Katis Tra­vel Log: Ein­mal quer durch Shikoku

Etap­pe 1: Matsuyama


Tag 1 – 22. März

Mor­gens ste­he ich sehr früh auf. Ja, es wird so gegen 5 Uhr mor­gens gewe­sen sein. Ich trin­ke einen Kaf­fee und esse eilig ein Toast zum Früh­stück. Dann bre­che ich auf, um pünkt­lich am Bahn­hof zu sein. Dort war­ten mei­ne Mit­rei­sen­den auf mich: Hen­rik, ein wei­te­rer Aus­tausch­stu­dent aus Trier (einige wer­den ihn ken­nen) und ein Freund von ihm namens Shun­ya. Zu dritt fah­ren wir mit dem Bus zum Flug­ha­fen Nari­ta und flie­gen mit dem Flug­zeug wei­ter nach Mats­u­y­a­ma auf Shikoku.

Shi­ko­ku ist eine der vier Haupt­in­seln Japans und liegt von Tokio aus im Süd­wes­ten. Die Insel besteht Haupt­säch­lich aus Ber­gen und sehr viel Natur. Es ist eine länd­li­che Gegend – und genau des­we­gen woll­ten wir dorthin.

Mats­u­y­a­ma ist die größ­te Stadt auf der gan­zen Insel. Doch für uns, die aus Tokio kom­men, könn­te der Kon­trast kaum grö­ßer sein. Es ist unge­wöhn­lich still in den Stra­ßen. Das Gebrum­me der Groß­stadt fehlt. Die Laden­stra­ßen sind weni­ger bestückt als man es gewohnt ist. Die Züge bestehen nur aus zwei bis drei Wagons statt den übli­chen zehn. Aber beson­ders auf­fäl­lig ist: Es gibt ein aus­ge­präg­tes Nah­ver­kehrs­netz aus Bus­sen und Stra­ßen­bah­nen. Beson­ders die alt anmu­ten­den Wagen der Stra­ßen­bahn sind beein­dru­ckend. Sie könn­ten aus einem Film von vor 50 Jah­ren stammen.

Wir haben uns in einem Cap­su­le Hotel ein­quar­tiert. Jeder von uns hat eine ca. 2 Qua­drat­me­ter gro­ße Kap­sel als Zim­mer zur Ver­fü­gung. Es ist unge­wohnt, aber gemüt­li­cher als man erwar­tet. Nach­dem wir unser Gepäck in unse­re Locker ein­ge­schlos­sen haben, bre­chen wir auf. Unse­re Zeit ist begrenzt und wir wol­len etwas von der Stadt sehen.

Bis jetzt die leckers­ten Ramen, die ich in Japan geges­sen habe.

Zuerst erfor­schen wir eine Laden­stra­ße, die sich über­dacht quer durch die Stadt zieht. Es scheint mir der Mit­tel­punkt der Stadt zu sein. Vie­le klei­ne Läden rei­hen sich anein­an­der und in einem Restau­rant, das für sei­ne Küche schein­bar eine Aus­zeich­nung bekom­men hat, essen wir Ramen. Die waren echt lecker!

Danach besich­ti­gen wir das Schloss. Das liegt auf einem Berg. Man kann es sowohl mit einem Rope­way oder auch zu Fuß errei­chen. Wir ent­schei­den uns, zu lau­fen und klet­tern den Berg hoch, durch die Natur, die den Schloss­berg umringt. Das Schloss selbst ist das Ers­te, dass ich in die­sem Japan­auf­ent­halt besich­ti­ge und ich fin­de es sehr schön. Lei­der hat man es nicht gut foto­gra­fie­ren kön­nen. Im angren­zen­den Bereich ste­hen vie­le Kirsch­blü­ten­bäu­me, die gera­de an der Schwel­le dazu sind auf­zu­blü­hen. Könn­ten wir ein bis zwei Tage spä­ter dort sein, hät­ten wir die Kirsch­blü­te sehen kön­nen. Wir besich­ti­gen das Schloss, von außen und innen. Innen kann man in einem der vie­len Räu­me eine Samu­rai Rüs­tung anle­gen und Fotos schie­ßen. Da es aller­dings recht voll war, haben wir das blei­ben las­sen. Es ist bereits Nach­mit­tag und weil das Schloss um 17 Uhr die Tore schließt, machen wir uns auf den Weg nach drau­ßen. Wir ent­schei­den uns auf der ande­ren Berg­sei­te abzu­stei­gen und lau­fen einen schma­len Wald­weg herab.
Am Fuße des Ber­ges befin­det sich eine alte Trep­pe. Sie sieht aus wie einer alten Geschich­te ent­nom­men. Hier ver­brin­gen wir ein biss­chen Zeit mit Fotos schießen.

Am Fuß des Schlos­ses gibt es eine alte Treppe.

Dann keh­ren wir erschöpft ins Hotel zurück und schlie­ßen den ers­ten Tag erfolg­reich ab.

 

Tag 2 – 23. März

Am zwei­ten Tag unse­rer Rei­se beschlie­ßen wir, eine nahe­ge­le­ge­ne Insel zu erkun­den und machen uns auf den Weg zum Hafen. Hier­bei stel­le ich erschro­cken fest, dass das, was in Tokio All­tag ist, hier noch lan­ge nicht ange­kom­men ist. Mein Pas­mo und mei­ne Sui­ca (mei­ne Bahn­netz IC Kar­ten) sind völ­lig nutzlos.

Die­se Gerä­te funk­tio­nie­ren nur mit der ört­li­chen Kar­te. Ech­te Tickets muss man dem Bahn­be­am­ten geben.

In Tokio kann man mit die­sen Kar­ten das gesam­te Bahn und Bus­netz benut­zen und vie­ler­orts funk­tio­nie­ren sie sogar als Zah­lungs­me­tho­de. Das Sys­tem ist ein­fach: man lädt Geld auf die­se Kar­ten und benutzt sie als Ticket, die man gegen einen Sen­sor bei den Ticket­schran­ken am Ein- und am Aus­gang des jewei­li­gen Bahn­hofs hält. Dann wird das ent­spre­chen­de Geld für die Rou­te, die man gefah­ren ist, abge­bucht. Die­se Kar­ten funk­tio­nie­ren in ganz Japan. Ein Freund benutz­te sie auf Hok­kai­do. Nur hier funk­tio­nie­ren sie nicht.

Ich lege mei­ne Kar­te auf den IC Kar­ten-Auf­la­der (Char­ger). Nichts pas­siert. Sie wird nicht erkannt. Das Gerät scannt nur die loka­len Kar­ten. Wie in einer Stadt oder einer Prä­fek­tur funk­tio­nie­ren die Kar­ten nir­gends sonst, sind nur hier gül­tig. Die Ticket­au­to­ma­ten neh­men nur 1000 Yen Schei­ne (das Äqui­va­lent zu unse­ren 10 Euro Schei­nen). Ich gera­te in Not – ich habe nur grö­ße­re Schei­ne, da ich vor dem Urlaub Geld abge­ho­ben habe.

Wir zie­hen uns also Tickets am Auto­ma­ten und machen uns bereit durch die Ticket­schran­ken zu gehen. Aber auch die­se feh­len. Statt­des­sen geht man an einem Bahn­hofs­be­am­ten vor­bei, der einem ein Loch in die Kar­te stanzt. Wenn man das Bahn­netz ver­lässt, sam­melt der dor­ti­ge Beam­te die Fahr­kar­ten ein. Für uns, die an das voll tech­ni­sier­te Sys­tem, das sonst über­all in Japan funk­tio­niert, gewöhnt sind, wirkt das befremd­lich – wie ein Sprung durch die Zeit.

Dann fah­ren wir mit der Fäh­re auf die Insel Gogo­shi­ma. Hier woh­nen nur weni­ge hun­dert Men­schen und in dem Ort, in dem wir ankom­men, gibt es nur einen Super­markt. Man kann sich Fahr­rä­der mie­ten, um die ber­gi­ge Insel zu umrun­den, doch wir kom­men am fal­schen der bei­den klei­nen Häfen an. Also beschlie­ßen wir, den höchs­ten Berg der Insel, wel­cher ‚klein Fuji‘ heißt, zu erstei­gen. Die­ser Berg ist zwar nur 200–300 Meter hoch, doch macht einem der stei­le Anstieg über einen ver­wu­cher­ten Weg durch das Gebüsch – ohne jeg­li­che Siche­rung – ganz schön zu schaffen.

Ansicht auf den Berg von der Fäh­re aus.

Zum klei­nen (mini) Fuji geht es hier lang!

Fast oben angekommen…wir sind ganz schön geschafft!

Da wir auch eini­ge Pau­sen machen und eine Men­ge Fotos, dau­ert der Anstieg ca. eine Stun­de. Aber oben ange­kom­men hat sich die gan­ze Mühe gelohnt. Die Aus­sicht auf das blaue Meer und die vie­len klei­nen Inseln um uns her­um ist traum­haft schön. Und auch die Insel auf der wir uns befin­den ist vol­ler Natur und deko­ra­ti­ver Land­schaft. Die Leu­te, die hier woh­nen, schei­nen ihr Geld mit dem Anbau von Mikan zu ver­die­nen, denn die­se man­da­ri­nen­ähn­li­chen Früch­te über­sä­hen die gesam­te Insel.

Nach einer Pau­se auf der Berg­spit­ze begin­nen wir den Abstieg. Unten ange­kom­men beschlie­ßen wir, die Insel ein biss­chen zu erkun­den und legen den Weg bis zum nächs­ten Hafen zu Fuß zurück. Eini­ge Kilo­me­ter zurück­le­gend genie­ßen wir das Meer zu unse­rer Rech­ten und die Natur zu unse­rer Lin­ken. Nur sel­ten kommt ein Auto vorbei.

Dōgō Onsen – lei­der im Dun­keln schwer zu fotographieren

Die­se alte Lok steht dort wegen eines Buchs Natsu­me Sōsekis

Gegen frü­hen Abend fah­ren wir mit der Fäh­re zurück, denn wir haben noch etwas vor. Nach einem klei­nen Stopp im Hotel machen wir uns auf zum Dōgō Onsen – das, was Mats­u­y­a­ma eigent­lich berühmt macht. Onsen sind öffent­li­che Bäder, gespeist durch hei­ße Quel­len. Sie sind aber nicht zum Schwim­men, son­dern, ähn­lich wie eine Sau­na mit Was­ser, zum hin­ein­set­zen und ent­span­nen gedacht. Es ist eins der ältes­ten Onsen Japans mit einer angeb­lich über 1000 Jah­re alten Tra­di­ti­on. Eben­falls ist es bekannt im Zusam­men­hang mit dem Schrift­stel­ler Natsu­me Sōse­ki. Und ja, einen Besuch war es defi­ni­tiv wert. Wir ver­brin­gen eine gute Stun­de in den Bädern und machen uns dann gut erholt auf den wohl­ver­dien­ten Heimweg.

 

 

Mor­gen geht es wei­ter zu der nächs­ten Etap­pe: Kōchi

 

To be continued.…

Kati

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