst 2007 führ­te die FAZ das Titel­bild auf der Titel­sei­te ein.

Tro­cken resü­mier­te die Jour­na­lis­tin ihre Rede zum Influ­en­cer-Tum ver­sus Jour­na­lis­mus, dass ein Gene­ra­tio­nen­wech­sel immer einer Sei­te weh tut: “So war es und so wird es immer sein.”

Über­ra­schungs­fil­me und Prä­sen­ta­ti­on eines Online­mags

Was wäre eine medi­en­wis­sen­schaft­li­che Jubi­lä­ums­fei­er ohne Medi­en­ein­satz. Die­sen Teil steu­er­ten die Stu­die­ren­den des Fachs zum Pro­gramm bei. Mit einem Film­bei­trag fass­ten sie die 20-jäh­ri­ge Geschich­te des Fachs kurz zusam­men und lie­ßen Stu­die­ren­de sowie die Dozen­ten und Dozen­tin­nen der Medi­en­wis­sen­schaft zu Wort kom­men: der klei­ne Ein­blick in die Trie­rer Medi­en­wis­sen­schaft.

Den größ­ten Ah-und-Oh-Effekt aber erreich­te wohl das stu­den­ti­sche Film­team, dass es sich zur Auf­ga­be gemacht hat­te, einen klei­nen Über­ra­schungs-Abschieds­film für Pro­fes­sor Loi­per­din­ger zu dre­hen. Pro­fes­sor Loi­per­din­ger eme­ri­tiert im März.

Die Eröff­nungs­sze­ne des Films begann am Trie­rer Bahn­hof. Dann blen­de­te die Ein­stel­lung über in einen der bekann­tes­ten, ers­ten Fil­me der Brü­der Lumie­re: „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahn­hof in La Cio­tat”. Damals, als die Zuschau­er im Kino den Zug auf sich zurol­len sahen, rann­ten sie noch in Scha­ren vor dem Film davon. In der Pro­mo­ti­ons­au­la blie­ben alle sit­zen und Pro­fes­sor Loi­per­din­ger dabei sicht­lich gerührt. Die Sze­ne ist die, die der Pro­fes­sor für Film­ge­schich­te sei­nen Stu­die­ren­den häu­fig als ers­tes im Stu­di­um zeig­te.

Dem Fach wird Pro­fes­sor Loi­per­din­ger trotz­dem wei­ter treu blei­ben. Er hat zu Asta Niel­sen, dem ers­ten Film-Welt­star, ein gro­ßes For­schungs­pro­jekt an Land gezo­gen. Das wird er natür­lich wei­ter­hin betreu­en.

Da Pro­fes­sor Loi­per­din­ger ein Wan­ders­mann ist und sei­nen Ruhe­stand für das Rei­sen nut­zen möch­te, hat sich die Medi­en­wis­sen­schaft mit noch zwei klei­nen Geschen­ken von ihm an die­sem Abend ver­ab­schie­det: ein Bild­band zum Wan­dern im Hima­la­ya und eine Stirn­lam­pe, damit er nie die Ori­en­tie­rung ver­lie­re.

Der drit­te media­le, stu­den­ti­sche Bei­trag zum Pro­gramm war die Prä­sen­ta­ti­on eines Online­ma­ga­zins. 14 Mas­ter­stu­die­ren­de hat­ten unter Lei­tung von Prof­fes­sor Bucher ein Online­ma­ga­zin anläss­lich des Jubi­lä­ums kon­zi­piert. Unter dem Claim “Medi­en­wis­sen­schaft: leben­dig – viel­sei­tig – ein­zig­ar­tig” haben die Stu­die­ren­den eine Web­sei­te gebaut und Inter­views mit vie­len Per­so­nen rund um die Medi­en­wis­sen­schaft geführt. In der Pla­nung und Umset­zung des Online­mags hat­ten sie auch Unter­stüt­zung von außer­halb: Jour­na­list Paul-Josef Raue, ehe­ma­li­ger Chef­re­dak­teur ver­schie­de­ner Zei­tun­gen und Eber­hard Wolf Art, der Head of Design des Luxem­bur­ger Worts.

Der Film zu 20 Jah­ren Medi­en­wis­sen­schaft wird in Kür­ze zur Ver­fü­gung ste­hen. Das Online-Maga­zin wird zum Semes­ter­en­de frei­ge­schal­tet und ist über die Home­page des Faches erreich­bar.

Ver­schab­schie­dung der dienst­äl­tes­ten Sekre­tä­rin: Marie Lui­se Sachs

Wahr­schein­lich kennt sie wie kaum eine ande­re die Geschich­te der Medi­en­wis­sen­schaft. Marie Lui­se Sachs ist die Sekre­tä­rin Pro­fes­sor Loi­per­din­gers. Sie hat die Medi­en­wis­sen­schaft von den Grün­dungs­jah­ren bis heu­te am Lehr­stuhl Loi­per­din­gers beglei­tet. Ihre lie­be­vol­le und hilfs­be­rei­te Art wuss­ten auch die Stu­die­ren­den immer zu schät­zen. Pro­fes­sor Loi­per­din­ger ergriff im Fest­akt die Gele­gen­heit und bedank­te sich bei Marie Lui­se Sachs mit herz­li­chen Wor­ten und einm gro­ßen Blu­men­strauß.

Gedenk­wor­te für Pro­fes­sor Dr. Klaus Arnold

Von einem war immer wie­der auf der Jubi­lä­ums­fei­er die Rede, von Pro­fes­sor Dr. Klaus Arnold. Im Jahr 2010 brach­te Klaus Arnold als Jüngs­ter im Pro­fes­so­ren-Team die Öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on in die Medi­en­wis­sen­schaft ein. In sei­ner For­schung wid­me­te sich Arnold ins­be­son­de­re der Qua­li­tät im Jour­na­lis­mus und lie­fer­te damit einen bedeu­ten­den wis­sen­schaft­li­chen Bei­trag für das Fach im deutsch­spra­chi­gen Raum. An der Uni­ver­si­tät Trier brach­te er unter ande­rem ein gro­ßes For­schungs­pro­jekt zum Lokal­jour­na­lis­mus auf den Weg, des­sen Fer­tig­stel­lung er nicht mehr erle­ben darf: Pro­fes­sor Arnold ist im letz­ten Jahr nach kur­zer, schwe­rer Krank­heit gestor­ben.

Ein Teil der Aus­stel­lung 20 Jah­re Medi­en­wis­sen­schaft: Geden­ken an Prof. Dr. Klaus Arnold

Der Kampf um media­le Auf­merk­sam­keit”: Die Podi­ums­dis­kus­si­on

Den Schluss­punkt der Jubi­lä­ums­fei­er setz­te die Podi­ums­dis­kus­si­on. Medi­en­be­ra­ter und Hono­rar­pro­fes­sor Joa­chim Blum mode­rier­te die Dis­ku­tan­ten zum The­ma “Schril­ler -Schnel­ler – Schrä­ger? Der Kampf um media­le Auf­merk­sam­keit”. Auf dem Podi­um saßen Cristoff­er Cou­t­in­ho (Niel­sen Sport), Tho­mas Roth (Chef­re­dak­teur Trie­ri­scher Volks­freund), Sven Teu­ber (SPD), Anja Weck­mann (SWR) und Anna Weil­berg (Fem­tastics).

Pünkt­lich zum Jubi­lä­um fer­tig gewor­den: Die Absol­ven­ten des Jahr­gangs

Die Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten der Medi­en­wis­sen­schaft

Get toge­ther zwi­schen den Pro­gramm-Höhe­punk­ten des Fest­akts
Mehr Erfah­ren

Mehr Fotos sind auch auf der Face­book-Fan­page der Medi­en­wis­sen­schaft ein­ge­stellt.

Zum wei­ter­füh­ren­den Arti­kel über das 20-jäh­ri­ge Jubi­lä­um.

Die Geburts­tags­ein­la­dung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.