Katis Tra­vel Log Teil 2

Etap­pe 2: Kōchi

Tag 3. 24 März

Mor­gens bre­chen wir auf. Wir fah­ren mit dem Auto­bahn-Bus direkt bis Kōchi. Schon am frü­hen Nach­mit­tag errei­chen wir unser Ziel, doch kön­nen erst spä­ter, gegen Abend, in unse­rem Hotel ein­che­cken. Wir sper­ren also unse­re Sachen in Schließ­fä­chern im Bahn­hof weg und machen uns auf die Suche nach etwas zu Essen.

Die­se Sta­tue steht in Kōchi vor dem Bahn­hof

Vor dem Bahn­hof ragen drei rie­si­ge Stau­en von Samu­rai in den blau­en Him­mel. Sie schei­nen aus der Regi­on zu kom­men und der Stolz oder Tou­ris­ten­ma­gnet die­ser Stadt zu sein. In der Nähe sind ein paar Laut­spre­cher ange­bracht, aus denen west­li­che Pop­mu­sik schallt. Gepaart mit den grim­mi­gen Bli­cken der Samu­rai in ihren tra­di­tio­nel­len Roben kommt einem das Gan­ze gro­tesk und wider­sprüch­lich vor.

Naja, wir machen uns also auf den Weg, die Gegend zu erkun­den und ein klei­nes Restau­rant für ein etwas spä­te­res Mit­tag­essen zu fin­den. Unter­wegs machen wir zwei erschre­cken­de Fest­stel­lun­gen.

  1.  Wenn das Ticket­sys­tem in Mats­u­y­a­ma mir ver­al­tet vor­kam, dann bin ich in Kōchi in der Anti­ke ange­kom­men. Hier gibt es noch nicht ein­mal IC-Kar­ten. Nur Tickets aus Papier. Nichts ist digi­tal. Alles funk­tio­niert über Bar­geld und ….Ticket­au­to­ma­ten. WOW. Ich bin nun voll­kom­men aus mei­nem Ele­ment.
  2. Auch wenn Kōchi angeb­lich die größ­te Stadt im Süden Shi­ko­kus sein soll, merkt man doch, dass es die ein­zi­ge grö­ße­re Stadt im Süden der Insel ist. Es könn­te genau­so gut ein Dorf sein. Fast alle Läden schlie­ßen mit­tags um 14 Uhr und gehen in die Mit­tags­pau­se. Wir durch­strei­fen Stra­ße um Stra­ße und ste­hen vor unzäh­li­gen geschlos­se­nen Türen. Unse­re simp­le Suche nach etwas zu Essen scheint zu schei­tern.

Nach lan­gem Suchen, denn die Stra­ßen sind wirk­lich wie leer gefegt, fin­den wir eine Art öffent­li­che Men­sa, in der wir etwas zu Essen kau­fen kön­nen. Das Gebäu­de ist alt und kaum ein Kun­de ist dort. Eine Radio­an­la­ge mit Kas­set­ten­deck spielt Musik. Ich füh­le mich in mei­ne Kind­heit zurück­ver­setzt, außer, dass es nicht wie bei mir zu Hau­se aus­sieht. Hier deko­rie­ren Pal­men die Land­schaft. Es kommt einem recht süd­län­disch vor, fast als wäre man in Spa­ni­en.

Nach­dem wir uns nun mit eini­ger Mühe erfolg­reich gestärkt haben, gehen wir das hie­si­ge Schloss besich­ti­gen. Ich gehe mit der Erwar­tung rein, dass die­ses Schloss ähn­lich dem in Mats­u­y­a­ma sein wird, doch wer­de ich posi­tiv über­rascht. Die­ses Schloss hat sei­nen ganz eige­nen Charme und mei­ner Mei­nung nach, ist es beein­dru­cken­der als das Schloss Mats­u­y­a­mas.

In der Zwi­schen­zeit hat die Kirsch­blü­te begon­nen und rund um das Schloss ste­hen Kirsch­blü­ten­bäu­me, deren zar­tes weiß-rosa zusam­men mit dem mil­den Wet­ter und dem kunst­vol­len Schloss eine post­kar­ten­ähn­li­che Sze­ne­rie malt. Vom obers­ten Geschoss des Schlos­ses aus kann man die gesam­te Stadt erbli­cken, die kom­plett von Ber­gen ein­ge­zäunt ist. Hin­ter eini­gen von die­sen muss sich das Meer befin­den, denn wir sind ganz in der Nähe der Küs­te. Wir genie­ßen die Aus­sicht und die Natur der Umge­bung, bevor wir uns auf den Rück­weg machen, um im Hotel ein­zu­che­cken.

Pal­men geben der Stadt etwas Süd­li­ches

Das ist das Schloss in Kōchi

Abends machen wir uns noch ein­mal auf, um einen gemüt­li­chen Tages­ab­schluss in einer Iza­ka­ya, einer Knei­pe, zu ver­brin­gen und wenigs­tens hier­mit sind wir recht schnell fün­dig. Spä­ter keh­ren wir erschöpft in unse­re Zim­mer zurück.

 

Tag 4. 25 März

Heu­te beschlie­ßen wir zum Strand zu fah­ren. Anders als in Mats­u­y­a­ma, grenzt Kōchi an den Pazi­fik und einen Blick aufs offe­ne Meer wol­len wir uns nicht ent­ge­hen las­sen. Wir neh­men also einen (recht teu­ren) Nah­ver­kehrs­bus bis nach Kats­ura­ha­ma, den Strand an den wir möch­ten.

 

Ryō­ma Toilettenpapier…nur eines vie­ler erfin­dungs­rei­cher Sou­ve­ni­ers

Wenn uns ges­tern auf­fiel, dass es in Kōchi nicht beson­ders viel gibt, ver­ste­hen wir heu­te, womit das Feh­len vie­ler Tou­ris­ten­at­trak­tio­nen kom­pen­siert wird. Saka­mo­to Ryō­ma. Das ist ein sehr berühm­ter Samu­rai aus der Baku­matsu-Zeit und er kommt allem Anschein nach aus Kōchi, denn die Sou­ve­nirs, die wir nach unse­rer Ankunft fin­den, dre­hen sich fast alle nur um ihn. Sogar Ryō­ma Toi­let­ten­pa­pier kann man sich kaufen…was ich jedoch ein wenig gru­se­lig fin­de. Es gibt Ryō­ma Kaf­fee, Taschen, Lunchboxen…ja manch eine Stra­ße ist sogar nach ihm benannt und ich mei­ne, auch der ört­li­che Flug­ha­fen trägt sei­nen Namen. Der arme Kerl wird soweit es nur geht für alles benutzt. Aber naja, es scheint eine Men­ge Fans die­ser Per­son zu geben.

Wie dem auch sei, wir lau­fen den Strand ent­lang und genie­ßen die Aus­sicht auf den unglaub­lich blau­en Pazi­fik, der sich Rich­tung Hori­zont in die Ewig­keit aus­zu­stre­cken scheint. Das Wet­ter ist gut und wir beschlie­ßen ein wenig durch das küh­le Was­ser zu waten. Lei­der haben wir hier­bei die Kraft der Wel­len leicht unter­schätzt und ein kräf­ti­ger Stoß an Was­ser über­spült unse­re hoch­ge­krem­pel­ten Hosen. Wir wer­den nass.
In Ufer­nä­he steht ein klei­ner Fel­sen auf dem wir uns trock­nen las­sen und prompt ein wenig her­um­klet­tern. Dabei sind eini­ge ziem­lich net­te Fotos ent­stan­den. Auch die spa­zie­ren­den Fami­li­en um uns her­um schei­nen sich an die­sem Fels­bro­cken zu erfreu­en, denn wir beob­ach­ten meh­re­re Kin­der, Mäd­chen wie Jun­gen, die ver­su­chen den Stein zu erklimmen…und dann beim Abstieg schei­tern und von Mama und Papa geret­tet wer­den müs­sen.

Hier bin ich an der Küs­te

Wir gehen auf eine Art Aus­sichts­platt­form. Neben einem klei­nen Schrein in direk­ter Küs­ten­nä­he steht eine Art Schild, auf wel­chem man die Him­mels­rich­tun­gen und die sich dort befin­den­den Städ­te lesen kann. Gera­de­aus aufs blaue Meer hin­aus geht es nach Aus­tra­li­en, das wei­ter ent­fernt ist als gedacht. Gan­ze 7800 Kilo­me­ter sind es noch. Hin­ter uns in etwa der­sel­ben Rich­tung lie­gen Tokio…und New York. Das über­rascht mich ein wenig, hat aber wohl mit dem Win­kel zu tun.

Wir ver­brin­gen noch ein biss­chen mehr Zeit am Strand und essen zwi­schen­durch in einem der Strand­re­stau­rants. Es erin­nert mich ein biss­chen an die klei­nen Tou­ris­ten­spots direkt an der Nord- oder Ost­see, wo die Gebäu­de bes­se­re Tage gese­hen haben und auch der Strand nicht wirk­lich über­rannt ist und doch…ist es irgend­wie ange­nehm.

Nach einem gemüt­li­chen Tag am Strand fah­ren wir zurück und las­sen es den Abend über locker ange­hen. Mor­gen geht es wei­ter nach Taka­matsu.

 

Etap­pe 3: Taka­matsu

Tag 5. 26. März

Wir bre­chen auf und las­sen das Hotel hin­ter uns (ich bin schon fast glück­lich dar­über, denn auch wenn es durch­aus gemüt­lich war, füh­le ich mich doch ein wenig selt­sam in einem Hotel, dass neben sei­nen Fern­se­her Wer­bung für ….das Erwach­se­nen­pro­gramm legt….brrrh). Die Fahrt nach Taka­matsu dau­ert erneut ca. 2 bis 3 Stun­den.

Das ers­te, was uns nach Ankunft auf­fällt, ist dass es hier end­lich ein wenig städ­ti­scher aus­sieht. Es könn­te fast ein Vor­ort Tokios sein – wenn man es mit unse­ren vor­he­ri­gen Stopps ver­gleicht. Wir benut­zen aller­dings weder Bus noch Bahn. Also weiß ich lei­der nicht, ob wir hier even­tu­ell end­lich unse­re IC-Kar­ten hät­ten benut­zen kön­nen.

Taka­mas­tu liegt wie Mats­u­y­a­ma am Bin­nen­meer. Wir wol­len eigent­lich raus, zwei berühm­te Inseln besu­chen (Ogi­ji­ma und Megi­ji­ma), doch kom­men wir am frü­hen Nach­mit­tag an und der Fähr­ver­kehr lässt es nicht zu….wir hät­ten nur eine Stun­de Auf­ent­halts­zeit! Außer­dem knur­ren unse­re Mägen.

Statt­des­sen machen wir uns auf, die Spe­zia­li­tät der Prä­fek­tur zu pro­bie­ren: Sanu­ki Udon.

Udon Nudeln schei­nen hier beson­ders lecker zu sein und tat­säch­lich fin­den wir in unmit­tel­ba­rer Umge­bung ein Restau­rant, dass die ört­li­che Spe­zia­li­tät anbie­tet. Mir fällt kei­ne bes­se­re Beschrei­bung ein, als zu sagen, dass die­se Udon wirk­lich sehr lecker waren.

Danach beschlie­ßen wir ohne groß nach­zu­den­ken, uns das ört­li­che Schloss anzu­se­hen und machen uns auf den Weg. An den Schloss­gär­ten ange­kom­men, wer­den wir von einem alten Mann ange­hal­ten, der eine Peti­ti­on lei­tet, das Schloss wie­der in sei­ner alten Grö­ße auf­zu­bau­en. Wir stut­zen. Aber da es uns ein net­tes Vor­ha­ben zu sein scheint, geben wir unse­re Unter­schrif­ten. Der Mann ist auch gut erstaunt, dass wir japa­ni­sche Adres­sen haben…er wies uns vor­her dar­auf hin, dass wir ein­fach ‚Ame­ri­ka‘ oder so schrei­ben könn­ten. Er bedankt sich herz­lich für unse­re Unter­stüt­zung und wir machen uns dann auf den Weg…nur…..da ist kein Schloss.

Jetzt begrei­fen wir, was hier eigent­lich los ist. Das Schloss von Taka­matsu gibt es im Moment gar nicht. Zumin­dest nicht mehr als ein paar ver­ein­zel­te Gebäu­d­chen. Ups.

Im Ritsu­rin Park

Wir wan­dern also ein wenig ver­lo­ren in den Gär­ten her­um und sind schnel­ler als erwar­tet mit der Besich­ti­gung fer­tig. Was nun?
Nach ein wenig Recher­che ent­schei­den wir uns in den Ritsu­rin Park zu gehen. Die­ser liegt drei Kilo­me­ter ent­fernt. Mei­ne Füße sind von unse­rem vie­len Her­um­lau­fen platt und schmerz­haft und den Ande­ren geht es auch nicht bes­ser. Den­noch wer­de ich über­stimmt und wir lau­fen zu Fuß bis zum Park…und dann durch ihn hin­durch. Mei­ne Füße bren­nen, denn wir legen jeden Tag über 15 Kilo­me­ter zu Fuß zurück.
Der Besuch des Parks hat sich jedoch auf jeden Fall gelohnt, denn von wun­der­schö­nen alten Gebäu­den, Brü­cken und Was­ser­fäl­len hin zur Kirsch­blü­te und kunst­voll ange­leg­ter Natur bie­tet die Sze­ne­rie wirk­lich alles. Die Natur um einen her­um ist umwer­fend schön und könn­te aus einem Kata­log stam­men. Wir ver­brin­gen den Rest des Nach­mit­tags hier und lau­fen dann (zu Fuß!) wie­der zurück.

Abend­essen am letz­ten Abend

Unser Hotel liegt ein wenig Abseits und scheint mir sei­ne bes­ten Tage bereits hin­ter sich gelas­sen zu haben, doch erfüllt es sei­nen Zweck. Abends machen wir uns ein letz­tes Mal auf, ein Restau­rant zu suchen. Und tat­säch­lich sind wir mehr als nur fün­dig. Wir schlie­ßen die Rei­se mit einem Besuch in einem traum­haft guten Steak­re­stau­rant ab. Ich ent­schei­de mich zwar gegen ein Steak und bestel­le statt­des­sen Enten­fleisch, doch ist auch die­ses gött­lich gut. Als dann das Essen an den Tisch kommt, steht auf ein­mal hin­ter einem der Kell­ner mit einem Leib Käse in der Hand, des­sen obers­te Schicht über Feu­er abge­schmol­zen wur­de. Die­se schabt er dann mit einem Küchen­mes­ser über das frisch ser­vier­te Fleisch. Und. Es. Ist. Unglaub­lich. Lecker. Denn nicht nur das Fleisch ist gut zube­rei­tet, nein, guter Käse ist in Japan eine Sel­ten­heit, und so erfreu­en sich unse­re Gau­men erheb­lich. Ein guter Abschluss einer tol­len Rei­se.

Tag 6. 27 März

Es ist Rück­rei­se­tag. Wir ste­hen früh auf. Das Ticket für den Bus nach Taka­matsu Flug­ha­fen kön­nen wir nur am Bahn­hof zie­hen und, da es sich um einen ein­fa­chen Ticket­au­to­ma­ten han­delt, muss das am sel­ben Tag gesche­hen. Und aus irgend­ei­nem Grund fah­ren gleich zwei Bus­se in gerin­gem Abstand um etwa 10 Uhr…und der nächs­te erst gegen 13 Uhr, was uns ein biss­chen zu spät ist. Wir sind also sehr früh am Flug­ha­fen und haben einen hal­ben Tag, den wir irgend­wie tot­schla­gen müs­sen. Letzt­end­lich ist der letz­te Tag unse­rer Rei­se event­los. Wir sit­zen meh­re­re Stun­den in einem Café bis wir end­lich los­flie­gen.

Am frü­hen Abend sind wir wie­der in Tokio und dann, gegen 19 Uhr end­lich wie­der zu Hau­se mit dem Gefühl eine span­nen­de Woche ver­bracht zu haben.
Ich jeden­falls wür­de ger­ne wie­der Ver­rei­sen. Wer weiß, ob mir das gelingt?

 

Bis bald! Kati

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