Mit Hin­der­nis­sen zu den Nia­ga­ra­fäl­len

Rei­se­ziel Num­mer 4: Die Nia­ga­ra­fäl­le. Das hier wäre ein sehr kur­zer Blog­post gewor­den, doch die Rei­se zu den berühm­ten Was­ser­fäl­len war dann doch ereig­nis­rei­cher als gedacht. Was los war? Gibt’s hier.

Whe­re are you from?“, als Luxem­bur­ge­rin eine kom­pli­zier­te Fra­ge. Ich den­ke, jedem Luxem­bur­ger der mal im Aus­land war, wur­de schon ein­mal eine Fra­ge wie „Luxem­burg? Das ist eine Stadt in Deutsch­land, oder?“ oder ähn­li­ches, gestellt. Hier in den USA pas­siert mir das stän­dig. Manch­mal fra­gen die Leu­te auch über­haupt nicht nach, was Luxem­burg ist und gehen ein­fach davon aus, dass ich Deut­sche bin. Also weiß ich nie, wie ich auf die Fra­ge nach mei­nem Hei­mat­land reagie­ren soll. Ich könn­te sofort erklä­ren, dass Luxem­burg tat­säch­lich ein Land ist. Nur dann wür­de ich die­je­ni­gen belei­di­gen, die über die Exis­tenz mei­nes Zuhau­ses Bescheid wis­sen, weil Fakt ist auch, dass ich schon meh­re­ren Men­schen hier begeg­net bin, die ganz genau wis­sen wo Luxem­burg liegt und was es ist. 

Ande­rer­seits, ist es in den meis­ten Situa­tio­nen auch nicht wich­tig, ob jemand den ich nur flüch­tig ken­nen­ler­ne, nicht genau ver­steht, wo ich her­kom­me. Außer natür­lich, man wird an der Gren­ze kon­trol­liert und der Beam­te dort denkt, man wol­le sich über ihn lus­tig machen… 

Von Toron­to zu den Nia­ga­ra­fäl­len: Zwi­schen­fall mit dem Grenz­po­li­zis­ten

Von Toron­to aus, nahm ich den Bus zu den Nia­ga­ra­fäl­len. Die Nia­ga­ra­fäl­le mar­kie­ren die Gren­ze. So gibt es eine kana­di­sche und eine ame­ri­ka­ni­sche Sei­te. Der Flug­ha­fen, von dem ich am Tag danach mei­nen Flug zurück in die Twin Cities neh­men soll­te, befand sich in Buf­fa­lo, New York, also in den USA. So über­quer­te ich also die Gren­ze mit dem Bus. Als der Bus an der Gren­ze hielt, scheuch­te ein sehr schlecht gelaun­ter Beam­ter alle Insas­sen in ein klei­nes Gebäu­de. Hier muss­ten wir dann war­ten bis wir zu einem der zwei besetz­ten Schal­tern geru­fen wor­den sind. Im Gro­ßen und Gan­zen also ähn­lich wie am Flug­ha­fen. Als ich an der Rei­he war, gab ich dem über­ra­schend freund­li­chen Beam­ten mei­ne Doku­men­te. Er stell­te mir die übli­chen Fra­gen, wie: was ich in den USA will, wo ich stu­die­re etc. Dann, mei­nen Pass offen in der Hand hal­tend, frag­te er mich: „Whe­re are you from?“. Ich beto­ne noch ein­mal, dass der net­te Herr mei­nen Pass in der Hand hielt. Ich sag­te: „Luxem­bourg“. Er schau­te mich an als hät­te ich ihm gera­de mit „Mars“ geant­wor­tet und wie­der­holt: „But what coun­try are you from?“. Ich sah ihm an, dass er anfing unge­dul­dig zu wer­den. Noch ein­mal nann­te ich ihm den Namen mei­nes schreck­lich unbe­kann­ten Zuhau­ses. Jetzt war er wirk­lich genervt. Ich starr­te auf mei­nen Pass in sei­ner Hand und frag­te mich wie­so er denn nicht ein­fach laß. Es stand doch groß vor­ne drauf. „Yes, but what coun­try is that?“ sag­te er wie­der, die­ses Mal in einem Ton, bei dem mir das Herz in die Hose rutsch­te. Was soll­te ich ihm den erzäh­len? Ich fing an ner­vös zu wer­den. Was, wenn er dach­te ich wol­le mich über ihn lus­tig machen? Denn, wer hier Macht über wes­sen Schick­sal hat­te, war klar. 

Gera­de als ich mit einer Erklä­rung anset­zen woll­te, kam ihm dann Gott sei dank der glor­rei­che Gedan­ke. Er schau­te auf den Pass und – “Oh Wun­der!”, sah dort das in Gold gestanz­te „Grand-Duché du Luxem­bourg“ und plötz­lich mach­te alles Sinn. Er blick­te wie­der zu mir auf und sag­te nur lei­se und sicht­lich pein­lich berührt „Okay, have a nice trip“ und zwar so schnell, dass es wie ein ein­zi­ges lan­ges Wort klang. Ich schnapp­te schnell mei­nen Pass, ver­ließ das Gebäu­de und ließ mich dann, weni­ge Minu­ten spä­ter, erleich­tert vom Bus in die USA kut­schie­ren. Ich fra­ge mich, ob der Beam­te Luxem­bourg nach­her zuhau­se geg­oogelt hat. Ich hof­fe, er hat sich auch gleich noch einen Glo­bus gekauft.

Nach die­sem Auf­ein­an­der­tref­fen ging es aber dann ohne wei­te­re Kom­pli­ka­tio­nen wei­ter zu den Nia­ga­ra­fäl­len. Da im März noch nicht Tou­ris­ten­sai­son ist, hat­te ich die Aus­sicht fast kom­plett für mich allei­ne. Die Stadt Nia­ga­ra Falls war eine Geis­ter­stadt. Das trug aber nur dazu bei, dass ich als intro­ver­tier­tes Lebe­we­sen mei­nen Auf­ent­halt dort noch mehr genoß. 

Ich las­se die Bil­der für sich spre­chen:

 

Fare­well, Nia­ga­ra Falls!

 

Eure Natha­lie.

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