Bye-bye Comfort Zone!

Über mein großes Glück, an der Hamline University gelandet zu sein und was es mir gebracht hat (+ Bonusgedicht 🙂 ).

Für mich als Literatur und Schriftstellerei begeisterten Menschen war es ein großes Glück, dass mich mein Auslandsjahr in die Twin Cities und, genauer noch, an die Hamline University verschlagen hat. In den Twin Cities findet sich eine der größten Künstlerszenen der USA und Hamline bietet dementsprechend viele kunstorientierte Studiengänge an, unter anderem auch einen Bachelorstudiengang für Creative Writing und das als einzige Universität in den gesamten Twin Cities. Diese einzigartige Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen und so habe ich mich dieses Semester in einem der begehrten Einführungskurse angemeldet.

Anders als in Europa ist Creative Writing ein gängiger Studiengang in den USA und weil das amerikanische Studium darauf aufbaut, dass man sich in mehreren Fachbereichen ausprobiert, anstatt sich, wie in Deutschland, nur auf sein Haupt- und Nebenfach zu konzentrieren, hat jeder die Möglichkeit, sich an dem Studiengang zu versuchen. Der Einführungskurs, den ich belege, wird in zwei wöchentlichen, 90-minütigen Sitzungen abgehalten. Einer, bestehend aus Theorie und Schreibübungen, der andere aus Workshops von Gastsprechern, alle unter ihnen lokale Schriftsteller, die Ausschnitte aus ihren Werken vortragen, Fragen beantworten und Tipps und Tricks verraten. Auch unsere Dozentin ist eine angehende Schriftstellerin und immer darum bemüht, unsere kleine Gruppe von 20 Studenten aus der Reserve zu locken.

Die Möglichkeit einen solchen Kurs zu belegen, ist für mich das Beste, was mir passieren konnte. Alleine schon deswegen, weil ich sehr viel dazulerne und mich das erste Mal in meiner schulischen Karriere darauf freue, meine Hausaufgaben zu machen, aber vor allem, weil ich durch diesen Kurs eine unerwartete Leidenschaft entdeckt habe: Lyrik. Was mir als Literaturstudentin immer ein Dorn im Auge war, hat sich nun wohl, trotz der traurigen Realität, dass ich sogar bei meinen eigenen Gedichten viel zu oft das Metrum falsch einzeichne, zu meiner großen Liebe entwickelt. 

Außerdem hat mich der Kurs dazu ermutigt, an meine Texte zu glauben und sie endlich mal jemandem zu zeigen. Und das habe ich dann auch: Ich habe an einem von der Hamline University organisierten Poetry-Slam (Poesiewettbewerb) teilgenommen. Hätte mir jemand vor meiner Abreise in die USA erzählt, dass ich nahe Ende meines Aufenthalts vor einem Raum voller Menschen stehen und dann auch noch ausgerechnet meine Gedichte vortragen würde, hätte ich denjenigen ausgelacht. Doch genau das habe ich getan und anscheinend hat sich ein ganzer Tag mit enormem Lampenfieber gelohnt, denn am Ende bin ich Dritte geworden, was ich niemals gedacht hätte. 

Dann habe ich dort auch noch zwei Dichterinnen getroffen, deren Arbeit ich schon vor dem Antritt meines Auslandsaufenthaltes verfolgt habe und konnte Autogramme ergattern (*fangirling*).

Oben: Blythe Baird; Unten: Melissa Lozada-Oliva

 

Ein gelungener Abend für mich, wahrscheinlich einer der Besten meines Lebens, den es wohl ohne Belegung des Creative Writing Kurses nicht gegeben hätte.

Und weil ich gerade daran arbeite, mich zu trauen meine Texte der Welt zu zeigen, hier eine der Übungen aus dem Creative Writing Kurs: Uns wurden Farben zugeteilt, über die wir so detailliert und persönlich wie möglich schreiben sollten, und ich erhielt ein unmögliches, rötliches Braun mit dem Namen “Terra Cotta Urn“.

(Es ist möglich, dass dieser Text aus einem kleinen wenig Heimweh heraus entstanden ist 🙂 ). 

 

Terra Cotta Urn

my childhood home was terra cotta urn                                                                           

and the basketballs my sister and I would throw to each other wanting

to be like mom and dad on the basketball court.

terra cotta urn was dried blood in the driveway when I stumbled.                                                  

tasted like pretzel stick tears in my mouth

felt like a comforting hug from a band-aid on my skin.

 

terra cotta urn like the slugs in my grandmas garden that

we’d avoid to get to the raspberries 

like the 50 euros my uncle had promised us if we caught one of 

gran’s chickens

like aunt Marianne’s shouts at us to leave the poor birds alone

like the chickens we never caught.

 

terra cotta urn like the timberland shoes on my mom’s feet

when she took us to gran’s orchard to gather nuts and quinces.

like the smell of autumn leaves and fallen fruit 

like the taste of a year’s supply of quince jam.

 

terra cotta urn like my sisters screams to get me in trouble.

like the prehistoric plastic club my dad had bought her 

for carnival to make her stop crying in the store.

like the bruises I got when she chased me with it

but at least dad’s problem was solved.

 

terra cotta urn like the moth that sat upside-down on our dresser for days 

that we called Hughette

like the hot chocolate remains on our upper lips when we checked if 

it was still there after breakfast

like the shouts of astonishment the day it was gone.

 

terra cotta urn like the color I’d never have my childhood expected to be.

I’d paint everything beautiful terra cotta urn to make these days come back.

 

Vielen Dank fürs Lesen!

Eure Nathalie